1. Mai. – Der Grundsold der Armeefreiwilligen wird auf das Niveau des sozialen Mindestlohns erhöht. Angesichts des Personalmangels soll das am 5. März verabschiedete Gesetz „l’attractivité de la carrière militaire“ fördern, heißt es im Motivenbericht. Der „service rendu à la nation serait ainsi reconnu à sa juste valeur“. Dulce et decore für das Vaterland zu sterben, ist eine proletarische Bestimmung. Deshalb ist der unqualifizierte Mindestlohn ihre „juste valeur“. Söhne und Töchter von Direktoren, Ärztinnen, Anwälten melden sich selten „op de Bierg“.
11. Mai. – Der parlamentarische Haushaltskontrollausschuss prüft die Rechnungen neuen Kriegsgeräts: „véhicules ‚Command Liaison and Reconnaissance‘“ (367 Millionen Euro), „véhicules pour le bataillon belgo-luxembourgeois“ (2 610 Millionen), „avion de transport A400M“ (540 Millionen), Tankflugzeuge „A330 ‚Multi Role Tanker Transport‘“ (598,4 Millionen), „satellite d’observation LUXEOSys“ (309 Millionen). Insgesamt 4,42 Milliarden Euro. Die Abgeordneten freuen sich: „[L]es enveloppes ‚sont respectées‘.“
12. Mai. – Verdient die staatlich kontrollierte Satellitenfirma SES an der „violation du droit international“, am Krieg der USA und Israels gegen den Iran? Will der Abgeordnete Marc Baum wissen. Verteidigungsministerin Yuriko Backes will es nicht wissen: „Les États-Unis disposent de capacités [satellitaires] sur la constellation O3b mPOWER, notamment dans le cadre du programme MGS. Comme le contrat MGS a été conclu entre la ‚NATO Support and Procurement Agency‘ (NSPA) et SES […] le Gouvernement n’est pas en mesure de confirmer si des capacités issues du programme MGS ou du réseau O3b mPOWER ont été utilisées dans le cadre de l’opération dite Epic Fury.“
15. Mai. – Einschreibefrist für ein „SUMMER ARMY BOOT CAMP. Mell dech fir 1 Woch Stage bei der Arméi a léier d’Liewen als Militär kennen! […] Ob Meedchen oder Jong, wann s du kierperlech fit bass, tëschent 16 an 20 Joer hues, Lëtzebuergesch schwätz a keng Angscht virun Erausfuerderungen hues, da #KommBeiEis!“ Widerstandslos hatten Lyzeen ihren Schutzbefohlenen das Mobilisierungsschreiben weitergeschickt.
19. Mai. – Premier Luc Frieden erklärt die Lage der Nation: Luxemburg kauft sich bei der geplanten Defence, Security and Resilience Bank in Kanada ein. Sie erlaubt gleichgesinnten Staaten, mehr Kriegsgerät zu kaufen, als sie sich leisten können. Durch „low-cost financing without adding pressure to national balance sheets“ (www.dsrb.org). Sie bürgt bei Privatbanken, wenn es einen Rüstungskunden trifft.
22. Mai. – Eine pflichtbewusste Verteidigungsministerin weiß um Niedertracht und Eile des Ennemi: „Wann Russland géif e baltescht Land zum Beispill attackéieren, dann ass de Wee – vu Panzeren net onbedéngt, mee och – mee och vu Missilen op Lëtzebuerg. Dat ass net vill méi wäit, dat si just e puer Minutte méi wäit“ (Radio 100,7).
1. Juni. – Aus 31 Einsendungen nennt das Verteidigungsministerium neun Gewinner von zur Kofinanzierung ausgeschriebenen militärischen Forschungsprojekten: Rüstungs-Start-ups mit der Universität und dem staatlichen Institut List als Geschäftspartner. Sie versprechen für jeweils eine bis zwei Millionen Euro die Herstellung widerstandsfähiger Materialien, die Sicherung des Militärfunks, die Überwachung von Schlachtfeldern.
15. Juni. – In Paris wird Eurosatory eröffnet. Eine der weltgrößten Handelsmessen für Kriegsgerät. Mit Unterstützung der Handelskammer haben sich 31 Aussteller aus Luxemburg eingeschrieben: Arcelor-Mittal, Euro-Composites, Goodyear, Hitec, List, No-nail Boxes, SES… Die Hälfte ist zum ersten Mal dabei. Sie verstecken sich nicht mehr hinter „dual-use“. Sie riechen Blut. Sie wollen mitverdienen.
„Ich sah den alten Kriegsgott stehen auf einem Stumpf zwischen Abgrund und Felswand. Er roch nach Freibier und Karbol und zeigte Halbwüchsigen seine Hoden, denn er war von einigen Professoren verjüngt worden“ (Bertolt Brecht, „Der Kriegsgott“).