Ich war mit meinem „Barometer“ gekommen, um den Grad an Magie in dem einen oder anderen Stück für junges Publikum zu messen, und „À propos de Liewen“ hat das junge Publikum zweifellos in Staunen versetzt … Im Rahmen von Fabula Rasa begrüßten die Rotondes die Compagnie Kopla Bunz für dieses Stück, das sich an Kleinkinder richtet und vom Bilderbuch „Das ist das Leben“ von Christian Borstlap inspiriert ist. Unter der Leitung von Ela Baumann inszenierte sie zwei Virtuosinnen der luxemburgischen Musik und versetzte sie in einen regelrechten Rausch: Claire Parsons und Marie Christiane Nishimwe.
Lange Zeit galt das „Kinder- und Jugendtheater“ als Rückzugsort für Künstler, die im „Allgemeinpublikum“ weder eine Bühne noch Zuschauer fanden. Dabei erfordert dieses Genre denselben intellektuellen, kreativen und technischen Anspruch. Heute endlich wird das junge Publikum auf die gleiche Stufe gestellt wie das „andere“. So wechseln die talentiertesten Künstler des Landes mit Leidenschaft von einem Genre zum anderen. Wie das Sprichwort sagt: „Eine gute Vorstellung für Kinder ist eine gute Vorstellung für Erwachsene“ – eine Hymne an diese neue Generation, die sich dem jungen Publikum widmet.
„À propos de Liewen“ ist ein eindrucksvolles Beispiel für eine Bühnenkomposition für Kinder, an der Künstler aus der Welt der Erwachsenen mitwirken. Die Theatergruppe Kopla Bunz hat zunächst die Bühnen der Erwachsenenwelt im Sturm erobert, indem sie sich an Werke wie „1984“ von George Orwell wagte oder, wie sie es selbst beschreiben, „ alle Arten von Begegnungen zwischen Musik, Tanz, Theater und bildender Kunst“ inszeniert. Eine kurze Beschreibung, die letztlich auch das vorliegende Stück treffend charakterisieren könnte.
In „À propos de Liewen“ stehen neben Anstand, Tricks und Kreaturen auch Claire Parsons und Marie Christiane Nishimwe im Rampenlicht. Zwei großartige Künstlerinnen der großherzoglichen Musikszene für Erwachsene. Die eine ist eine anerkannte zeitgenössische Musikerin, die in ganz Europa von Bühne zu Bühne reist, die andere eine Opernsängerin, die eher dem klassischen Repertoire zugeneigt ist. Ela Baumann lädt diese beiden großartigen Damen daher ein, um ein hervorragendes Duo zu bilden. Auf der Bühne sind sie witzig, manchmal virtuos, oft extravagant, und vor allem bieten sie einen sehr gelungenen Moment des Austauschs zwischen Bühne und Saal.
„Was ist das Leben eigentlich?“ Die zentrale Frage des Stücks, Ausgangspunkt für die Fantasiewelt, die das Leben birgt, wenn man es in all seinen Formen betrachtet. Hier beginnt also alles mit einem Samenkorn, aus dem vielfältige und unterschiedliche Geschöpfe entstehen – Wesen aller Art, die miteinander verbunden sind, manchmal aufgrund ihrer Unterschiede aneinandergeraten, sich aber auch gegenseitig ergänzen. „À propos de Liewen“ handelt von Symbiose und Konkurrenz, vom Leben im wahrsten Sinne des Wortes.
Nun wird man die Dramaturgie, die gemächlich vor sich hin plätschert und dabei zahlreiche Nebenwege einschlägt, ohne sich allzu sehr an fulminante Umwege zu wagen, die eine tiefgreifende Auseinandersetzung ermöglicht hätten, nicht gerade als Geniestreich bezeichnen. Aber was soll’s, wenn ein Stück sich ganz auf das Wesentliche beschränken kann. „À propos de Liewen“ geht in seiner Erzählstruktur somit direkt auf den Punkt und nutzt Objekte und Marionetten, die nacheinander auftauchen, um neue Szenen zu eröffnen, die von einem anderen Lied, einer Melodie, Geräuschen, Geräusche, Lautmalereien oder eine Mischung verschiedener Sprachen, und bietet damit das, was die Theatergruppe selbst als „Kauderwelsch“ beschreibt – die Sprache dieses wunderbaren, spektakulären Landes… Das ist also äußerst wirkungsvoll, und die Erzählung gewinnt an Tiefe, während die Figuren nach und nach den Raum immer stärker einnehmen – sowohl stimmlich als auch körperlich, aber auch durch die Spuren, die sie dort hinterlassen.
Die Inszenierung, die aus mehreren Rolltischen besteht, auf denen die Objekte ausgestellt werden, geht nicht auf die Mechanismen des nachgebauten Bühnenbilds ein. Dagmar Weitze, die auch für die Kostüme und Requisiten verantwortlich ist, schafft ein ausschließlich aus Textilien bestehendes visuelles Gesamtbild, um eine fremde Welt voller Kuriositäten darzustellen – bunt, farbenfroh und voller Leben. Im Dienste der beiden Darsteller auf der Bühne ermöglicht diese gesamte imaginäre Flora und Fauna den Ablauf des Stücks und weckt vielfältige Emotionen, die von Komik bis zur Überraschung reichen.
Eine Enttäuschung gab es dennoch: „Den Mann aus dem Programm haben wir nicht gesehen … den mit der lustigen Brille …“ Regel Nr. 1 für Erwachsene gegenüber Kindern: Mach niemals Versprechungen, die du nicht halten kannst. Dennoch steckt „À propos de Liewen“ voller weiterer Überraschungen, und das Kind geht trotz seiner hohen Erwartungen als Zuschauer zufrieden nach Hause, was sich auch in dem Lächeln widerspiegelt, das beim Verlassen des Saals auf den Gesichtern aller zu sehen ist…