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Bühne 4 Min. Lesezeit

Babyzimmer

Theater

Erschienen in Ausgabe Oktober 2021
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Wir besuchen nicht oft genug Kindervorstellungen. Oder vielleicht zeigen wir den Kindern nicht oft genug Vorstellungen. Diese Debatte ist schon etwas älter, auch wenn sich dieses Genre bereits seit mehr als zwanzig Jahren immer deutlicher in den Theatern etabliert hat. Daher ist es gut, daran zu erinnern, dass „Aufführung für junges Publikum“ nicht gleichbedeutend ist mit „für Erwachsene nicht zugänglich“. In diesem Punkt sollten wir jedoch differenzieren. Bei Klankennest geht es darum, „wirklich streng zu sein, was das Alter der Kinder angeht, die die Vorstellung sehen werden“, wird uns einige Tage vor der Premiere ihres Stücks „Manta“ mitgeteilt. Also: Ohne Kleinkinder – nada, macache, niet, keine Vorstellung. Und warum eigentlich nicht: Wenn man den unter Sechzehnjährigen den Zutritt verbietet, gibt es keinen Grund, dies nicht auch für die über Zweijährigen zu tun. Und in dieser Bühnenarbeit der belgischen Theatergruppe, in der Erwachsene zwar einen Moment der Ruhe finden, ist tatsächlich alles liebevoll auf die Kleinen im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren zugeschnitten.

Viele Vorstellungen für „junge Zuschauer“ gleichen eher einer Kindertagesstätte – „Spielereien“, die von Onkelchen mit zwei Socken inszeniert werden. Manta geht weit über diesen Rahmen hinaus. Es ist eine hervorragende Vorstellung für Kinder, denn sie weiß, wie sie sowohl die Kinder als auch deren Eltern zu begeistern vermag. Auch wenn sich die Theatergruppe hier darauf konzentriert, für die allerjüngsten Kinder zu inszenieren, lassen sich auch die Großen leicht darauf ein, ganz ohne Anstrengung und ohne nach dieser zweiten Bedeutungsebene zu suchen, die man oft in Stücke für „ junge Zuschauer “ einbaut, so wie man dem Schinken Natriumnitrit zusetzt, um ihn schön rosa zu färben.

Die Rahmenbedingungen der Veranstaltung, die bereits im Eingangsbereich von einem Team der Rotondes mit größter Sorgfalt vorbereitet wurden, sind bis ins kleinste Detail durchdacht. Als wichtiger Bestandteil des Prozesses der darstellenden Kunst steigert jeder Schritt außerhalb des Saals auf die Vorstellung hin die Vorfreude. Beim Betreten des Saals ist das Geflüster so leise, dass man meinen könnte, die Musik liege bereits in der Luft. Auf dem Boden sind mehrere kleine runde Teppiche ausgelegt, wie kleine Inseln, auf denen sich die Familien niederlassen können. In der Wärme dieses Kokons lässt jeder seine Kinder nach Belieben umherstreifen, als plötzlich eine sanfte Melodie aus den Tiefen eines Cellos erklingt. Sofort wenden sich etwa vierzig kleine, im Halbdunkel funkelnde runde Augen den Musikerinnen mit ihren strahlenden Lächeln zu. Der Zauber der bezaubernden Liesbeth Bodyn, Annemie Osborne und Aya Suzuki – das Trio auf der Bühne – zieht die kleinen Blondschöpfe sofort in seinen Bann, ebenso wie diejenigen, die auf sie aufpassen.

„Manta“ entführt den Zuschauer in eine Erkundung der Bewegungen des Riesenrochens im Ozean. Aus ihrem hypnotischen Ballett als wunderschöne Schwimmerin schafft das Team eine dreißigminütige Form, die subtil, poetisch und mitreißend ist. Es folgen mehrere Szenen, die erstaunliche Instrumente und Kulissen aus Glas, Holz und Stoffen enthüllen – eine echte Installation, in der sich das Kind verlieren, sich selbst finden und anderen begegnen kann.

In seiner Entwicklung zeugt Manta von einer unglaublichen Herzlichkeit. Es reicht von einer Art Willkommensgesang, einer mütterlichen Morgenballade, über Kompositionen mit klassischen Stimmlagen, die die Entdeckungsreise der Kinder begleiten, bis hin zu experimentelleren Versuchen, bei denen all diese kleinen Engel nachdenklich werden. Das zeugt von einem brillanten Verständnis für dieses Alter. Eingetaucht in das Bühnenbild, begleitet von den Musikerinnen und Darstellerinnen, werden die Kinder zu einem Teil der Aufführung und bieten unbewusst diese berühmte „zweite Interpretationsebene“. Auch wenn sich die Eltern oft in der ersten Ebene verlieren, getragen von einem hervorragend inszenierten Theater- und Musikensemble.

„Manta“ ist ein wahrer Genuss, ein Erfolg auf ganzer Linie. Und es ist eine wahre Freude, ein solches Wunder zu entdecken, wenn man weiß, wie wichtig auch das „junge Publikum“ dafür ist, dass manche Menschen sich für die darstellende Kunst öffnen. Manta regt dazu an, jegliche Verschlossenheit gegenüber einer Kunstform aufzugeben, die viele als überholt empfinden. Als Familie lassen sie ihren Emotionen freien Lauf, genießen wie Kinder eine erzählte Geschichte und lassen sich von ihren Träumereien einlullen – an einem Ort, an den sie nie – oder schon lange nicht mehr – gedacht hätten, hinzugehen: einem Theater.