Am vergangenen Freitag präsentierte das luxemburgische Musikerquartett, das sich seit über zehn Jahren „No metal in this battle“ nennt, dem Publikum in der Rotonde sein neues und viertes Album: „Wie Kraut und Rüben“. Vor einem bis zum Bersten gefüllten Saal drängten sich die Zuschauer und Zuhörer vor den Herren Pierre Bianchi (Gitarre, Keyboard), Laurent Panunzi (Bass), Marius Remackel (Gitarre, Noise) und Gianni Trono (Schlagzeug, Percussion). Das luxemburgische Publikum ist bekanntlich aufmerksam, aber eindeutig nicht das ausdrucksstärkste. Doch hier, vor unseren Afro-Post-Punk-Funk-„Metallern“, ging es doch ganz schön zur Sache. Der Grund: ein absolut gelungenes neues Album, das dazu anregt, sich bis zur Erschöpfung zu bewegen.
Doppel-Release-Party in den Rotondes an diesem kühlen, regnerischen Abend, der jedoch niemanden abkühlen ließ. Das Line-up war in der Tat äußerst verlockend: Zum einen die Größen von „No Metal in This Battle“ mit ihrer Mischung aus Afrobeat, Math-Rock und Post-Rock, zum anderen das Duo der schrägen Vögel von „The Cookie Jar Complot“, die einen orkanartigen Math-Rock zum Besten gaben… Fast wie bei einer Party unter Freunden eröffneten die vier Musiker den Abend mit ihrem neuesten Werk „Wie Kraut und Rüben“, was man nur als „wie Kohl und Rüben“ übersetzen kann, und damit eine Art Chaos, Verwirrung, Unordnung oder wilde Mischung schaffen – oder, wie man mir in umgangssprachlicher Übersetzung ins Ohr flüstert: „auf den Kopf gestellt“. Eine recht treffende Metapher für ihre Musik und ein gut gewählter Ausdruck, um die Atmosphäre dieses in seiner Art ziemlich genialen neuen Albums zu vermitteln, das im vergangenen Juni im Internet erschienen ist
Bei den „Rotondes“ geht es darum, das Publikum auf die physische Veröffentlichung des Projekts auf Vinyl aufmerksam zu machen. Als entscheidender Moment im Leben eines Albums ist es für eine Band von größter Bedeutung, das Objekt ihrer Musik „anfassen“ zu können. Eine hübsche Schallplatte, deren Vorderseite mit einem Design von Julien Hübsch verziert ist und deren Rückseite die Titel in schlichter Auflistung zeigt. Lightrider, Shimokita, Zeitzonensynchronisationmechanismus, Disco Dans Ta Cave, Lord Of Fuzz und Fano sind auf dieser neuen Platte vertreten, die bei Muaaah! Records (neben A tant rêver du roi records und Don’t trust a bear records) veröffentlicht wurde – dem Label „made in Rotondes“, auf dem sich zahlreiche alte Hasen der luxemburgischen Musikszene wiederfinden.
Seit 2012 und „The Husky Tape“, vor allem aber seit ihrem ersten großartigen Album „Paprika“ aus dem Jahr 2017 und nach mehr als zehn Jahren Bandgeschichte, geprägt von internationalen Tourneen bis nach Indien und Korea, präsentiert „No Metal in This Battle“ ihre ungewöhnliche Musik, die von den recht unterschiedlichen Werdegängen der Bandmitglieder geprägt ist. Doch in diesem Jahr bricht „Wie Kraut und Rüben“ ein wenig mit ihren Gewohnheiten. Seit Beginn der Pandemie gibt es bereits eine Veränderung in ihrer Arbeitsweise. Die Einschränkungen haben sie zu kreativer Spontaneität geführt, was das Komponieren und die schnellere Aufnahme der Tracks angeht. Allerdings entstand dieses Album nicht über Nacht; schon seit einiger Zeit wird jeder Titel wie ein Diamant geschliffen. Der eingeschlagene Stil ist jedoch „tanzbar“, mit einer funkigeren Attitüde denn je, und wir versichern euch: Das macht richtig Lust, sich zu bewegen. Dahinter lassen sie natürlich ihre Einflüsse einfließen, von Psychedelic über Krautrock bis hin zu anderen Klangwelten …
Tatsächlich entführt uns „Lightrider“ – wie der Name schon sagt – in die Welt der Scheinwerfer und Discokugeln und lässt uns durch verschiedene Disco-Stilrichtungen wirbeln, was zu einem absolut radiotauglichen Titel führt, der von der Stimme des geheimnisvollen Xavier Battle getragen wird. „Disco dans ta cave“ erinnert fast an eine Neuauflage der Titelmelodie von „MacGyver“, mit einem rockigen Puls, der uns dazu bringt, auf einen Beiwagen zu springen und Diesel in rauen Mengen zu verbrennen … Na ja, was soll’s? „Shimokita“ erinnert stark an frühere Eskapaden der Band und rückt den Afrobeat, den sie sich zuvor als Markenzeichen zu eigen gemacht hatten, wieder in den Mittelpunkt. Mit „Zeitzonensynchronisationmechanismus“ macht uns die Band keine Geschenke, und wenn wir das Album einem Freund empfehlen müssten, würden wir sagen: „Hör dir Track 4 an“, der auf Krautrock-Grundlagen fein ausgearbeitet und mit ihrer ganz eigenen Note gewürzt ist. „Lord of Fuzz“ kehrt zu kraftvollem Funk zurück und lässt dabei Battles Stimme erneut in die Tiefen des politischen Aktivismus eintauchen. Der Funk-Punk-Track „Fano“ rundet das Album makellos ab, ebenso wie das „UFO“ „Wie Kraut und Rüben“, das letztendlich gar nicht so abwegig ist. So gelingt es „No metal in this battle“ mit ihrer dynamischen, aus dem Unvorhergesehenen unserer Welt entstandenen Jam-Session erneut, sich zu profilieren – und es überrascht nicht, dass das Ergebnis super gut ist.