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Politik 3 Min. Lesezeit

Danger extrême

ZUFALLSGESPRÄCH MIT DEM MANN IN DER EISENBAHN

Erschienen in Ausgabe Juli 2026
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Die Börse am Boulevard Joseph II nennt sich „the Luxembourg Green Exchange (LGX)“. Auch „the world’s first and leading platform for sustainable finance“. Mit „EUR 1.3 trillion through LGX securities, 2,400+ labeled bonds, 3,400+ securities“ (luxse.com). Bremsten diese Investitionen den Klimawandel? Dazu macht die Börse keine Angaben. Das Thermometer schon: Es zeigte neue Hitzerekorde.

Luxemburg ist international wettbewerbsfähig: Der Wetterdienst des Landwirtschaftsministeriums meldete am Samstag 41 Grad Hitze in Remich. In Tamanrasset im Herzen der Sahara waren es an dem Tag 37 Grad. In Death Valley in der kalifornischen Mojave-Wüste wurden 43 Grad gemessen.

Das staatliche Wetteramt Meteolux warnte die ganze Woche über vor einem „danger extrême“. Ein Hochdruckgebiet transportierte heiße Luft aus Nordafrika nach Europa. Laut World Weather Attribution waren es dann „the critical levels of global warming that had caused temperature to rise so sharply“ (Financial Times, 27.6.26).

Das „global warming“ begann mit der industriellen Revolution vor über 200 Jahren. Sie gründet auf Lohnarbeit und dem kostenlosen Zugriff auf Wasser, Luft, Senken, dem billigen oder gewaltsamen Zugriff auf Energie und Rohstoffe. Motor ist der Konkurrenzkampf um Akkumulation: Um aus Kapital mehr Kapital zu machen. Bis der Motor heiß läuft, qualmt und stinkt.

Luc Frieden will der Premierminister der Handelskammer sein. Zu Beginn seiner Amtszeit erklärte er die Klimapolitik der Regierung: Im Vergleich zu Wettbewerbsfähigkeit und Wohnungsbau sei „de Kampf géint de Klimawandel e Projet dee méi à moyen et long terme ass an dat anert si kuerzfristeg Besoinen, déi eis Gesellschaft huet“ (RTL, 1.1.24).

Die Regierung versteht den Klimawandel nicht als Bedrohung für die gesellschaftliche Reproduktion. Sie hält ihn für einen Gegenstand des Naturschutzes. Sie hält Naturschutz für eine ehrbare Freizeitbeschäftigung. Vizepremier Xavier Bettel besitzt sogar einen Dackel.

Private Akkumulation auf Kosten der Allgemeinheit, des Klimas erscheint Luc Frieden nicht als Problem, sondern als Lösung: „Wa mer hanno eng Gesellschaft hunn, an där mer keng Aktivitéite méi zouloossen, dann kréie mer iwerhaapt déi Moossname géint de Klimawandel net finanzéiert.“ Wenn wir keinen Dreck machen, verdienen wir kein Geld, um ihn wegmachen zu lassen.

Im Wahlkampf machten CSV und DP Fledermäuse für die Immobilienpreise verantwortlich. Sie wollen eine „simplification administrative“ durchsetzen. Worunter sie die Aufweichung von Umweltschutzauflagen verstehen. Sie fühlen sich vom Wahlfiasko der Grünen bestätigt.

CSV und DP sind keine rechten Klimaleugner, Verbrennerfreunde, Windradgegner. Sie haben nichts gegen Klimaschutz. Auch wenn sie dem ökologischen Rollback der Europäischen Union Positives abgewinnen können.

Die Frieden, Roth, Delles sind sogar bereit, Akzisen aus dem Tanktourismus für Reparaturmaßnahmen an den bestehenden Verhältnissen auszugeben: Um auch bei 40 Grad oder mehr weiter wirtschaften, verwalten zu können wie bisher. Um Betriebe bei Energie- und Materialeinsparungen zu bezuschussen. Um Lösungen zu suchen für die Besitzstandwahrung ihrer Mittelschichtenwähler in Einfamilienhäusern, klimatisierten Büros, exotischen Urlaubsresorts.

Dagegen soll die Arbeiterklasse schwitzen. Zu diesem Schicksal sind sie angeblich geboren: die Bauarbeiter, Dreher, Kellnerinnen, Essensausfahrer, Erntehelferinnen in der prallen Sonne, überhitzten Blechhallen, schlecht isolierten Wohnungen. Die Regierung empfiehlt ihnen „Resilienz“, den Klimawandel zu erdulden.

Die Klimaziele internationaler Konferenzen werden nicht eingehalten. Vielleicht ist die Klimakrise unter den gegenwärtigen Wirtschaftsverhältnissen gar nicht aufzuhalten. Sie wird von der Aufrüstung, den Kriegsvorbereitungen verschärft. Von der Machtergreifung autoritärer, nationalistischer, klimafeindlicher Demagogen, die diese Wirtschaftsverhältnisse um jeden Preis erhalten wollen. p romain hilgert