„Showroom, inszeniert von Rébecca Balestra, Igor Cardellini und Tomas Gonzalez, aufgeführt am 13. Oktober im Kinneksbond, Kulturzentrum Mamer, vor 70 Zuschauern“. Hier eine treffende, durchaus didaktische Zusammenfassung, ganz im Stil der Aufführung, die das Titelblatt des gedruckten Kinneksbond-Programms ziert. So sehen also die Übertitel aus, die die gesamte Aufführung begleiten… Eine Aufführung, die aus einer Aneinanderreihung informativer Zeilen besteht – die zwar durchaus lehrreich sind, aber unseren Blick als Zuschauer behindern, da wir zu einem ständigen Hin- und Herwechseln zwischen dem oberen Rand des Bühnenrahmens, wo sich die Übertiteltafel befindet, und der viel tiefer liegenden Bühne gezwungen sind… Eine Qual für die Zuschauer im Saal, die bei diesem Stück, das zudem aus großartigen Bildsequenzen besteht, nie genug Zeit haben, es gebührend zu genießen… Indem es zu viel sagen und sein Publikum zu sehr belehren will, schießt sich das Schweizer Trio selbst ins Bein und verfehlt seine doch so gut gemeinten Ziele. „Unser Streben nach ‚immer mehr‘ wird wahrscheinlich unser Untergang sein“, sagen sie und gehen unglücklicherweise so weit, diese Abhandlung wie eine akademische Fallstudie zu formulieren… Man versteht also vollkommen den Ansatz und wohin das Trio uns führen will… Es ist wichtig, dies gleich zu Beginn zu erwähnen, denn tatsächlich ist die ursprüngliche Absicht lobenswert: die „Dekonstruktion“ der übergeordneten Idee des Fortschritts als natürliche Entwicklung der Menschheit. Wo es jedoch heikel wird, ist die künstlerische Umsetzung. Wir erklären es genauer.
„Cactus, Einkaufszentrum, La Belle Étoile, Mamer, 2022“, steht auf der Laufschrift, die uns schon zu Beginn des Stücks Angst einflößt. Darunter hat die mitreißende Schauspielerin Rébecca Balestra sichtlich Spaß daran, Klischees für den Aufbau des Stücks aufzubauschen. „Wir stellen Haute-Couture-Parfümerie her“, sagt sie und erntet damit das Gelächter des Publikums. Bis dahin läuft alles gut. Die Übertitel sind eher nebensächlich und laden dazu ein, die komisch-burleske Darbietung der Schauspielerin zu ergänzen.
Und dann bricht alles unter der Last der vielen Informationen zusammen, die sich in unserem Blickfeld ansammeln. Unsere Augen wandern auf und ab und bemühen sich zunächst, eine perfekte Balance zwischen dem Text auf der Tafel und den Darstellern auf der Bühne zu finden. Doch schon sehr schnell stellen sich Kopfschmerzen und eine Überlastung der Augen ein. Dieses endlose Hin und Her weckt Erinnerungen an bestimmte langweilige Vorlesungen aus längst vergangenen Zeiten, in denen wir unseren Blick von den Notizen auf dem Pult zu der regungslosen Person hinten im Hörsaal schweifen ließen, die eine jahrhundertealte Leier vortrug, die sich eigentlich für immer in unser Gedächtnis hätte einprägen sollen.
Genau darin liegt das Problem: Der enzyklopädische Charakter ist ermüdend, und der Witz vieler Szenen, die Balestra und seine Bühnenregisseure inszenieren, erstickt unter dem Staub eines bücherhaften Stücks. Eine Aufführung, die alles sagt, in der aber fast nichts passiert. Davon zeugt eine abstruse Passage, in der Übertitel vorgelesen werden, während die Bühne voller Gegenstände, aber leer von Darstellern ist – untermalt von verführerischem Techno, der unseren Willen, dem Lesefluss zu folgen, schlagartig zunichte macht. Bald liest man gar nichts mehr und versucht, die Bruchstücke einer Theateraufführung aufzufangen, die eher der Illustration eines philosophischen Essays über das Werden des Menschen gleicht und schließlich unter ihrem in diesem Aufführungsrahmen allzu schwerfälligen Lehransatz versinkt.
„Showroom“ hat jedoch nicht nur Schwächen. Man erkennt eine großartige Inszenierung mit straff durchgehaltenen Höhepunkten, einem geradezu genialen, präzisen Einsatz von Ton und verrückten Ideen, die uns zum Lachen gebracht haben – wie zum Beispiel dieses Tochter eines Henkers, die unter dem Deckmantel des sozialen Fortschritts selbst Henkerin werden will… Doch diese Euphorie schwindet in endlosen Längen dahin, in denen uns Text im Übermaß serviert wird, wie bei einem All-you-can-eat-Buffet, bei dem man am Ende vollgestopft wie eine Gans ist und beim Verlassen des Lokals nicht mehr als zwei der verzehrten Gerichte aufzählen kann.
Der Effekt ist hier also derselbe: Man hat sehr wohl verstanden, dass wir in der Klemme stecken und dass die Zukunft nicht rosig sein wird, doch dieses ständige Wiederkäuen ist nicht konstruktiv, ja sogar nutzlos, und die Kraft des Theaters, eindringliche Bilder zu erzeugen, hat hier nur wenig Einfluss auf den Zuschauer. Das Schlussbild erinnert übrigens eher an eine Museumsinstallation, und zwar an eine, die theoretische Forschung veranschaulicht, zur Intellektualisierung einlädt und den Besucher, der gekommen ist, um sie zu entdecken, auf einen persönlichen Weg zu den Fragen führt, denen man lieber ausweichen möchte.
Hier, vor „Showroom“, fühlt man sich ein bisschen wie Kinder, denen man eine Moralpredigt hält, oder bestenfalls wie Studenten, die das alles für ihre Zwischenprüfung lernen müssen. Und dieser fehlende Dialog mit dem Publikum ist geradezu beunruhigend. Doch wenn es stimmt, dass das Theater sich engagieren muss – was Showroom zugegebenermaßen mit Bravour tut –, muss man die Zuschauer dann wirklich noch belehren? Ist es nicht an der Zeit, mit ihnen zu sprechen, anstatt sie erziehen zu wollen?