Da die Satirezeitschrift bekanntlich mittwochs erscheint, schlägst du sie an diesem Tag jede Woche als Erstes bei der Filmrubrik auf. Nicht, um zu erfahren, welche Filme angelaufen sind oder welcher Film für eine Kritik ausgewählt wurde, die, ohne jemals um den heißen Brei herumzureden, direkt auf den Punkt kommt – mit einer gelungenen, prägnanten Wortwahl und Formulierungen. Nein, in erster Linie wegen der begleitenden Karikatur von Wozniak, dem in Krakau geborenen Karikaturisten, der zur Zeit der Solidarnosc verhaftet und inhaftiert wurde. Er wurde gegen das Versprechen freigelassen, Polen endgültig zu verlassen. Wozniak kam 1982 nach Paris. Seit 1986 ist er nun beim „Canard enchaîné“ mit seinen schwungvollen Zeichnungen vertreten. Und man muss vor allem seinen Elan und seine Begeisterung würdigen, denn in mehr als dreißig Jahren hätte es genug Gründe gegeben, die Federn und Stifte an den Nagel zu hängen. So sehr wiederholen sich die Nachrichten doch, entmutigend und verzweiflungserregend.
„Kann man über alles lachen?“, Das Buch, das gerade bei Seuil erschienen ist, umfasst somit 35 Jahre an Karikaturen; es beginnt mit Wozniaks Reaktion auf den Anschlag auf Charlie Hebdo, und während Cabu damals die Frage stellte, ob man (noch) über alles lachen könne, geht Wozniak noch einen Schritt weiter und fragt sich radikal, ob man überhaupt lachen kann. Gewiss würden einem schnell die Tränen kommen, denn sofort geht es um die Migranten: „ Wir steuern auf einen Untergang zu “ : Bereits Anfang der 1980er Jahre gab es die Boat People. Als ob sich die Welt nicht verändert hätte. Vor ein oder zwei Wochen zeigte eine Karikatur von Wozniak den Papst auf Lesbos; man hörte ihn fordern, man solle „diesen Untergang der Zivilisation“ stoppen. Man sieht ihn, sichtlich enttäuscht und niedergeschlagen, über eine Schar junger Migranten gebeugt – sie kommen jetzt aus Afrika. Und diese fragen den Papst: Warum können wir nicht auf dem Wasser laufen?!?
Zurück zur Filmrubrik von vorletzter Woche. Auch hier gäbe es Grund, den Optimismus zu verlieren, gäbe es da nicht gerade den Film von Serebrennikov, den Mut – oder, um es einmal so zu sagen, den Widerstand – des unter Hausarrest stehenden russischen Regisseurs, dem es dennoch gelingt, Filme zu drehen, aus der Ferne Wagner für die Wiener Staatsoper zu inszenieren, Schostakowitsch für München zu inszenieren. Um nur seine jüngsten Arbeiten zu nennen. „Petrovs Fieber“ lautet der Titel seines gerade erschienenen Films (und wir hoffen, dass er den Weg zu uns findet). Ein Eintauchen in die Kindheit, so der Kritiker. Viel mehr noch: in „das postsowjetische Russland, heimgesucht von den Albträumen der Geschichte und beherrscht von einem hoffnungslosen Regime“. Der Film wurde in Cannes gezeigt, Serebrennikov war natürlich nicht anwesend. „Er hat Putin in Rage versetzt … Und dafür bezahlt er immer noch.“
Wozniaks Buch ist ein weiterer, zwangsläufiger Einblick in die Welt der Karikatur der letzten drei, vier Jahrzehnte. In den Umwälzungen der Geschichte, den Leiden einer Welt, der es schlecht geht, in den Wirren und Irrwegen einer Gesellschaft, die ihre Orientierung verloren hat oder nach Orientierung sucht. Und unter den Karikaturisten zählt Wozniak zu denen, die den klarsten, schärfsten Blick haben ; zugleich wird ihre Unerbittlichkeit durch Humor – auch wenn er schwarz ist –, durch die Verspieltheit des Strichs und die Lebhaftigkeit des Pinselstrichs ausgeglichen. Auf einem solchen Niveau hat das Zeichnen zwar etwas von einer Therapie, konfrontiert den Betrachter aber dennoch unablässig mit dem Unerträglichen.
Als Charles Trenet starb, ermutigte Cabu – der ein großer Bewunderer des Sängers war und dessen Unbefangenheit schätzte – an einem Montag, dem Redaktionsschluss des „Canard enchaîné“, Wozniak, etwas zu zeichnen. Dieser, der sich für Trenet kaum interessierte, war darüber genervt. Und da hörte er Cabu die Refrains des „Fou chantant“ vor sich hin summen und die Texte umzuformulieren – man muss wohl nicht extra betonen, was aus dem Meer oder dem „doux France“, dem lieben Land meiner Kindheit, wurde…
Auf dem Buchcover stellen sich drei Personen Fragen zum Lachen und zu dessen Möglichkeit: ein Priester, ein Imam und ein Rabbiner. Wenn man das Buch zuklappt, trifft man sie wieder: Und?? Wozniak hingegen hat inzwischen seine Antwort gegeben: Im Paradies werden wir alle lachen.
P.S. Wie wird es wohl mit den Heiligabendfeiern in diesen trüben Zeiten aussehen ? Weihnachten zu sechst ? Wozniak verwechselt die christlichen Feste und zeigt uns Jesus am Tisch mit fünf Jüngern : Ohne Judas geht es nicht los…
Wozniak, Darf man über alles lachen? 176 Seiten. Éditions du Seuil. ISBN 2021487849