Täglich schaufeln am Finanzplatz Tausende Angestellte anderer Leute Milliarden um. Auf der verzweifelten Suche nach gewinnversprechenden Investitionen. Überall fehlt die Massenkaufkraft für nützliche Gebrauchsgüter. Investiert wird in Künstliche Intelligenz, Waffen, Bitcoins.
„Globalisierung“ war ein modisches Hüllwort für Imperialismus: Den erdumspannenden Konkurrenzkampf um Anlagemöglichkeiten für überakkumuliertes Kapital. Als Nullsummenspiel großer Konzerne um Rohstoffe, Absatzmärkte, Arbeitskräfte. Bis zu Regionalkriegen, zwei Weltkriegen.
Am Samstag überfiel die US-Armee die Republik Venezuela. Sie entführte Staatsoberhaupt Nicolás Maduro, Ehefrau Cilia Adela Flores. Maduro ist der Nachfolger von Hugo Chávez. Der mit staatlichen Erdöleinnahmen Sozialmaßnahmen zugunsten der Arbeiterklasse finanzierte, Schlüsselindustrien verstaatlichte, Land umverteilte. Maduros Entführung schließt den mit sinkenden Erdölpreisen, US-Embargo begonnenen „Regime change“ ab.
„So we are going to run the country.“ Kündigte US-Präsident Donald Trump während einer Pressekonferenz an. „We’re going to take back the oil that frankly we should have taken back a long time ago.“
Premier Luc Frieden, Außenminister Xaver Bettel warteten am Sonntag ab. Bis der französische Präsident Emmanuel Macron, der deutsche Kanzler Friedrich Merz, die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sich distanzierten – von den Entführten. Am Montag schlossen sie sich an: „[L]e Luxembourg n’a pas reconnu de légitimité démocratique au Président Maduro.“
Im November 2024 verlangten 58 von 60 Abgeordneten, Edmundo González Urrutia, den Vertreter des Bürgertums, der Mittelklassen, als Präsidenten Venezuelas anzuerkennen.
Auf Drängen von Abgeordneten schob Außenminister Bettel am Montag nach: „Et ass d’internationaalt Recht, wat awer net respektéiert gëtt. A mir mussen als ganz klengt Land wëssen, dass d’internationaalt Recht am Fong eis bescht Garantie ass vis-à-vis vun deenen Aneren.“ Bloß nicht vis-à-vis von unseren Freunden.
Die Sympathien für Venezuela sind abstrakt. Im März 2025 rechnete Innenminister Léon Gloden dem Parlament vor: 237 Venezolaner beantragen 2023 und 2024 Asyl in Luxemburg. 125 wurden abgewiesen. 112 Anträge waren „en cours d’analyse“. Asyl gewährt: null.
Der Überfall auf Venezuela ist geläufig. Seit zwei Jahrhunderten betrachten die USA Lateinamerika als ihren Hinterhof. Fielen 1965 in die Dominikanische Republik ein, 1983 in Grenada, 1989 in Panama, statteten ein Jahrzehnt lang Terroristen in Nikaragua aus, unterstützten Militärputsche 1964 in Brasilien, 1971 in Bolivien, 1973 in Chile. Unter dem Applaus von Luxemburger Wort, RTL. Die im November veröffentlichte National Security Strategy kündigt an: „[T]he United States will reassert and enforce the Monroe Doctrine to restore American preeminence in the Western Hemisphere“ (S. 15).
Derzeit führt Russland Krieg: Es will seinen Hinterhof Ukraine nicht hergeben. Während des Kalten Kriegs behandelten die USA Westeuropa als ihren Hinterhof. Nun warnt die National Security Strategy, Europa sei nicht rassistisch genug: Es drohe eine „civilizational erasure“. Deshalb heiße eine Priorität der USA: „Cultivating resistance to Europe’s current trajectory within European nations“ (S. 27).
Gerade manipulierte die US-Regierung die Wahlen in Argentinien, Honduras. In Europa fördert sie Komplizen, rechtsradikale, neufaschistische Parteien. Im März 2025 schickte der ADR-Abgeordnete Fernand Kartheiser Vorschusslorbeeren. Drückte Präsident Donald Trump seine „heartfelt gratitude“ aus für dessen „steadfast commitment to peace”.
Mit 419 Milliarden Dollar US-Obligationen gilt Luxemburg als weltweit sechstgrößter Gläubiger der USA (www.treasury.gov). So verteidigt die US-Armee auch die am Finanzplatz umgeschaufelten Zinserträge. Besitzende Klassen, Regierung sichern die Stellung des Zwergstaats im Imperialismus. Mit Rüstungsausgaben, Ergebenheitsadressen, Schweigen.