Die biologische Vielfalt und damit die gesamte belebte Welt ist derzeit mehreren Bedrohungen ausgesetzt, die zu erheblichen Umwälzungen führen könnten. Die fünf wichtigsten Belastungsfaktoren sind Veränderungen in der Land- und Meeresnutzung, Umweltverschmutzung, die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, der Klimawandel und invasive gebietsfremde Arten (IGA). All diese Bedrohungen sind in der einen oder anderen Form miteinander verknüpft, doch die beiden letztgenannten – nämlich der Klimawandel und die invasiven gebietsfremden Arten – können besonders alarmierende Dynamiken auslösen.
Seit einigen Jahren kommen in Luxemburg neue exotische Arten vor, d. h. Pflanzen und Tiere, die aus anderen Regionen stammen. Manche davon entwickeln sich zu invasiven Arten, die sich so stark ausbreiten, dass sie negative Auswirkungen auf die Natur und die von ihr erbrachten Leistungen (Klima- und Wasserregulierung, Bestäubung usw.) haben. Sie können zudem der Wirtschaft oder sogar der menschlichen Gesundheit schaden, wie beispielsweise die Nilgans (Alopochen aegyptiaca), die asiatische Gelbfuß-Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) oder der Götterbaum (Ailanthus altissima).
In einem am 4. September veröffentlichten Bericht stellt die Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services fest, dass gebietsfremde Arten eine oft unterschätzte große Bedrohung darstellen. Sie seien somit für das Aussterben von sechzig Prozent der Pflanzen und Tiere weltweit verantwortlich. In wirtschaftlicher Hinsicht belaufen sich die Schäden und die Kosten für ihren Umgang auf über 423 Milliarden Dollar pro Jahr. Diese Kosten haben sich seit 1970 jedes Jahrzehnt vervierfacht.
Gleichzeitig machen sich die Folgen des Klimawandels immer stärker bemerkbar, sei es in Form von Extremereignissen wie Tornados oder durch die zunehmende Häufigkeit bestimmter Phänomene wie Hitzewellen. Es wird immer deutlicher, dass die Jahreszeiten nicht mehr das zu sein scheinen, was sie einmal waren.
Wie sich diese beiden Belastungsfaktoren – Umweltverschmutzung und Klimawandel – gegenseitig verstärken können, ist eine Frage, die immer eingehender untersucht und vor allem berücksichtigt werden sollte, um diese Wechselwirkung zu minimieren. Die Vorbeugung künftiger Auswirkungen bleibt das beste Mittel, um die Folgen für die Biodiversität, die menschliche Gesundheit und die Wirtschaft zu begrenzen.
Der Prozess der Invasion einer Art lässt sich recht einfach schematisch darstellen. Es handelt sich um einen Hindernisparcours, an dessen Ende die Überlebenden über alle notwendigen Voraussetzungen verfügen, um zu invasiven gebietsfremden Arten zu werden. Während dieses Wettlaufs kann der Klimawandel die Überwindung bestimmter Barrieren erleichtern.
Zunächst muss eine Art in der Lage sein, an diesem „Wettlauf“ teilzunehmen; es muss also eine (zufällige oder absichtliche) Verbringung stattfinden. Nehmen wir das Beispiel invasiver Fischarten in der Mosel. Bei Hochwasser tritt der Fluss häufig über die Ufer und kommt mit anderen Bächen oder Teichen in Kontakt. So kann es zu einer Wanderung dieser Fische an einen „neuen“, noch nicht besiedelten Ort kommen.
Die nächste Hürde, die eine potenziell invasive Art überwinden muss, ist die Umwelt. Wenn eine Neozoa (eine invasive exotische Tierart) strenge Winter nicht verträgt und daher in solchen Zeiten Schwierigkeiten hat zu überleben, weil sie weder Unterschlupf noch Nahrung findet, war es für sie schwierig, unser Land zu besiedeln. Doch diese Perioden großer Kälte werden immer seltener, und Tiere wie das Nutria nutzen dies aus, um sich in unserer Region auszubreiten.
Zweitens müssen sich die invasiven gebietsfremden Arten vermehren können, um als „invasiv“ zu gelten. Eine Neophyte (invasiv eingeführte exotische Pflanze) wie die hochallergene Beifußblättrige Ambrosie produziert Samen, die 1 400 °C-Tage benötigen, um zu reifen, das heißt, die Samen müssen 1 400 Grad akkumulieren, um zu keimen. Dank der Klimaerwärmung gelingt es ihr, immer weiter nach Norden vorzudringen.
