In „Six jours, ce printemps-là“ bringt der Belgier Joachim Lafosse eine Kindheitserinnerung auf die Leinwand: die Erinnerung an eine Ferienwoche, die er mit seinem Zwillingsbruder und seiner Mutter im idyllischen Südfrankreich verbracht hat. Diese kurze Zusammenfassung klingt verlockend, doch die belgisch-französisch-luxemburgische Koproduktion tut sich schwer, die versprochene traumhafte Atmosphäre zu vermitteln, lässt die Perspektive der Kindheit außer Acht und verstrickt sich in einem Tempo, der in Zeiten des rasanten Kinos zwar beruhigend wirkt, bei dem man aber leicht den Faden verliert. Ausgezeichnet mit dem Preis für die beste Regie und dem Preis für das beste Drehbuch beim Internationalen Filmfestival von San Sebastián 2025 – wir freuen uns, dass es nach wie vor ein Publikum für diese Art von Kino gibt, auch wenn es für uns kein Favorit ist.
Ein Frühling, in dem die Luft elektrisierend ist: Eine Mutter namens Sana – treffend dargestellt von Eye Haïdara –, die wegen einer vermutlich komplizierten Vergangenheit nervös ist, nimmt ihre Zwillinge – überzeugend gespielt von Leonis und Téodor Pinero Müller – mit in eine Woche Urlaub. Als am Zielort angekommen die Pläne ins Wasser fallen, beschließt sie, ihre Kinder und ihren Freund in die Villa ihrer ehemaligen Schwiegereltern am Meer mitzunehmen. Dort, an dieser bezaubernden Côte d’Azur, verbringt das Quartett sechs Tage im Verborgenen, bei Kerzenschein, fernab von neugierigen Blicken – ein Urlaub zwischen Freude, Zärtlichkeit und Ängsten. Sana, geschieden und von ihrer gescheiterten Ehe befreit, kehrt an einen Ort zurück, den sie früher anders erlebt hat und an dem sie nun nicht mehr willkommen ist. In dieser kurzen Woche am Meer mit den Menschen, die sie liebt, durchlebt sie eine Trauer, die sie zuvor nicht bewältigen konnte. Getragen von ihrem neuen Freund – nüchtern dargestellt von Jules Waringo – balanciert sie wie eine Seiltänzerin zwischen ihrer aufkeimenden Beziehung, dem Aufenthalt in einem Haus, das nicht mehr ihr gehört, und der Verleugnung der Konsequenzen all dessen.
Ausgehend von einer noch immer lebendigen persönlichen Erinnerung filmt Joachim Lafosse, um die Radikalität und die Unbesonnenheit des erlebten Augenblicks nachzuzeichnen. Die Geschichte ist zärtlich, ohne Verbrechen, zeigt zwar einige Hitzköpfe, vor allem aber intensive Momente der Liebe und den Besuch dieses flüchtigen Paradieses, das die Filmkunst anzieht. Bekannt für sein intimes und unruhiges Kino, ist Joachim Lafosses Ruf längst gefestigt. Nach zehn Filmen (Nue Propriété, „Les Intranquilles“) schreibt er hier ein weiteres Kapitel seines filmischen Schaffens, das ihm selbst, seinen Fragen und seiner Rolle als Seismograph des Menschlichen noch näher steht – als Jäger der tiefgreifenden Erschütterungen des Seins und der unsichtbaren sozialen und familiären Mechanismen. Und auch hier beginnt er also erneut, indem er die Regler tief in die Abgründe sozialer Spannungen dreht.
Die dargelegten Fakten – seien wir nun kritisch und, um ehrlich zu sein: Sechs Tage lang hat uns dieser Frühling gelangweilt. Und auch wenn der Film nicht viel mehr erzählt als die oben aufgeführten paar Zeilen der Inhaltsangabe, liegt das Problem vor allem darin, was er nicht zu erzählen wagt. Oberflächlich betrachtet sieht man diese geschiedene Mutter, die allein für ihre Kinder verantwortlich ist, während ihr steinreicher Ex-Mann sie mit Lektionen in Anstand bombardiert – eine ungesunde Rache für ihre Emanzipation. Im Grunde genommen sieht man davon aber gar nicht so viel. Der Film bedient sich des Cinéma vérité, in dem nichts Besonderes passiert, abgesehen von den paar Streiche der Zwillinge, ein oder zwei innigen Küssen und dem Auftritt eines ungepflegten Nachbarn mit einer Zigarette im Mundwinkel – ein Klischee unter vielen. Und dann reiht sich „Sechs Tage, jenes Frühjahr“ in die Reihe der Arthouse-Filme par excellence ein: Der Ton ist monoton, die Spannungen gehen in langen Schweigepausen unter, die Farbkorrektur ist vergilbt, die Bildkompositionen zurückhaltend, die Protagonisten oft von hinten oder in dieser berühmten 3/4-Perspektive zu sehen, die sie geheimnisvoll erscheinen lässt, obwohl sie doch ganz normal sind.
Letztendlich liegt die Qualität des Films in seiner Normalität, seiner Echtheit, seiner Alltäglichkeit. Lafosse schildert eine Realität auf der ersten Ebene, als wäre man selbst dabei, fast wie in einem Dokumentarfilm. Ein 94-minütiger „Striptease“, der dort endet, wo er begonnen hat, ohne dass sich etwas verändert hat. Geprägt von einer hellen Atmosphäre und feinfühligen Einstellungen, die zwischen Nähe, Unschärfe und Schweigen schwanken, setzt Joachim Lafosse auf eine gewisse Nüchternheit, um uns den Moment gemeinsam mit den Protagonisten erleben zu lassen. Doch auch wenn sich darin ein Drama abspielt, lässt uns eine gewisse Trägheit in der Herangehensweise ungeduldig werden. Ein bisschen wie ein regnerischer Tag an der Südküste eben…
Man bedauert diese Zurückhaltung eines fleißigen Schülers. Man sehnt sich nach dem Blick von Lafosse, der doch sonst in der Lage ist, die Risse im Innersten der Menschen zu durchleuchten. Er, dessen Name in der Ruhmeshalle des europäischen Kinos steht, scheint sich in seine Erinnerungen zurückzuziehen – die sicherlich verzerrt sind, wie es unser Gedächtnis mit der Zeit nun einmal tut – und vergisst, sich dem einen oder anderen Aspekt des Familienthemas, das er behandelt, näher zu widmen. So ist „Sechs Tage in jenem Frühling“ weder wirklich sanft noch ganz und gar grausam; er prangert nicht viel an, außer einer Tatsache: eine Frau, die durch ihre Scheidung ihren sozialen Status verloren hat und versucht, Lösungen zu finden, um ihren Kindern ein schönes Leben zu ermöglichen. Eine Person unter vielen, die der Banalität dieser Welt ausgeliefert ist. Ein höflicher Film, dem die erwartete Leidenschaft fehlt.