Während wir jedes Jahr am 27. März den Internationalen Theatertag feiern, wurde Luxemburg in diesem Jahr als Gastgeberland für die Feierlichkeiten ausgewählt, die unter der Schirmherrschaft des Internationalen Theaterinstituts stehen. Im Vorfeld und über eine Woche hinweg hat die Theater Federatioun gemeinsam mit ihren Mitgliedern die „Bünendeeg“ konzipiert. Das Escher Theater hat dafür „Verbrechen und Strafe“ der Compagnie Karyatides ins Programm aufgenommen, ein Stück, das es koproduziert und im Ariston präsentiert hat. Einfühlsam und intelligent beleuchtet dieses genreübergreifende Werk die Gesellschaft, ihre Schwächen und ihre Gewalt. Die belgische Compagnie, die auf der Escher Theaterbühne bereits bekannt ist (zuletzt mit „Frankenstein“ und „Les Géants“), hat es sich zur Aufgabe gemacht, Klassiker auf ungewöhnliche Weise neu zu interpretieren – mit den Figuren und Mitteln des Objekttheaters.
„Schuld und Sühne“, der berühmte psychologische Roman von Dostojewski (der 1866 als Fortsetzungsroman erschien), wurde frei neu interpretiert und im November 2025 am Théâtre de Liège uraufgeführt. Sankt Petersburg. Der junge Raskolnikow, ein ehemaliger Jurastudent, lebt in größter Armut und lehnt sich gleichzeitig gegen eine ungerechte und korrupte Gesellschaft auf, die die große Mehrheit im Stich lässt. Indem er zum Selbstjustizler wird und den Schwachen hilft, findet er im Diebstahl und schließlich im Mord an einer alten Wucherin eine Form der Rache und Freiheit. Doch erschrocken über seine Tat, hin- und hergerissen zwischen Schuldgefühlen und Reue, driftet er in eine Welt voller Qualen, Albträume und Paranoia ab.
Wie lässt sich ein solcher Mord rechtfertigen und bestrafen? Wer ist dafür wirklich verantwortlich? Wer hat das Recht zu urteilen? All diese Fragen ziehen sich durch dieses vielschichtige Stück mit offenem Ende (im Gegensatz zum Buch), das von Karine Birgé einfallsreich inszeniert wurde. Das Tempo ist rasant, die Perspektiven wechseln auf sehr filmische Weise, die Zeitebenen verflechten sich, Stile und Genres vermischen sich (auch musikalisch). Man wechselt von Tragik zu Humor, vom Melodram zum Krimi, von Traumhaftem zu Kitsch. Die vielfältigen Stimmungen werden durch erstaunliche Lichtspiele (mit Hell-Dunkel-Kontrasten, Spezialeffekten und kräftigen Farben) unterstrichen.
Gerichtsszenen, Nachstellungen und Rückblenden folgen in diesem „Schuld und Sühne“ dicht aufeinander, das Action und Erzählung, Schauspiel und Puppenspiel miteinander verbindet. Marie Delhaye und Cyril Briant, ganz in Schwarz gekleidet und mit der Mütze der Raskolnikow-Figur auf dem Kopf, liefern eine großartige Darbietung und hauchen (mit Stimme, Mimik und Gestik) einer Handvoll schillernder Figuren Leben ein – mithilfe von etwa zwanzig Figuren (Büsten, Puppen, Holzfiguren …), die sie wiederverwertet, selbst gebastelt und geflickt haben und die sie geschickt handhaben. Die Worte sprudeln, die Dialoge entfachen sich, die Lieder erheben sich. Das Duo schlüpft manchmal in dieselben Rollen, darunter einen beeindruckenden Raskolnikow (zwei wunderschöne, eigens für die Aufführung geschaffene Figuren), was jeder Figur noch mehr Tiefe verleiht.
Raskolnikows Verbrechen wird unter die Lupe genommen. Im Büro des ermittelnden Polizisten wird darüber diskutiert. Im Gerichtssaal wird debattiert, am Zeugenstand (der im Vordergrund der Bühne steht) treten wohlwollende oder böswillige Zeugen auf: seine Schwester Dunya (sie liest auch Briefe ihrer Mutter an ihren Sohn vor), seine Freundin, die Prostituierte Sonja, die bereit ist, sich zu opfern, der skrupellose Anwalt Luschin… Man spricht darüber im Kabarett, unter den Stammgästen an den Theken, wo die Schauspieler ein Liedchen trällern und wo das Melodram mit einer gehörigen Portion Spott durchsetzt ist… Man erlebt den Mord noch einmal im Zimmer eines Raskolnikow, der mit seinen Halluzinationen ringt (mit eindringlichen Bildern).
Die Bühne beherbergt ein düsteres, bunt zusammengewürfeltes Bühnenbild aus einer anderen Zeit, das aus allerlei Krimskrams besteht. Einige Requisiten stechen besonders hervor: ein riesiger, leuchtender Christus, ein Samowar, aus dem blutrotes Wasser fließt – die überdimensionale Tatwaffe –, ein Miniaturkarussell mit diesen armen Kindern, die als Hasen verkleidet sind… Der Jahrmarkt mit seiner kitschigen Bildsprache, seinen Schreckmomenten und seinen Süßigkeiten ist nie weit entfernt.