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Adel verpflichtet?

Die alte Kunst der Wappen und ihre zeitgenössische Interpretation: eine Doppelausstellung in der BnL, die man nicht verpassen sollte

Erschienen in Ausgabe Mai 2024
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Musste man ein tapferer Ritter sein und von seinem Herrscher zum Ritter geschlagen worden sein, um Anspruch auf ein Wappen zu haben? Ja, im Mittelalter, wenn man den Erläuterungen in „Ars Heraldica – Die Welt der Wappen“ und dem Begleitheft zur Ausstellung in der Nationalbibliothek Glauben schenkt. Wappen seien seit über 800 Jahren Teil der westlichen Kultur, heißt es dort. Die Kinder von heute kennen diese Wappen mit Löwen, Adlern, gefiederten Helmen und oft karierten Wappenfeldern sowie Dreiecken in leuchtenden Farben, die den Lehnsherrn darstellen, für den die Ritter kämpften. Durch Spiele auf ihrer Playstation identifizieren sie sich mit den Rittern.

Zögern Sie also nicht, sie zu dieser Ausstellung mitzunehmen, bei der sie lernen können, diese Gebärdensprache zu verstehen, mit der sie praktisch schon vertraut sind. Aus der Geschichte lässt sich festhalten, dass das, was einst der Realität entsprach, heute noch im Marketing verwendet wird. Welcher Fußballfan hat nicht schon einmal in einem Stadion „Rode Léiw huel se“ gerufen? Dies ist eine Gelegenheit zu erfahren, dass der berühmte rote Löwe mit goldener Krone und goldenen Krallen, umhüllt von weißem Hermelin, vor dem Hintergrund blauer Streifen im großen Wappen des Großherzogtums bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht.

In der vierteiligen Ausstellung, in der die Bestandteile der Wappen, ihre Bedeutungen und Zuordnungen vom Historiker Pit Péporté in einer von NJOY gestalteten Inszenierung gekonnt „ auseinandergenommen “ vom Historiker Pit Péporté in einer von NJOY gestalteten Ausstellung gekonnt „aufgeschlüsselt“ werden. Doch all dies wäre ohne die Schenkung des Nachlasses von Jean-Claude Loutsch (1932–2002) durch seine Ehefrau an die Nationalbibliothek von Luxemburg nicht möglich gewesen. Der Augenarzt, der sich leidenschaftlich für das Studium der Wappen interessierte, war zum „ dem “ luxemburgischen Spezialisten schlechthin geworden und hatte eine Sammlung von 2 700 Werken zum Thema Heraldik zusammengetragen. Die Hälfte der 44 alten Manuskripte aus diesem Bestand wird hier ausgestellt, von denen einige bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen.

Es ist also eine echte Lektion in Geschichte anhand von Symbolen, wenn man originelle Wappen entdeckt, die anlässlich von Hochzeiten zwischen Kindern adliger Familien geschaffen wurden, den sogenannten „Freundesbüchern“, die man mit dem vergleichen könnte, was heute ein Gästebuch ist oder mit den Kommentaren, die am Ende einer Ausstellung in einem Heft hinterlassen werden. Nur dass die Detailgenauigkeit der Zeichnungen (wahrscheinlich mit Feder und farbiger Tinte, das ist leider nicht näher angegeben) von vor 400 oder 500 Jahren diese bei weitem übertrifft.

Man kann das Talent der Zeichner jener Zeit jedoch mit dem der Künstlerin Catherine Lorent vergleichen, deren zeitgenössische Zeichnungen die BnL in einer Ausstellung präsentiert hat. Die Ausstellung „Insignia“ im Lesesaal der Bibliothek sowie die wertvollen Exemplare und Erläuterungen von „Ars Heraldica“ – Die Welt der Wappen im Ausstellungssaal bilden ein Ganzes, und es ist zu hoffen, dass das Publikum auf die Idee kommt, sich beide Ausstellungen anzusehen. Die 21 zeitgenössischen Wappen, gezeichnet mit Tinte und Gouache, sind ein wiederkehrendes rituelles Ausdrucksmittel von Catherine Lorent, die in dieser Übung der bildenden Kunst die Verbindungen oder Dissonanzen der zeitgenössischen sozialen Organisation sichtbar macht.

Manche mögen diese Initiative im Vergleich zu einem „edlen Ausdruck“ und der historischen Ausstellung als ikonoklastisch empfinden. Doch ausgehend von ihren hohen Ursprüngen im 12. Jahrhundert haben die Wappen eine beispiellose Vielfalt erfahren, die man in der Ausstellung entdecken kann. Die Verwendung von Wappen verlagerte sich von der Macht der Fürsten und den Bündnissen adliger Familien hin zur Darstellung von Zünften und Handwerksberufen. Diese Insignien waren so bedeutend, dass sie bereits im 17. Jahrhundert Gegenstand von Nachschlagewerken waren. Alle Elemente, aus denen sie bestehen – Unterteilung, geometrische Formen, Motive von Lebewesen und stilisierten Gegenständen sowie die Farben – erzählen eine Geschichte. Ganz gleich, ob es sich um realistische oder imaginäre Elemente handelt.

So kann sich nun auch die BnL selbst ihres von Catherine Lorent entworfenen Wappens rühmen, das mit Buchstaben des Alphabets verziert ist. Ist eine Bibliothek nicht die Königin der gedruckten Werke ?

„Ars Heraldica – Die Welt der Wappen und Insignien“ von Catherine Lorent ist noch bis zum 12. Oktober in der BnL zu sehen