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Bühne 4 Min. Lesezeit

So sind die Menschen eben

Die beeindruckende Anzahl der von Georges Courteline (1858–1929) verfassten Sketche – er sagte: „Ein Akt, ein einziger Akt, das ist mein Maß am Theater“ – kann als Einführung in seine Komödien betrachtet werden. Darin…

Erschienen in Ausgabe Januar 2024
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Raoul Schlechter und Denis Jousselin in Bestform bei diesen acht Sketchen © Bohumil Kostohryz

Die beeindruckende Anzahl der von Georges Courteline (1858–1929) verfassten Sketche – er sagte: „Ein Akt, ein einziger Akt, das ist mein Maß am Theater“ – kann als Einführung in seine Komödien betrachtet werden. Darin schildert er, oft auf exquisite Weise, die Dummheit und Boshaftigkeit des Menschen, jedoch stets mit einer rührenden Note. Er ist ein scharfsinniger Maler der menschlichen Mittelmäßigkeit, der den Zuschauer zum Lachen bringt, der sich zwar im Theater befindet, aber oft getäuscht wird, weil er im ersten Moment nicht erkennt, dass sich der Schauspieler vom „echten“ Leben inspirieren lässt.

Courteline erweist sich in seinen Sketchen als scharfsinniger Beobachter des Alltags und reiht sich damit in die naturalistische Tradition von Denis Diderot und Émile Zola ein, womit er mit dem Boulevardtheater bricht. Angesichts der Unmöglichkeit der Kommunikation zwischen den Menschen, die in ihren eigenen Sichtweisen gefangen bleiben und fast unfähig sind, den anderen zu sehen, ist Courteline mit seinen Beobachtungen in diesem Sinne ein Vorläufer des Absurden.

„Saynètes“, eine Sammlung von zwölf kleinen Szenen, ausgewählt von v, dem Regisseur, Bühnenbildner und Kostümbildner des Stücks, konfrontiert das Publikum gleich zu Beginn des Abends mit einem schlichten Bühnenbild im Stil des 19. Jahrhunderts: ein großer, mit cremefarbenen Tapeten ausgekleideter Raum, gegenüber ein Klavier, zu beiden Seiten ein Einbauschrank, von denen einer auf der Bühnenseite als Ein- und Ausgang für einen majestätischen, unbeweglichen und blinden Pianisten dient; Jean Muller, der Werke von Johannes Brahms spielt und einen Szenenwechsel ankündigt.

Der andere Schrank auf der Gartenseite dient hingegen vor allem als „Schatzkiste“, aus der nach und nach Kleidung und Accessoires in allen Farben hervorgeholt werden, die den Schauspielern dienen – unzählige Fundstücke aus dem Fundus des Nationaltheaters, eine mögliche Anspielung auf die Welt der unendlichen Möglichkeiten des Theaters.

Die Auswahl der verschiedenen kleinen Szenen ermöglicht es, in den Alltag der Menschen einzutauchen, zeigt ihre echten und ihre vorgetäuschten Probleme sowie ihre Art und Weise, sich aus der Affäre zu ziehen. Manche lassen sich gut auf verschiedene Epochen übertragen und können als traurig (was für ein trauriges Schicksal sie doch haben) oder manchmal als erbärmlich bezeichnet werden. Zwar lacht man darüber, doch bezieht sich diese Bezeichnung eher auf die Kleinlichkeiten und Ungeschicklichkeiten der Protagonisten, auf ihr „Talent“, Probleme zu schaffen, sich hilflos zu zeigen und ihre Situation ins Absurde zu treiben. In diesem Zusammenhang spielen die Einfälle des Regisseurs und das Spiel der Schauspieler eine große Rolle.

Manchmal wird eine skurrile Situation durch das Schauspiel auf die Spitze getrieben. Als Beispiel sei der Mann genannt, der in „Rue de la Pompe“ durch die Beschreibung des Labyrinths des Pariser Nahverkehrs verwirrt wird. Nehmen wir die Skizze mit dem Titel „Monsieur Badin“, in der der Beamte, ein ewiger Abwesender, sich gegenüber dem Direktor rechtfertigt: „Hören Sie mal, Monsieur. Haben Sie jemals über das Schicksal des armen Beamten nachgedacht, der systematisch und hartnäckig nicht ins Büro gehen will und den die Angst, entlassen zu werden, von einem Ende des Tages zum anderen verfolgt, quält und martert?“

Das Schauspiel der Darsteller, das in verschiedenen Sketchen hervorragend ist – wie zum Beispiel Denis Jousselin als Wahrsagerin oder Raoul Schlechter in „Der Bär“ –, lässt bestimmte Szenen noch mehr genießen. Ebenso wie die abwechslungsreiche Auswahl der Situationen durch den Regisseur, der sichtlich Freude daran hat, bestimmte Szenen zu inszenieren und daraus Bilder zu schaffen, die – manchmal durch ihre Extravaganz oder ihre Komik – zum Lachen anregen, selbst in Situationen, die an sich eher traurig sind.

Die Sketche von Georges Courteline bringen das Publikum zum Lachen, zum Schmunzeln und zum Nachdenken, und das Ensemble um Jean Flammang, Denis Jousselin und Raoul Schlechter, begleitet am Klavier von Jean Muller, entführt das Publikum in ein theatralisches Erlebnis mit absurden Zügen.