In dieser großartigen Hommage an die „ amahashi “ – so werden auf Zulu die Rikscha-Fahrer aus Durban zur Zeit der Apartheid genannt – boten Robyn Orlin, die legendäre Compagnie Moving into Dance Mophatong und das Musikerduo uKhoiKhoi dem Publikum im Kinneksbond eine energiegeladene, fröhliche und farbenfrohe Show. Nicht ohne Zynismus versetzt dieses Choreografie-Stück mit dem langen Titel den ungläubigen Zuschauern, die zwar die ganze Zeit über gut unterhalten werden, am Ende aber dennoch mit einem bitteren Nachgeschmack zurückbleiben, eine ordentliche Ohrfeige… Denn nachdem man die Virtuosität derer beklatscht hat, die Orlin zu Recht als „fliegende Engel“ bezeichnet, muss man unweigerlich darüber nachdenken, wie man diese schwarzen Männer behandelt hat, die zu Arbeitspferden gemacht wurden, von denen die meisten nicht älter als 35 Jahre sind, gedemütigt und vom weißen Tourismus versklavt… „We wear our wheels with pride and slap your streets with color… we said ‚bonjour‘ to Satan in 1820“, feiert die Zulu-Kultur, voller Erfindungsreichtum in Formen, Farben und Materialien – eine Triade, die diese neue Inszenierung von Robyn Orlin zum Leben erweckt und zum Strahlen bringt.
Die Südafrikanerin bringt ihrem Publikum weiterhin die dunkelsten Stunden der Geschichte ihres Landes näher. Robyn Orlin hat es sich seit jeher zur Aufgabe gemacht, einige unbequeme Geschichten rund um die Themen Kolonialisierung, Entkolonialisierung und Apartheid ans Licht zu bringen. Seit der Gründung der City Theatre & Dance Group im Jahr 1988 hat sich die Künstlerin nie von ihren kritischen Anliegen abgewandt, die sie auf der Bühne in oft euphorischen Tanzstücken zum Ausdruck bringt, die stets von Ironie und Satire geprägt sind. Angeregt durch die äußerst komplexe Realität ihres Landes integriert Orlin in ihr Werk eine Vielzahl von Medien, um ihre Aussage zum Leben zu erwecken. Text, Video, bildende Kunst, Theater: Ihre choreografische Sprache bedient sich überall, um kraftvolle Debatten in einer Ästhetik zu vermitteln, die man mittlerweile eindeutig mit ihr in Verbindung bringt.
„We wear our wheels…“ entstand aus einer Kindheitserinnerung: Als Kind war Robyn Orlin fasziniert von den Zulu-Rikschas, diesen Männern, die Touristenkarren zogen – im Dienst einer traurigen Tradition, aber dennoch Schöpfer einer neuen Folklore aus rituellen Gewändern und wilden Tänzen. Aus diesem Bild, das sich tief in ihr Gedächtnis eingegraben hat, lässt die Choreografin einen Hauch der kolonialen Vergangenheit eines Landes wiederaufleben, das auf diesem Verhältnis zwischen Unterdrücker und Unterdrücktem aufgebaut wurde. Indem sie dem Einfallsreichtum und dem Mut dieser Arbeiter Tribut zollt, rückt Orlin das impulsive künstlerische Genie dieser Tänzer aus einer anderen Zeit in den Mittelpunkt der Bühne…
Sobald die Truppe aus Tänzern, Musikern und Performern die Bühne betritt, sieht man es, spürt man es, weiß man es: Wir stehen vor einem spektakulären Juwel. Voller Fröhlichkeit und Verbundenheit ist der Auftakt sofort mitreißend: Einer aus der Truppe nimmt den Bühnenmeister ins Visier, um das Publikum in Stimmung zu bringen. Alles verläuft unglaublich fließend, jedes Bild wirkt so natürlich, dass sich die Darsteller sogar spontane Spielereien, Momente der Präsenz oder beruhigende Ansprachen an das Publikum erlauben, als wären wir zum Abendessen bei ihnen zu Hause eingeladen… Von der Musik mitgerissen, verzaubert wie die Schlange, sind die Tänzer scheinbar sehr schnell außer Kontrolle, unfähig, anzuhalten – und man versteht sie nur zu gut.
All dies mündet dann in ein großes Konzert, das vom unglaublichen Duo uKhoiKhoi getragen wird – ein geniales Duo, das eine ganz neue Art von Musik verkörpert, unbeschreiblich, das Elemente aus Elektro, Rock und traditionellen Gesängen vereint, durchdrungen von rhythmischen Einflüssen sowie Inspirationen aus der klassischen westlichen Literatur… Ihnen gegenüber geben die Tänzer von „Moving into Dance Mophatong“ ihr Bestes, um uns in eine Art außergewöhnliche Messe zu entführen – komisch, übertrieben und überschwänglich, sprudelnd vor Orlins Lieblingszutaten, kurz gesagt.
Genau das macht die südafrikanische Choreografin so unglaublich: ihre Fähigkeit, die Ausgelassenheit einer Gruppe auf der Bühne zum Ausdruck zu bringen und das Publikum zum Mitmachen zu bewegen. Und hier, im Mittelpunkt, laden die Darsteller auf der Bühne das Publikum im Saal ein, sich im Rhythmus ihrer Bewegungsflut zu bewegen – mit einer Energie, die sehr schnell den gesamten Raum erfüllt. So geht die Vorstellung weiter, in einem direkten Austausch zwischen Bühne und einem strahlenden Saal. Und auch wenn es die Art von Vorstellung ist, bei der der Zuschauer Lampenfieber bekommt – das Gefühl, aus seinem Sitz gerissen zu werden, um sich auf Einladung eines Künstlers auf der Bühne zu verlieren –, ist es doch auch die Art von belebender Vorstellung, die uns eine ordentliche Portion Schwung verleiht. Zugegeben, was den technischen Ablauf angeht, ist das Stück nichts Neues. Orlin greift wie gewohnt auf Elemente der südafrikanischen Folklore zurück. Die Anspielungen sprudeln nur so hervor, und diese letztlich recht stereotypen Melodien sagen zwar nichts Neues aus, sind aber dennoch sehr wirkungsvoll und einfach schön …