Nach all diesen Schritten kann schließlich die Ausbreitung stattfinden. Auch hier können Klimaveränderungen eine entscheidende Rolle spielen, da sie es „ invasiven Arten “ ermöglichen, sich unter für sie geeigneteren physikalischen Bedingungen – wie beispielsweise höheren Umgebungstemperaturen – leichter auszubreiten.
All diese klimatischen Faktoren in Verbindung mit unserem Lebensstil, bei dem Reisen und Handel zwischen Ländern und Kontinenten immer häufiger werden, begünstigen die biologischen Invasionen durch gebietsfremde Arten. Umso mehr, als diese klimatischen Bedingungen die Invasionen wahrscheinlich beschleunigen werden, da die Häufigkeit von klimatischen Anomalien zunimmt und die Durchschnittstemperaturen weiter steigen.
Es ist auch anzumerken, dass nicht alle invasiven gebietsfremden Arten vom Klimawandel begünstigt werden; bei einigen könnte sich das Ausbreitungspotenzial sogar verringern, da neue Barrieren entstehen, an die sie nicht angepasst sind. Ein Beispiel hierfür ist der Pilz Hymenoscyphus fraxineus, der die Chalarose (eine Krankheit, die einheimische Eschen befällt) verursacht; er soll im Südosten Frankreichs aufgrund der jüngsten Hitzewellen weniger verbreitet sein.
Neben der Besiedlung neuer Lebensräume ist es ebenfalls wichtig, die Häufigkeit bestimmter Arten zu berücksichtigen. Die Zunahme der Bestände bestimmter invasiver Pflanzen und Tiere könnte durchaus dazu führen, dass ihre Auswirkungen nicht mehr in Zusammenhang stehen. Bestimmte Mückenarten wie die Tigermücke, die Krankheiten wie Chikungunya oder Malaria übertragen, profitieren von den neuen Temperatur- und Niederschlagsbedingungen. Die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit könnten daher zunehmend gravierender werden.
Während bestimmte Lebensräume durch den Klimawandel für gebietsfremde Arten immer günstiger werden, werden sie für einheimische Arten immer ungünstiger. Die Zebramuschel (Dreissena polymorpha), eine invasive Muschelart, die ursprünglich aus dem Kaspischen Meer stammt, ist in Luxemburg bereits weit verbreitet, doch besteht die Gefahr, dass sie unseren einheimischen Muschelarten zunehmend den Lebensraum wegnimmt.
Die Modellierung der Entwicklung invasiver gebietsfremder Arten unter Berücksichtigung verschiedener möglicher Szenarien ist äußerst schwierig, und es ist durchaus möglich, dass sich die Verbreitungsgebiete der Arten unterschiedlich verändern: Einige werden sich weiter nach Norden verlagern, während andere zunehmend im Süden Europas anzutreffen sein werden.
Die Planung, die Priorisierung des Umgangs mit invasiven gebietsfremden Arten und die Einbeziehung klimabezogener Aspekte sind von entscheidender Bedeutung. So wie diese Aspekte in die Politik zur Prävention und zum Management invasiver gebietsfremder Arten integriert werden müssen, so muss auch die Problematik invasiver gebietsfremder Arten in die Strategien zur Klimaminderung und -anpassung einbezogen werden. Es handelt sich um Querschnittsthemen, die eine ganzheitliche Betrachtung erfordern.
Dank der Verabschiedung gesetzlicher Regelungen auf europäischer und nationaler Ebene sowie einer stärkeren Berücksichtigung der mit invasiven gebietsfremden Arten verbundenen Probleme wurden Maßnahmen ergriffen, um der Ausbreitung dieser Arten entgegenzuwirken.
Die Verabschiedung einer Liste mit für die Europäische Union bedenklichen gebietsfremden Arten war entscheidend, und seitdem wurden zahlreiche Maßnahmen eingeleitet. Dazu gehören unter anderem eine bessere Überwachung der natürlichen Umwelt und insbesondere der gebietsfremden Arten, Maßnahmen zum Management bestimmter Arten sowie die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der betroffenen Akteure.
Es ist wahrscheinlich, dass der Klimawandel die Strategien zur Bekämpfung invasiver gebietsfremder Arten weiter erschwert. Diese sind oft widerstandsfähiger als einheimische Arten und könnten von den künftigen klimatischen Bedingungen profitieren, zumal die einheimische Fauna und Flora bereits mit verschiedenen anderen Belastungen zu kämpfen hat: Wasserstress, Pestizidbelastung, Lebensraumzerstückelung…
Tiago De Sousa ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Natur- und Forstverwaltung