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Ticker vom 3. Mai 2024

Die Überraschung des Weltraums Der Satellitenbetreiber SES aus Betzdorf gab am Dienstag die Übernahme seines Konkurrenten Intelsat aus Washington bekannt. Die Übernahme wird SES 2,4 Milliarden Euro kosten, sofern die…

Erschienen in Ausgabe 3 Mai 2024
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Die Überraschung des Weltraums

Der Satellitenbetreiber SES aus Betzdorf gab am Dienstag die Übernahme seines Konkurrenten Intelsat aus Washington bekannt. Die Übernahme wird SES 2,4 Milliarden Euro kosten, sofern die Aufsichtsbehörden ihre Zustimmung erteilen (bis zur zweiten Jahreshälfte 2025). Die Ankündigung kommt überraschend, da die für 2023 geplante Fusion der beiden Betreiber im vergangenen Juni begraben worden war. Die Ankündigung ist jedoch naheliegend, da die Raumfahrtbranche angesichts des Aufkommens der Herausforderer Starlink und Kuiper eine Konsolidierungswelle unter ihren traditionellen Akteuren erlebt (die jahrzehntelang ihre Einnahmen dank Satellitenfernsehen erzielt haben). Die Konstellationen in der erdnahen Umlaufbahn von Elon Musk und Jeff Bezos drücken die Preise für Satelliten-Internet, einen Wachstumsmarkt, nach unten. Im vergangenen September hat Eutelsat OneWeb und dessen Megakonstellation in 1.200 km Höhe für 3,4 Milliarden Euro übernommen. Ein weiterer etablierter Akteur stärkt damit seine Position. Durch die Übernahme von Intelsat verdoppelt SES seine Flotte nahezu, sichert sich aber vor allem Synergien und Komplementarität auf verschiedenen Umlaufbahnen, sowohl in der mittleren Umlaufbahn (zwischen 2.000 und 36.000 km über der Erdoberfläche) als auch in der geostationären (in 36.000 km Höhe).

Der luxemburgische Staat hält (direkt sowie über die BCEE und die SNCI) 37 Prozent der Stimmrechte an der SES (ein Drittel über Aktien der Klasse B und der Rest über Aktien der Klasse A). Er wird nach der Übernahme nicht verwässert, da zwei Milliarden in bar finanziert werden und der Rest durch die Ausgabe von Schuldtiteln. Der Premierminister und zuständige Minister zeigte sich am Dienstagmorgen bei einer Pressekonferenz erfreut darüber. „SES wird ein luxemburgisches Unternehmen bleiben, ein europäisches Unternehmen“, erklärte der Konservative einleitend. Der Standort der Entscheidungszentrale war im Rahmen der im vergangenen Jahr geplanten Annäherung an Intelsat ungewiss. Dies hätte die Beteiligung am Markt für die digitale Souveränität der Europäischen Union im Weltraum (über das Programm Iris2 mit einem Gesamtbudget von über zehn Milliarden Euro) in Frage gestellt. Der Hauptsitz in Betzdorf wird dadurch gestärkt, ebenso wie die führende Rolle von SES in der luxemburgischen Raumfahrtindustrie. „Das ist nicht nur gut für SES, es ist gut für die luxemburgische Wirtschaft, es ist gut für Luxemburg“, freute sich Luc Frieden. SES beschäftigt in Luxemburg 600 seiner insgesamt 2.000 Mitarbeiter. Wenige Stunden nach Bekanntgabe der Übernahme äußerten die Gewerkschaften ihre Besorgnis über die Zukunft der SES-Mitarbeiter, da das Unternehmen bereits im Jahr 2020 Umstrukturierungen vorgenommen hatte.

Auf die Frage nach der zunehmenden militärischen Nutzung der SES-Satelliten hin betonte der Premierminister, dass Luxemburg „weder Flugzeuge noch Panzer“ baue und dass „die Kommunikation ein Mittel sei, unseren Verbündeten zu helfen“. Das ist kein „sauberer Krieg“, sondern Krieg, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. pso