1 Vincent Artuso : La „Question juive“ au Luxembourg (1933-1941). L’État luxembourgeois face aux persécutions antisémites nazies. Luxembourg 2015. 2 Siehe z.B. Charles Barthel: „Die ,Judenfrage’ in Luxemburg: Meilenstein oder Stolperfalle?“ In: Luxemburger Wort (LW), 10.10.2015. Paul Schmit : „Le rapport Artuso dans le miroir du droit. Les institutions luxembourgeoises et leur fonctionnement à la veille et au début de la Deuxième Guerre mondiale“. In : Hémecht 68 (2016), S.321-348. 3 Siehe z.B. Denis Scuto : « La Commission administrative et le fichier juif de la Gestapo » in : Tageblatt, 19.11.2015, jetzt auch in: Denis Scuto: Chroniques sur l’an 40. Les autorités luxembourgeoises et le sort des juifs persécutés, Luxembourg 2016, S.144-169. 4 Mein Dank geht an die Mitarbeiter des Nationalarchivs, die sich jederzeit offen zeigten, auf meine Fragen einzugehen und die entsprechenden Dokumente zur Verfügung zu stellen. 5 Archives nationales, Luxembourg (ANLux), FD 0083: dossier 38 (correspondance 1940-42). Das Dokument wurde weder von Paul Cerf noch von Vincent Artuso zitiert. 6 Bisher konnte „Leutnant Scholtz“ nicht identifiziert werden. Wahrscheinlich liegt hier eine Namensverwechslung mit Leutnant Otto Schmalz vor, der in anderen späteren Schreiben als Adressat fungiert. Otto Schmalz, Kriminalobersekretär bei der Gestapo und zuständig für „Judensachen“, wird von einigen Zeitzeugen als „korrekt“ beschrieben. Paul Cerf: L’étoile juive au Luxembourg, Luxembourg 1986, S.128. 7 An dieser Adresse befand sich eine polnische jüdische Schule, die ab September 1940 alle jüdischen Kinder aufnahm, als diese von den öffentlichen Schulen ausgeschlossen wurden. Ab dem 1.Oktober 1940 befand sich das Sekretariat in der Neypergstrasse 71. 8 ANLux: FD-0083 : dossier 88, Blatt 1219-1259. Siehe dazu Artuso, S.177-179. 9 Memorandum du Dr Robert Serebrenik du 3 novembre 1961 in: Paul Cerf, 1986, S.248-254, hier S.250, 15. Das englische Original, das Georges Büchler mir zur Verfügung stellte, ist auf den 3. November 1963 datiert. 10 Offiziell arbeitete das Einsatzkommando der Sicherheitspolizei und des SD Luxemburg erst ab dem 1. September 1940 in der „Villa Pauly“. Vorher gab es ab Ende Juli Mitarbeiter der Gestapo, die im „Arbed“-Gebäude, dem Sitz des Chefs der Zivilverwaltung, Büros belegt hatten. 11 Jochen Böhler: Auftakt zum Vernichtungskrieg. Die Wehrmacht in Polen 1939, Frankfurt a. M. 2006. 12 Memorandum Serebrenik: „He [Generaloberst Walter von Reichenau] assured me that no evil will befall the Jews and that he guarantees them freedom of religion and of the exercise of their cult”. 13 Nach intensiven Gesprächen mit meinem ehemaligen Mitarbeiter Marc Gloden, dem ich für seine Diskussionsbereitschaft herzlich danken möchte, komme ich zum Schluss, dass der 13. August wohl als Schlüsseldatum für die Ankündigung der Politik des Gauleiters anzusehen ist. An diesem Tag hielt Gauleiter Simon eine Grundsatzrede bei der Einsetzung des Oberbürgermeisters der Stadt Luxemburg (siehe LW vom 14.8.1940, S.1) und hat wohl am gleichen Tag um 17h30 die Mitglieder der Verwaltungskommission empfangen, um ihnen mitzuteilen, dass er allein in Luxemburg das Sagen hatte und er sich durch juristische (auch völkerrechtliche) Bestimmungen nicht von seiner Politik abbringen lassen würde. Cf. Artuso, S. 126. Leider geht Artuso nicht auf den ausführlichen Bericht über diese Begegnung mit Wehrer ein. Siehe: Albert Wehrer, « La mission et l’activité politiques de la commission administrative. Aide-mémoire sur les événements politiques de mai à octobre 1940 ». Luxembourg 1945, S. 23-27. Wehrer unterstreicht hier z.B., dass der Gauleiter von der Verwaltungskommission „Deutschfreundlichkeit und unbedingten Gehorsam“ verlangte und drohte, dass jeglicher Widerstand mit allen Mitteln gebrochen würde. 