Gerichtsverfahren gegen Gerard Lopez und Éric Lux im Dezember
Gerard Lopez und Éric Lux werden im Dezember vor dem Strafgericht in Luxemburg im Fall der im Jahr 2014 getätigten Überweisungen zwischen ihrem…
Wer soll das bezahlen? In Europa brennen Wälder. 42 000 Hektar Waldfläche wurden in der Gironde zerstört. 224 000 Menschen mussten evakuiert werden. Mitte der Woche hatte die Lage sich stabilisiert, aber die Frage, ob die 850 000-Einwohnerstadt Bordeaux geräumt werden müsse, stellte sich noch. In…
In Europa brennen Wälder. 42 000 Hektar Waldfläche wurden in der Gironde zerstört. 224 000 Menschen mussten evakuiert werden. Mitte der Woche hatte die Lage sich stabilisiert, aber die Frage, ob die 850 000-Einwohnerstadt Bordeaux geräumt werden müsse, stellte sich noch. In Spanien verbrannten bisher 200 000 Hektar, was vier Fünfteln der Fläche Luxemburgs entspricht. Die Liste lässt sich forsetzen. In Griechenland wütet ein großer Brand im Süden von Kreta. In Frankreich sind neue Feuer in der Bourgogne und im Département Var ausgebrochen. In Fontainebleau, wo schon vor zwei Wochen große Teile des Waldes verbrannten, setzte ebenfalls ein neuer Brand ein.
Europa, das weiß die Klimawissenschaft, ist der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt, mehr als doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Die Hitzewelle im Juni forderte eine beträchtliche Zahl an Menschenleben. In Frankreich verzeichnet die Statistik für die zwei Wochen 17. Juni bis 2. Juli eine Übersterblichkeit von 5 700 Todesfällen, in Deutschland 5 000 für die letzte Juni-Woche. Für Luxemburg sprach Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) von 23.
Was zu tun wäre, ist klar: Den Treibhausgas-Ausstoß schnellstens auf „netto Null“ senken, die Anpassung an die Folgen der Erderwärmung verstärken. Denn selbst wenn weltweit gar keine Treibhausgase mehr frei würden, könnte die Erwärmung noch zwei Generationen lang weitergehen, schätzt der Weltklimarat IPCC.
Da ist es ganz normal, dass seit Wochen die Frage gestellt wird, wie man Menschen besser vor Hitzewellen schützt. Am Arbeitsplatz, in Schulen, Spitälern, Altenheimen, auf der Straße. Aber auch zu Hause, mit Isolation, Lüftung, Klimaanlagen. Das sind komplexe Fragen. In Luxemburg reicht die vom Umweltminister im Februar 2025 vorgestellte Anpassungsstrategie vielleicht nicht weit genug. Klar ist aber: Anpassung kostet Geld. Noch mehr, wenn sie verstärkt und beschleunigt werden soll. Woraus folgt: Wer soll das bezahlen?
Das ist auch eine Gerechtigkeitsfrage. Eine Person aus dem reichsten 0,1 Prozent der Weltbevölkerung verursacht an einem Tag so viele CO2-Emissionen wie eine Person der ärmsten 50 Prozent in einem Jahr, rechnete vergangenes Jahr Oxfam vor. Mit Gerechtigkeit verbunden ist auch, ob jemand imstande ist, sein Zuhause so herzurichten, dass es dort nicht zu heiß wird. Wer ein großes Haus mit Garten hat, ist besser dran als ein Mieter in einer kleinen Wohnung; das zeigte sich schon im Covid-Lockdown.
Weil Anpassungsmaßnahmen die Allgemeinheit bezahlt, muss Gerechtigkeit über eine Besteuerung der Wohlhabenden führen. Die mehr CO2 verursachen als Arme. Dann ist es nicht getan mit einer CO2-Steuer mit sozialem Ausgleich, wie es sie hierzulande seit 2021 gibt. Dann müssen die Wohlhabendsten einen zusätzlichen Beitrag leisten.
Eigentlich gingen die G20 einen ersten Schritt, als sie im November 2024 ankündigten zu prüfen, wie Ultra-High-Net-Worth Individuals weltweit wirksam besteuert werden können. Ein globaler Ansatz wäre gut; er würde Steuerflucht vorbauen. Doch die Ankündigung kam nicht weit. Ginge man diesen Schritt in der EU und besteuerte Vermögen ab 100 Millionen Euro mit zwei Prozent, brächte das Einnahmen von 67 Milliarden Euro im Jahr, rechnete der französische Ökonom Gabriel Zucman aus. 2025 wurden in der EU 537 Milliardäre gezählt. In Frankreich stimmte einem Gesetzesvorschlag zur Einführung einer „Taxe Zucman“ die Nationalversammlung zu, der Senat nicht. In der EU hätte so ein Instrument es auch wegen Luxemburg politisch schwer, weil das Vermögen Supperreicher zu verwalten zum Geschäftsmodell des Finanzplatzes zählt.
Doch eine Reichensteuer, deren Einnahmen zweckgebunden wären für Klimaschutz und Anpassung, ist nicht nur sinnvoll. Sie ist auch überfällig, da Extremwetter von heute auch auf Emissionen der Vergangenheit zurückgehen. Die stärksten Veränderungen finden übrigens in Nordeuropa statt. Zu den Orten weltweit, die sich besonders rasch erwärmen, zählt die Insel Spitzbergen.
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