Am Dienstag lud die CSV-Fraktion zu einem Dialog über „die Bedeutung von KI für Luxemburg“ ein – ins Hotel Mama Shelter mitten auf Kirchberg. Wen hatte die CSV als Adressaten vor Augen? Eine internationale Expatgemeinschaft ohne Wahlrecht? Gekommen waren jedenfalls ein überwiegend männliches luxemburgischsprachiges Ü-40-Publikum und eine englischsprachige Tech-Minderheit.
Zum Einstieg in den Abend spielte die CSV eine Passantenbefragung aus der Fußgängerzone ab, in der die Gen Z und Millennials zu Wort kamen. Ein junger Mann meinte, ob KI der Menschheit etwas bringe, hinge davon ab, wie sie genutzt werde, „mais generalement l’humain n’utilise pas très bien ses outils“. „Wéivill Waasser se verbraucht, ass ee schwéiert Thema“, beklagte eine junge Frau, eine weitere: „Et mécht mer bëssen Angscht.“ Anders als heute habe sie im Gymnasium noch „de ganzen Kapp benotzt“. Bei jungen Menschen scheint sich die Begeisterung für KI allgemein in Grenzen zu halten, was jüngst auch eine Gallup-Studie veranschaulichte: Die Generation Z äußert nur zu 18 Prozent Zuversicht, „während Wut (31 Prozent) zugenommen hat und die Angst (42 Prozent) unverändert geblieben ist“.
Auf welche Seite schlug sich das Publikum im Mama Shelter? Während der Fragerunde mahnte ein „CSV-Senior“ zu intergenerationeller Solidarität: „KI bezahlt keine Steuern, keine Sozialabgaben“ und ihr Energiehunger sei so groß, dass mittlerweile ein Zurück zu „Kohle, Gas oder Nuklear“ gefordert werde. Warum sich in Bissen eine amerikanische Firma ansiedeln soll und kein europäischer Tech-Hub entstehe, fragte eine weitere Person. Eine junge Frau meinte hingegen, es gebe noch „incredible opportunities to enhance the talent“ von Frauen in der Tech-Branche. Und aus der Senioren-Fraktion hieß es, die KI dürfte den Einstellungsboom im öffentlichen Dienst stoppen. Auf letzteres Thema sowie auf Umweltaspekte ging man am Dienstag allerdings kaum ein, denn der Minister für Umwelt und öffentlichen Dienst, Serge Wilmes (CSV), ließ sich entschuldigen; er habe „gesundheitliche Probleme“.
Der Sound der anwesenden CSV-Abgeordneten und Regierungsmitglieder driftete vor allem in eine Richtung: „Es gilt, keine Zeit zu verlieren, auch wenn wir aktuell an der Weltspitze stehen, geht es darum, an der Spitze zu bleiben“, unterstrich die Zentrums-Abgeordnete Diane Adehm zum Einstieg. Ihr Politiker-Kollege Laurent Mosar sieht das auch so: „Fir d’alleréischt bitt KI ganz vill Chancen.“ In zehn Jahren sei die Angst vor KI „überwunden“, schätzte Justizministerin Elisabeth Margue, KI werde keine Arbeitsplätze abschaffen, viel eher würden wir „wirklech all KI an eisem Alldag total integréiert hunn an eis Produktivitéit gesteigert hunn“. Maurice Bauer (CSV) sagte am Ende der Diskussionsrunde: „Ich halte fest, dass wir alle doch einen positiven Bezug zur KI haben.“ Schließlich übergab er Premier Luc Frieden das Mikrofon. Am späten Nachmittag schnitt die CSV in der Sonndesfro schlecht ab, hätten diese Woche Wahlen stattgefunden, würde sie sechs Sitze im Parlament verlieren. Nun versagte Friedens Stimme während der Begrüßung. Maurice Bauer holte ihm ein Glas Wasser. Dann konnte der Premier seine Botschaft loswerden: Um Luxemburg „zu stärken“ – die Wirtschaft und den sozialen Zusammenhalt –, spiele die KI eine wichtige Rolle. Und dann sagte er einen Satz, der offenbart, weshalb sich die Regierung und die Wirtschaftselite (nicht zu Unrecht) wie Getriebene über KI äußern: Es geht für Premier Frieden um das „Überleben“ in einem Kontext von hohem Konkurrenzdruck seitens der USA und Chinas. Am frühen Nachmittag hatte Frieden bereits über LinkedIn verkündet: „Innovate or fall behind“. Es gelte nun „d‘Leit virzebereeden op déi nei Beruffer“ und sie zu „sensibilisieren“. Vor allem aber dürfte Europa auch beschäftigen, wo leistungsfähige Datenzentren entstehen.
Ein Graben tut sich auf, zwischen der politischen und wirtschaftlichen Elite einerseits und der Allgemeinbevölkerung andererseits, was KI-Erwartungen betrifft.