14 Heinrich Siekmeier (1901-1982), war zuerst Lehrer in Mettmann, dann ab 1933 Regierungsschulrat in Düsseldorf. 1934 Leiter der Schulabteilung in Koblenz, wurde er 1938 zum Regierungspräsidenten in Trier ernannt. Ab Ende Juli 1940 fungierte er als „Ständiger Vertreter“ des Chefs der Zivilverwaltung in Luxemburg, Gauleiter Gustav Simon. 15 ANLux: AE 3929: Bl. 3-4: Schreiben vom 9.8.1940 Siekmeier an Wehrer. Das Schreiben ist unterzeichnet vom Regierungspräsidenten Siekmeier und trägt einen Stempel, der den CdZ noch als unter dem Militärbefehlshaber Belgien und Nordfrankreich fungierend belegt. Artuso hingegen schreibt von einer „lettre du Gauleiter Simon“ S. 176. 16 ANLux: AE 3929: ebenda: In diesem Schreiben werden Juden entsprechend § 5 der Ersten Durchführungsverordnung zum deutschen Reichsbürgergesetz vom 14.11.1935 (RGBL. I, S.1333) definiert. Diese Definition wurde in § 8 der Verordnung vom 5. September über Maßnahmen auf dem Gebiet des Judenrechts für Luxemburg am 8. September 1940 in Kraft gesetzt. Welchen juristischen Wert hatte dieses Schreiben, wenn der Gauleiter selbst die Definition in seine Verordnung vom 5. September glaubte aufnehmen zu müssen? 17 In Artusos Text und Fußnoten wird das Datum des Schreibens von Wehrer (13.8.1940) nicht genannt. Einerseits interpretiert er selbst Semikolons, vergisst aber dem Leser die wichtige Information des Datums mitzuteilen. 18 Major Aloyse Jacoby, der die Rückführung der Evakuierten leitete, hielt sich nicht an die deutschen Anordnungen, was ihm später angekreidet wurde. Von November 1941 bis Mai 1945 war er in deutschen Gefängnissen und Konzentrationslagern als Schutzhäftling inhaftiert. 19 D’Lëtzeburger am Krich 1940-1945. Eng kleng Natioun erzielt. Luxembourg 2001, S.455-487, Joseph Schlang, hier S. 456. 20 Verordnung über Maßnahmen auf dem Gebiet des Judenrechts. Verordnung über das jüdische Vermögen in Luxemburg. In: LW, 7.9.1940. 21 Die einzige Quelle, die Gauleiter Simon als den Initiator dieser Maßnahme nennt und ihn auch als denjenigen ausweist, der dem Rabbiner diesen Befehl übermittelte, ist der Bericht von Platt Waller, dem amerikanischen Konsul in Luxemburg. Siehe W.A. Fletcher und Jean Tucker-Fletcher (Hg.): Defiant Diplomat George Platt Waller. American Consul in Nazi Occupied Luxembourg, 1939-1941. Newark (DE) 2012, S.101-102. Der Gauleiter soll einen bevorstehenden Besuch Hitlers als Grund für die Vertreibung aller Juden aus Luxemburg angegeben haben. In Serebreniks Memorandum von 1963 (s. Anm. 9) Punkt 15 schreibt er: „At about that time I was told in [sic] the Gestapo where I had to report every morning at 7:00 A.M. that Luxembourg Jewery would be deported in toto on Yom Kippour, our holiest day, to the East.” 22 Ebenda. „After heartbreaking efforts, intervention with the German Oberbefehlshaber v. Mackensen [richtig wohl von Falkenhausen] in Belgium, and the dispatch of a special memorandum to SS-Reichsführer Himmler in Berlin over the signatures of Dr. Bonn and myself the decree of ‚Gerush Luxembourg’ of the deportation of Luxembourg Jewery was cancelled.” Das „special memorandum” ist abgedruckt bei Paul Cerf: Longtemps j’aurai mémoire. Documents et témoignages sur les Juifs du Grand-Duché de Luxembourg durant la seconde guerre mondiale. Luxembourg 1974, S. 141-146. Abdruck eines Scans des Durchschlags des Originals nun in Évacuation-Déportation. Le premier transport vers l’est, 16.10.1941, Luxembourg 2016, S. 29-33. 