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Bühne 3 Min. Lesezeit

Das Spiel zwischen Realität und Fiktion

Das Théâtre du Centaure knüpft wieder an das Kindertheater an und bringt „D’Julie an den Aprikosejong“ sowie „Julie und der kleine Aprikosenmann“ (französische Übersetzung von Claire Wagener) des jungen luxemburgischen…

Erschienen in Ausgabe Mai 2024
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Magaly Teixeira und Luc Lamesch spielen Kinder © Bohumil Kostohryz

Das Théâtre du Centaure knüpft wieder an das Kindertheater an und bringt „D’Julie an den Aprikosejong“ sowie „Julie und der kleine Aprikosenmann“ (französische Übersetzung von Claire Wagener) des jungen luxemburgischen Autors Cosimo Suglia (geb. 1995), der seit 2019 recht regelmäßig sowohl auf Englisch als auch auf Luxemburgisch Kurzgeschichten, Gedichte und Theaterstücke in Zeitschriften veröffentlicht. Sein Lieblingsgenre ist die Science-Fiction, und er betont immer wieder die Kraft der Kreativität.

Im Jahr 2021 erhielt er für seine Novelle „The Little Girl That Knew Better“ den Chrysalis Award, einen Preis für junge Autoren im Bereich der spekulativen Literatur (für Luxemburg), gemeinsam mit Daliah Kentges (mit der er bereits zusammengearbeitet hat und die die Inszenierung übernimmt), er arbeitet daran die Theateradaption aus. Der Begriff „spekulative Fiktion“ – der vor allem im Englischen gebräuchlich ist – bezeichnet allgemein fiktionale Werke, die vom Realismus abweichen oder die Alltagsrealität nicht streng nachahmen, sondern stattdessen fantastische, übernatürliche, futuristische oder dystopische Bereiche darstellen.

Die Geschichte spielt in der Welt der Märchen und der Fantasieliteratur. Julie ist ein kleines Mädchen, das sich für Aprikosen begeistert – diese saftigen, süßen, samtigen Früchte. In einem Wald in der Nähe ihres Zuhauses steht ein riesiger Aprikosenbaum, der die schönsten und köstlichsten Früchte trägt, die man sich vorstellen kann. Doch ihr Vater hat ihr verboten, in diesen Wald zu gehen, denn den Dorfbewohnern zufolge lauert dort der Tod.

Doch Julie weiß, was sie will, und bekommt es schließlich auch – vor allem treibt ihre Naschlust sie an. Heimlich macht sie sich auf die Suche nach dem Aprikosenbaum und entdeckt ihn. Aprikosen … eine Wunderbarkeit, eine Köstlichkeit! Sie hatte also Recht, sich auf die Suche nach dieser fabelhaften Frucht zu machen. Dann hört sie ein leises Geräusch und sieht einen wunderbaren kleinen Mann auftauchen, der all ihre Erwartungen übertrifft. Julie sieht sich daraufhin mit Prüfungen konfrontiert, doch sie gibt nicht auf. Das reale Leben prallt auf die surreale Welt, Harmonie scheint unerreichbar. Doch zwischen beiden Seiten – der märchenhaften Welt, die durch den kleinen Mann verkörpert wird, und ihrer Mutter mit übernatürlichen Kräften – besteht eine Anziehungskraft.

„The Little Girl That Knew Better“ folgt dem Erzählschema eines Märchens: eine stabile Ausgangssituation, ein Störfaktor in Form eines Verstoßes gegen ein Verbot, verschiedene Wendungen, dann eine Auflösung und eine Schlusssituation; hier sind die Helden glücklich.

Die Handlung des Märchens ist klar, und Daliah Kentges bringt dies in ihrer Inszenierung wirkungsvoll zur Geltung – mit einigen einfallsreichen Ideen und in Zusammenarbeit mit der Bühnenbildnerin Anouk Schiltz (die auch die aussagekräftigen Kostüme entwirft) : Auf der Bühne entfalten sich die Zweige eines großen Aprikosenbaums, dessen Früchte sich bis zu den Füßen der Zuschauer ausbreiten. Unter dem wundersamen Baum steht wie eine Statue ein prächtiges Kleid, in das sich manchmal die allmächtige Mutter des kleinen Mannes schlüpft, souverän verkörpert von Mady Durrer, die auch die Rolle der Erzählerin übernimmt. Die verschiedenen Szenen, von denen einige von der Musik von Arthur Possing begleitet werden, sind in ein sanftes Licht getaucht, das von dunklen Passagen unterbrochen wird; das Lichtdesign stammt von Antoine Colla.

Die beiden Schauspieler – die unternehmungslustige Julie (Magaly Teixeira) in einem hübschen Kleid, mal lebhaft, mal zurückhaltender, und der naive und liebenswerte Waldmann – Luc Lamesch, in zerlumpten Kleidern, mit entwaffnender Natürlichkeit – verkörpern diese beiden Kinder, die sich gegenseitig entdecken, sehr gut.

„The Little Girl That Knew Better“ – ein Stück, das auf vielfältige Weise die Welt der Märchen näherbringt und Freude daran weckt.

Die im Théâtre du Centaure auf Luxemburgisch und Französisch uraufgeführte Koproduktion wird am 12. Mai im Kulturhaus Niederanven auf Luxemburgisch und am 8. Juni im
Kinneksbond Centre Culturel Mamer

erneut aufgeführt.