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Musik 5 Min. Lesezeit

Ein gutes Jahr für Reset

Trommelwirbel. Auch in diesem Jahr, und zwar bereits zum siebten Mal, stehen die Teams des Kulturzentrums Neimënster kurz davor, eine Meisterleistung zu vollbringen. Nämlich vier Musikerinnen und vier Musiker aus…

Erschienen in Ausgabe Januar 2024
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Trommelwirbel. Auch in diesem Jahr, und zwar bereits zum siebten Mal, stehen die Teams des Kulturzentrums Neimënster kurz davor, eine Meisterleistung zu vollbringen. Nämlich vier Musikerinnen und vier Musiker aus verschiedenen Ländern eine Woche lang zusammenzubringen und miteinander spielen zu lassen, um für einen Abend ein temporäres Oktett zu bilden. Das Festival „Reset“ ist zu einem unverzichtbaren Ereignis für Jazzliebhaber geworden, und das treue Publikum ist daher unerbittlich. Auf dem Programm stehen der luxemburgische Kontrabassist Marc Demuth, der britische Vibraphonist Jim Hart, die japanische Pianistin Makiko Hirabayashi, der finnische Gitarrist Kalle Kalima, der belgisch-luxemburgische Bugle- und Trompeter Rémy Labbé, die französische Klarinettistin Elodie Pasquier, die dänische Saxophonistin Cecilie Strange und schließlich die deutsche Schlagzeugerin Mareike Wiening. Letztere, die auf den Plakaten in der Hauptstadt nicht aufgeführt ist, springt in letzter Minute für ihre Kollegin Eva Klesse ein, die sich leider am Tag vor ihrer Ankunft bei einem Fahrradunfall verletzt hat.

Am Freitagabend, dem 19. Januar, empfängt die an die Abtei angrenzende Brasserie die acht Künstler, die nacheinander etwa zehn Minuten lang solo auftreten werden, um ihre Individualität im Rahmen dieses Festivals, das das Kollektiv in den Vordergrund stellt, zur Geltung zu bringen. Am Vorabend zog die in drei kleine Gruppen aufgeteilte Truppe im Rahmen des traditionellen Jazz-Crawls durch die Innenstadt und spielte im Hôtel Cravat sowie anschließend im Scott’s Pub vor 148 Zuschauern (das Festivalteam hat die Zahlen gezählt). Der zweite Abend ist ausverkauft. Ainhoa Achutegui, die Direktorin von Neimënster, freut sich darüber und kündigt offiziell an, dass das Abenteuer auch im nächsten Jahr fortgesetzt wird. Marc Demuth eröffnet den Abend mit einer eleganten Parade, die in einen rasanten Lauf übergeht. Rémy Labbé setzt mit seinem Flügelhorn nach. Der Musiker klopft mit der Handfläche auf das Mundstück, um einen Rhythmus zu erzeugen, der im Kopf nachhallt, sodass man glaubt, ihn zu hören, auch wenn er während seiner virtuosen Läufe nicht mehr gespielt wird. Der Trick täuscht. Rémy Labbé spielt wie ein echter Zauberkünstler im Inneren des auf der Bühne stehenden Klaviers, um einen Hall zu erzeugen, und beginnt dann, mit seiner linken Hand Klavier zu spielen, um ein Duett mit sich selbst zu bilden. Auch hier trifft der Effekt ins Schwarze.

Cecilie Strange betritt leise die Bühne und lässt sich vom Klavier und den letzten Klängen des Flügelhorns begleiten. Der Übergang erfolgt sanft. Sie beginnt einen kraftvollen Marsch, der auf langen Ein- und Ausatmungen aufbaut. Jede Darbietung wird durch Interviews mit den Künstlern unterbrochen, die von Pascal Schumacher, dem Kurator des Festivals, geführt werden. Dieser verleiht Cecilie Strange den Spitznamen „ the sound “, da die Saxophonistin tatsächlich einen ganz eigenen Klang erzeugt. Mareike Wiening präsentiert ein schlichtes Set, das zwar nicht gerade umwerfend ist, das Publikum aber zu begeistern scheint. Die Interviews folgen nacheinander auf Französisch, Englisch, Luxemburgisch und Deutsch, was einige Zuschauer etwas überfordert. Ein neuer Auftritt, ein anderer Spielstil, viel frenetischer. Elodie Pasquier schafft eine beunruhigende und dissonante Atmosphäre aus Gelächter und unterdrücktem Schreien. Hier und da sind in der Brasserie nervöses Kichern zu hören. Man befürchtet einen Lachanfall, doch die Musikerin erstickt diesen schnell mit ihrem Elan. Kalle Kalima präsentiert erneut ein hybrides Stück mit abruptem Ende, und Makiko Hirabayashi glänzt mit einem großartigen Medley aus drei Eigenkompositionen. Jim Hart beschließt den Abend mit einem souveränen Set, das jedoch durch die Pieptöne der Zahlungsterminals gestört wird.

Am nächsten Tag steht das Konzert auf dem Programm, mit dem die Woche des Aufenthalts und der intensiven Arbeit des Oktetts gefeiert wird – und das Schöne daran ist, dass diese Besetzung, zumindest in dieser Zusammensetzung, wahrscheinlich nie wieder zusammen spielen wird. Der Robert-Krieps-Saal ist brechend voll. Ein Zeichner in der ersten Reihe hält das Ereignis fest. Die Formation hat bei der Einleitung noch leichte Schwierigkeiten, findet aber schließlich bei Labbés Komposition „Close by“ ihren Rhythmus. Besonders in Erinnerung bleibt ein köstlicher Dialog zwischen Klavier und Tenorsaxophon. Die Percussion hingegen ist so zart wie ein entdrosseltes Moped. Elodie Pasquier leitet anschließend ein energiegeladenes, eigens für das Orchester komponiertes Stück ein. Man beobachtet verschwörerisches Lächeln und Augenzwinkern während eines sorgfältig ausgefeilten und satten Solos von Kalle Kalima. Der Gitarrist scratcht auf seinem Instrument, als wäre es eine Schallplatte. Es folgen zwei weitere großartige Stücke, eines getragen von Marc Demuth (und aus dem Projekt seines Trios Synaesthesia stammend), das andere angeführt von Cecilie Strange und treffend „The Dance“ genannt. Der Zusammenhalt der Band zeigt sich deutlich in dieser Runde, die zwar recht einfach, aber von beeindruckender Wirksamkeit ist. Jim Hart sticht hervor und reibt die Lamellen seines Vibraphons mit selbstgemachten Bögen (umgebauten Holzkleiderbügeln). Er ist ganz klar nicht nur als Statist dabei.

Das Konzert endet mit einer Komposition von Kalle Kalima: „Don’t forget us“. Ein langes Stück, in dem man sich fast verliert, das aber den Vorteil hat, das Erlebnis noch um einige Minuten zu verlängern. Das Ensemble wird herzlich, aber ohne Übertreibung beklatscht. Bei der Zugabe erinnert man sich an die vergangenen Ausgaben und stellt fest, dass diese sich keineswegs zu verstecken braucht und dem Vergleich mit ihren Vorgängerinnen mehr als standhält. Die Feierlichkeiten dieses gelungenen Jahrgangs dauern bis spät in die Nacht an. Die Kultursaison startet mit Vollgas.