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Bühne 4 Min. Lesezeit

Das Leben ist ein Spiel

Tanz

Erschienen in Ausgabe März 2022
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„Le 3 du Trois“, eine Initiative des Centre de création chorégraphique luxembourgeois, gilt als echte Plattform für Experimente und Forschung und als Tor zur aufstrebenden europäischen Tanzszene. Es ist wichtig, dies hervorzuheben, da solche Initiativen selbst über die Landesgrenzen hinaus selten sind. Und wie die Choreografin Jill Crovisier betont, die eingeladen wurde, ihre Forschungen rund um „The Game Research“ vorzustellen, die insbesondere von zwei „ Auszubildenden “ durchgeführt wurden: Wenn sich die luxemburgischen Bühnen „ebenfalls“ als Akteure der Verbreitung etablieren sollen, geht es dabei „ebenfalls“ darum, junge Künstler auf diese Weise zu unterstützen. Und genau dieses Zusammenspiel von Vermittlung und Nachwuchsförderung steht im Mittelpunkt des Programms von „Les 3 du Trois“.

Alles beginnt mit einem Besuch in der „Black Box“, diesmal mit zwei Tanzvideos: dem ersten von Aifric Ní Chaoimh, „Auto“, und dem zweiten von Isaiah Wilson, „Passenger“. Zwei Kurzvideos, die in einem Auto gedreht wurden und gemeinsame Themen im Zusammenhang mit unseren inneren Welten behandeln; sie erforschen „die Veränderung der emotionalen Landschaft und des inneren Monologs“ bei Ní Chaoimh, und „die innere Welt des Protagonisten sowie das Thema Freiheit“ bei Wilson beleuchtend. „Auto“ hat uns visuell weniger überzeugt, trotz einer großartigen Leistung von Ileana Orofino und einer insgesamt sehr eindringlichen atmosphärischen Gestaltung; „Passenger“ hallt hingegen noch immer im Gedächtnis nach, trotz einiger recht verstörender Passagen. Dennoch werden die Themen in beiden Filmen sehr gut inszeniert. Bei Wilson ist vor allem seine unerbittliche Beherrschung des Mediums Video hervorzuheben. Man weiß, dass er ein Experte auf diesem Gebiet ist, da er solche Projekte immer wieder umsetzt – auch diesen Sommer, und zwar unter sehr unterschiedlichen kreativen Bedingungen und in ganz unterschiedlichen Kontexten. In seinem „Passenger“ überzeugt er uns nun ganz offen von seinen Talenten als Regisseur, fast mehr noch als als Choreograf, wenn man es genau nimmt.

Nun ist es an der Zeit, den Saal zu betreten – zunächst auf Einladung der Choreografin Anna Nowicka, die sich mit Unterstützung des berühmten Réseau Grand Luxe für eine Weile im Trois-CL niedergelassen hat: „ eine Plattform für den künstlerischen Austausch im Dienste aufstrebender Choreograf*innen, die neue Projekte entwickeln möchten “. Und genau das bietet uns die Berliner Choreografin an: ein völlig experimentelles „ Trick “, das aus einer noch ganz frischen, gerade erst abgeschlossenen Forschungsarbeit hervorgegangen ist und als erster öffentlicher Test ihrer neuen choreografischen Richtungen dient. Nowicka bietet eine Pause an und versucht mit ihrem Stück „Within The Pause“ verzweifelt, die Frage zu beantworten: „Wie kann beim Tanzen ein Gefühl der Pause entstehen?“ Eine weitreichende Suche ohne konkrete Antwort, die uns leider allzu heftig trifft. Denn obwohl die Recherche rund um diese allgemeine Frage – nämlich nach dem „letzten Mal, als wir überhaupt nichts getan haben“ – lebendig und interessant ist, gestaltet sich die Umsetzung auf der Bühne komplexer. Zu rein, zu roh, ja sogar brutal in seiner Inszenierung – „Within The Pause“ lässt beide Seiten der vierten Wand leiden, bis es sich beim Einschalten der Arbeitsbeleuchtung selbst in Stücke reißt. Dann artet es in eine Geiselnahme aus: Der Zuschauer wird in diese wohlmeinende, bis zum Überdruss wiedergekäute Debatte hineingezogen. Das alles ist zwar interessant, aber zwangsläufig „genauso“ langweilig…

Schließlich ist es wieder Jill Crovisier, die den Abend mit einem kraftvollen „Jill Crovisier“-Auftritt abschließt – genau wie am 3. des letzten Monats, als sie den Abend „ebenfalls“ beendet hatte. In „The Game Research“ beschäftigt sie sich diesmal mit dem Spiel. Unter dem Motto „Wir wachsen beim Spielen, um leben zu können“ widmet sich die Luxemburgerin einer Untersuchung der psychologischen, physischen, philosophischen und sozialen Facetten des Spiels und all der körperlichen Ausdrucksformen, die es hervorrufen kann. Begleitet von der Choreografin Zsofia Safranka-Peti, Vanessa Laura Wüthrich (Auszubildende) Victoria Robinson (Auszubildende) den Zuschauern einige Ausschnitte und Ansätze aus den thematischen Experimenten, untermalt von aggressiver Technomusik – eine Klangkomposition, die ebenfalls von Crovisier stammt, der sich hier erstmals daran versucht. Das Ganze ist derzeit noch recht ungeordnet, aber bereits sehr mitreißend, da die Möglichkeiten schier unerschöpflich und der Arbeitsansatz inspirierend sind. Wie so oft nach einem „3“ kann man es kaum erwarten, mehr zu sehen. Das trifft sich gut: Es heißt, die „Hors Circuits“ des Trois-CL seien genau dafür da…