23 Bundesarchiv, Berlin: NS 19/1792: Reiseprogramm des RF-SS mit Himmlers Paraphe abgezeichnet. 24 Höherer SS und Polizeiführer. 1938 geschaffene Funktion innerhalb der SS in jedem SS-Oberabschnitt bzw. Wehrkreis. Der HSSPF unterstand Himmler jeweils unmittelbar. 25 Richard Breitman : Heinrich Himmler. Der Architekt der „Endlösung“. (Übersetzung aus dem Amerikanischen), Zürich, 2000 (2. Auflage), S. 194. 26 Christopher Browning : Die Entfesselung der „Endlösung“. Nationalsozialistische Judenpolitik 1939-1942 (Übersetzung aus dem Amerikanischen), München 2003, . 142f. 27 Text der Rede abgedruckt in: Procès des Criminels de guerre devant le Tribunal militaire international, Band 29, Nürnberg 1948, S.98-110, Dokument PS-1918. 28 Theodor Berkelmann, (1894-1943) 1941-1943 HSSPF Rhein. Als solcher war er zuständig für die Umsiedlungen in Luxemburg ab September 1942. Im Dezember 1943 an einem Gehirntumor in Posen verstorben. 29 Zum Verlauf des Aufenthaltes in Luxemburg siehe die offizielle Berichterstattung z.B. im LW vom 9.9.1940: Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler in Luxemburg. 30 Erwin Rösener (1902-1946) war von September bis Mitte Dezember 1940 HSSPF Rhein, danach bis Kriegsende HSSPF Alpenland. 1946 in Jugoslawien zum Tode verurteilt und gehenkt. 31 Jeder Gauleiter hatte einen Stellvertreter. Fritz Reckmann (1907-1984) war stellvertretender Gauleiter im Gau Koblenz-Trier von 1931 bis 1945. 32 Siekmeiers Präsenz dürfte darauf zurückzuführen sein, dass er als einziger beim CdZ Luxemburg im Range eines SS-Oberführers Mitglied in der SS war. 33 Markus Moors, Moritz Pfeiffer (Hg.) : Heinrich Himmlers Taschenkalender 1940. Kommentierte Edition. Paderborn 2013, S.329-333. 34 Memorandum Serebrenik (Anmerkung 9). „The new emergency Consistoire entered into contact and dealings with the Provisorische Luxembourger Verwaltungskommission (headed by Dr. Albert Wehrer) which among others supplied the community with fonds de roulement and foodstuff for the many hundreds of refugees for whom we had to care.” ANLux : FD 0083 : Dossier 30 (Correspondance 1940-42): Brief des Konsistoriums an den Direktor des Evakuationsamtes, Jérôme Anders vom 9.8.1940 : „[…] dass die Herren Albert Wehrer, Präsident der Landesverwaltungs-Kommission und Putz, Regierungsrat, sich in lobenswerter Weise bereitgefunden haben, die Lebensmittel, die wir für die Verpflegung der von uns betreuten Flüchtlinge benötigen, gratis zur Verfügung zu stellen.“ ANLux: FD 0083: Dossier 38 (Allgemeine Korrespondenz R-Z): Schreiben Wehrer an das Sekretariat der Israelitischen Kultusgemeinde vom 6.9.1940: „[…] dass die Verwaltungskommission bereit ist, vorläufig weitere Lebensmittelgutscheine zur Verfügung zu stellen.“ 35 Memorandum Serebrenik : „Immediately after the fall of France we began to organize the first transport of Jews (58) who left with the destination of Lisbon on August 8, 1940.“
Could We Thrive Amidst the Ruins?
Architects love to imagine the future. In essence, our work depends on selling a fictional vision of how a place may look, should our project be…