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Musik 5 Min. Lesezeit

Reichtum an Gütern…

In der Philharmonie

Erschienen in Ausgabe September 2022
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Zurück zum Status quo ante. Nach nur wenigen Monaten – nach zwei Jahren voller Absagen, Verschiebungen und begrenzter Zuschauerzahlen, nun, da die Pandemie offenbar nur noch eine schlechte Erinnerung ist – hat der prestigeträchtige Komplex an der Place de l’Europe zur großen Freude aller Musiker und Musikliebhaber wieder zu seiner ganzen Pracht zurückgefunden – dank eines äußerst vielversprechenden Programms, das gekonnt Auftritte lokaler Akteure (OPL, SEL, OCL, UIL…), thematische Festivals (Atlântico, Rainy Days) und regelmäßige Gastspiele großer Solisten und Ensembles unter der Leitung namhafter Dirigenten.

So können wir im Rahmen der Konzertsaison 2022/2023 den „ Großen aus Spanien “, Gustavo Gimeno, der seine achte Saison an der Spitze des Orchestre Philharmonique du Luxembourg beginnt und der neben unverzichtbaren symphonischen Werken von Rimski-Korsakow, Richard Strauss, Tschaikowski und Mahler (den er „ immer sehr verbunden gefühlt hat“ und von denen er am 27. Oktober die gewaltige Sechste aufführen wird), in dieses Mainstream-Repertoire auch Werke von zu den am seltensten gespielten Komponisten des 20. Jahrhunderts zählenden Komponisten wie Lutosławski, Szymanowski und Dutilleux aufnehmen.

„Wie bisher, nur noch besser!“: Unter diesem anspruchsvollen Motto wollen die Verantwortlichen der „Solistes Européens, Luxembourg“ die neue Spielzeit gestalten. Man muss sagen, dass ihr Leiter, Christoph König, wie kein anderer neue Wege beschreitet, indem er bewährte Werte und vielversprechende Talente miteinander verbindet, berühmteste Werke (Beethovens Fünfte) mit äußerst seltenen oder gar unbekannten Stücken (wie einem Werk des Chinesen Zhou Long) oder gar noch nie aufgeführten Werken (wie der Weltpremiere des Klavierkonzerts des jungen einheimischen Komponisten Ivan Boumans).

Unter der Leitung der einfallsreichen und temperamentvollen Corinna Niemeyer steht das Programm des Orchestre de Chambre du Luxembourg ganz im Zeichen der Frauen. Ein Beispiel dafür ist das Programm vom 18. September, bei dem der Name Louise Farrenc neben denen von Rebel, Respighi und Rautavaara steht. Kammermusik, wie man sie liebt, für jeden Geschmack und – obendrein – interpretiert von renommierten Musikern: Das erwartet die Liebhaber dieses Genres in der so inspirierenden Atmosphäre des prächtigen Kammermusiksaals. Namen? Die Emerson-, Ébène-, Jerusalem-, Casals- und Kreisler-Quartette … neben anderen, intimeren Besetzungen.

Man sollte die neue Klaviersaison nicht allein auf den angekündigten und natürlich mit großer Spannung erwarteten Auftritt der legendären Martha Argerich in Ravels Meisterwerk „Konzert in G“ (4. Februar) reduzieren. Die Philharmonie wird nämlich der luxuriöse Rahmen für zahlreiche Konzerte und Recitals sein, bei denen „unsere“ Tristano, Müller und Krier die Gelegenheit haben werden, sich mit den großen Namen wie Sokolov, Trifonov, Sir Schiff (Residenzkünstler), Zimerman, Lang Lang, Wang, Buchbinder, Aimard, Pires, Uchida, Grimaud zu treffen – um nur die bekanntesten unter ihnen zu nennen –, ihre jüngeren Kollegen (Grosvenor, Perianes, die Brüder Jussen) sowie die neuen Gesichter der aufstrebenden Stars Elisabeth Brauß, Jonathan Fournel und Jan Lisiecki.

Was die Liebhaber des „Königsinstruments“ betrifft, so kommen sie voll auf ihre Kosten – mit Auftritten außergewöhnlicher Geiger wie Frank Peter Zimmermann, Mutter, Fischer, Jansen, Capuçon, Bell, Kavakos und Kremer. Was die „großen“ Dirigenten, Solisten und Orchester angeht, hat der Musikliebhaber einmal mehr die Qual der Wahl zwischen Christian Thielemann und der Sächsischen Staatskapelle, dem London Symphony Orchestra unter Sir Simon Rattle, dem Budapest Festival Orchestra mit Iván Fischer, Les Arts Florissants unter William Christie, Sir John Eliot Gardiner und dem Royal Concertgebouw Orchestra, Herbert Blomstedt und dem Chamber Orchestra of Europe, Philippe Herreweghe und dem Orchestre des Champs-Élysées, die Academy of St Martin in the Fields unter Joshua Bell, das Tonhalle-Orchester Zürich unter Paavo Järvi, die Filarmonica della Scala mit Riccardo Chailly, das San Francisco Symphony unter der Leitung von Esa-Pekka Salonen oder Le Concert des Nations von Jordi Savall. Puh! Was gibt es Besseres? Was könnte man sich mehr wünschen?

Was die „Oper“ betrifft, kommen Liebhaber großer Stimmen voll auf ihre Kosten – das ist noch milde ausgedrückt. Am 30. November wird die umwerfende Kaiserin des Gesangs, Cecilia Bartoli, begleitet von Les Musiciens du Prince-Monaco, die Hauptrolle in „La Clémence de Titus“ in einer Konzertfassung übernehmen, während die Sopranistin Patricia Petitbon „La Voix humaine“ in einer Fassung für Gesang und Klavier singen wird. Der Tenor und Allrounder Rolando Villazón entführt das Publikum seinerseits in das unermessliche Universum der Oper, wobei er Gesang und Wort abwechselnd einsetzt. Als ob das noch nicht genug wäre, kommen eine Konzertfassung von „Siegfried“ hinzu, die von einem der derzeit besten Dirigenten und Ensembles stolz präsentiert wird, sowie eine Inszenierung von „Tristan und Isolde“ mit dem OPL, flankiert von einer Reihe handverlesener Gesangssolisten. Ganz zu schweigen von der Zusammenarbeit, die die Philharmonie seit Jahren mit dem Grand Théâtre der Hauptstadt pflegt. Muss man darüber hinaus noch daran erinnern, dass der Geist der Oper auch auf vielen symphonischen Spielplänen vorherrscht?

Wieder unterwegs! Nach zwei Jahren, die von der Gesundheitskrise geprägt waren, kann das OPL endlich wieder seinen Pilgerstab ergreifen, um das symphonische Evangelium in der gesamten Großregion (am Cape d’Ettelbruck, in L’Arche in Villerupt) und weit darüber hinaus zu verbreiten (in der Liederhalle in Stuttgart, in La Comète in Châlons-en-Champagne, im Wiener Konzerthaus, im Müpa in Budapest, in der Victoria Hall in Genf), darunter erstmals eine einwöchige Tournee durch Südkorea.

Schließlich wird das Flaggschiff des großherzoglichen Musiklebens, das seit 2003 seine enge und intensive Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium konsequent fortsetzt, regelmäßig in den Schulen des Landes Halt machen, um dort das Wissen um und die Liebe zu Euterpe zu verbreiten, und zwar mithilfe sorgfältig ausgearbeiteter Formate zum Zuhören und Mitmachen, seien es nun bewährte Konzepte aus der Vergangenheit oder solche, die infolge der Pandemie neu konzipiert wurden – oder gar völlig neuartige Formate.