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Eventisierung der Universität

„The research at C²DH is high-quality, ambitious and forward-looking“, ist nur einer der vielen generischen, leeren Sätze aus dem jüngst publizierten Evaluierungsbericht über die Arbeit des Luxemburger Zentrums für…

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„The research at C²DH is high-quality, ambitious and forward-looking“, ist nur einer der vielen generischen, leeren Sätze aus dem jüngst publizierten Evaluierungsbericht über die Arbeit des Luxemburger Zentrums für Zeitgenössische und Digitale Geschichte. Der Bericht, der von der Technopolis Gruppe erstellt wurde, wirft mehr Fragen auf, als er Antworten liefert. Für welchen Betrag die Bewertung durchgeführt wurde, will das DP-geführte Ministeriums für Hochschulwesen auf Nachfrage nicht angegeben. An der Evaluierung mitgewirkt haben Professor/innen der Universitäten Utrecht, Essex und Frankfurt (Oder).

Dass bei der Evaluierung nicht systematisch vorgegangen wurde, um die Arbeit am Institut zu erfassen und zu bewerten, wird insbesondere auf den letzten Seiten des Berichts deutlich: Dort wird empfohlen, man müsse künftig „Erfolg“ von Forschungsprojekten definieren – also eine Definition vorlegen, die es erlauben würde, eine Metrik zur Evaluierung des Forschungsimpacts anzulegen. Ein paar Zeilen später wird allerdings behauptet, es läge „impressive evidence of societal impact“ vor. An keiner Stelle wird die Bewertungsmethode offengelegt – bis auf einen Besuch der evaluierenden Professoren in Belval, ein Panel-Gespräch sowie eine „Selbstevaluierung“, die den Peer-Reviewern vom C²DH übermittelt wurde. Ins Absurde rutscht der Bericht, wenn er angibt, die Forschung am C2DH „consists of high risk“ – riskieren die Forscher/innen hier tatsächlich ihre körperliche Unversehrtheit, oder meint man einen risikobehafteten Umgang mit Geld? Die Autoren geben hierauf keine Antwort. „Um den Forschungsumfang des Instituts ansatzweise zu umreißen, hätte man die Anzahl an Publikationen (Peer-Review-Artikel, Monografien) angeben können; um den gesellschaftlichen Impact zu veranschaulichen, hätte man erwähnen können, mit wie vielen Lehrer/innen und Schüler/innen man in Kontakt stand (beispielsweise in Workshops).“ Hier und da ist dem Bericht dennoch zu entnehmen, dass beachtenswerte Projekte am Zentrum initiiert wurde – wie das Journal of Digital History sowie die Erstellung von Software- und Lehrmaterial (Ranke.2 und Impresso)

Die Evaluierung umfasst die Jahre 2018 bis 2023 (gegründet wurde das Zentrum 2017). Gegen Ende dieser Periode beschäftigte das Institut 46 Angestellte, darunter fünf ordentliche Professoren, zwei außerordentliche Professoren, sechs Assistenzprofessoren, 27 Postdoktoranden und sechs wissenschaftliche Mitarbeiter. Für das Jahr 2023 erhielt das Zentrum von staatlicher Seite fast sieben Millionen Euro; 2018 waren es mit 4,3 Millionen deutlich weniger. Ein Bruchteil des Geldes stammt aus der „Industrie“ und von „Vereinen“. Hierbei hätte erläutert werden können, ob es sich um Auftragsarbeiten handelt und was unternommen wurde, um akademisches Arbeiten nicht zu begrenzen. Dem Bericht ist zu entnehmen, dass es keinem der Wissenschaftler gelungen ist, ein – in der Regel hochdotiertes – Marie-Skłodowska-Curie-Forschungsstipendium der EU zu akquirieren. Auch scheint das Institut bisher nicht Teil des Horizon-EU-Förderprogramms gewesen zu sein.

In gewisser Weise ist der Bericht despektierlich gegenüber den Forscher/innen des C²DH, weil ihm zu entnehmen ist, dass man sich nicht ernsthaft mit der Arbeit des Instituts auseinandergesetzt hat. Stattdessen endet das Dokument mit einigen Schulterklopf-Sätzen, die sich an einer Eventisierung der öffentlichen Debatte orientieren statt an akademischer Sachlichkeit: Das Zentrum sei bald „world leading“ in seinem Bereich, die Universität solle darauf „proud“ sein. p