In Debatten über die Klimakrise kann man sich immer darauf verlassen, dass der übliche Wirtschaftswissenschaftler die vermeintlichen Kosten von Klimaschutzmaßnahmen gelehrt mit deren erwarteten Auswirkungen abwägt, um dann zu dem Schluss zu kommen, dass es dringend notwendig ist, abzuwarten. In einer aktuellen Studie zeigt der Physiker und Historiker Ben Franta von der Stanford-Universität, dass Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie seit Jahrzehnten gezielt ihnen wohlgesinnte Ökonomen in Expertengremien berufen haben, die zu diesem Thema Stellung nehmen sollten, und dabei verschleiert haben, dass sie diese finanzierten.
Diese Strategie der „Kooptierung von Experten“ wurde bereits 1978 in einem gleichnamigen Handbuch der Ökonomen Bruce Owen und Ronald Braeutigam dargelegt. Um die Regulierung zu ihren Gunsten zu beeinflussen, müssen Unternehmen die einflussreichsten Experten auf einem Gebiet identifizieren und „sie als Berater und Ratgeber engagieren oder ihnen Forschungsgelder und ähnliche Mittel zur Verfügung stellen“. Doch Vorsicht, dieser Ansatz „erfordert ein gewisses Maß an Fingerspitzengefühl: Er darf nicht zu offensichtlich sein, denn die Experten selbst dürfen nicht erkennen, dass sie ihre Objektivität und ihre Handlungsfreiheit verloren haben“.
Als die US-amerikanische Akademie der Wissenschaften 1983 einen Bericht zum Klimawandel veröffentlichte, in dem der wissenschaftliche Stand und die regulatorischen Ansätze zusammengefasst wurden, wurden die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Forschern dargelegt, die angesichts der Folgen anhaltender Emissionen alarmiert waren, die zweiten von Ökonomen, die der Ansicht waren, dass diese Folgen gar nicht so gravierend sein würden und es besser sei, Migration und Anpassung zu akzeptieren, anstatt den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu reduzieren. Die Reagan-Regierung nutzte diesen Bericht, um die weitere Nutzung von Kohle zu rechtfertigen.
Als sich die Diskussion anschließend auf die Frage richtete, ob die Einführung einer CO₂-Steuer sinnvoll sei, argumentierten vom American Petroleum Institute bezahlte Ökonomen, dass eine Emissionskontrolle die Wirtschaft zerstören würde. Ihre Ansichten wurden in den Medien weit verbreitet, die sie als unabhängig und objektiv darstellten, obwohl sie voller Voreingenommenheit zugunsten der Erdölindustrie waren. Sie wurden auch genutzt, um den internationalen Bemühungen entgegenzuwirken, die auf dem Rio-Gipfel 1992 eingeleitet worden waren. Die gleiche Methode wurde 2003, 2005 und 2009 zur Einführung einer „Cap-and-Trade“-Regelung in den Vereinigten Staaten zu sabotieren und 2017, um den Austritt Washingtons aus dem Pariser Abkommen zu rechtfertigen.
Was Ben Franta so ausführlich beschreibt, erinnert uns daran, dass die Wirtschaft, zumindest so, wie sie überwiegend betrieben wird, viel mehr eine beschreibende und normative Disziplin als eine Wissenschaft ist und dass ihre Fachleute umso mehr die Schönfärberei der ehrlichen Rede vorziehen, je mehr ihre Einkünfte – oft auf verdeckte Weise – von jenen aufgestockt werden, die weiterhin die Umwelt verschmutzen wollen.