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Feuilleton 4 Min. Lesezeit

Entwaffnende Ehrlichkeit

die kleine zeitzeugin

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Kinder an die Macht, vielleicht haben in jener Nacht ein paar Kids das Verteidigungsministerium, wie es gerade salopp genannt wird, digital gestürmt und sich ausgetobt? Mit der coolen KI-Nanny, es macht Superspaß, wir werden jetzt allen einen Urschreck einjagen! Mit Panzern, die sind wie Dinos, noch nicht mal ausgestorben! Die SUVs sind ja auch so langweilig.

Haben die sie noch alle?, stellt ein Ex-Minister die klassisch familiär luxemburgisch liebevolle Frage; alle reiben sich die ozonentzündeten Augen, die dann zwar wieder zugedrückt werden, alle zwei auf einmal. Es ist ja auch so heiß! Es ist Sommer. Ferien! Da kann schon mal was. Da kann schon mal so was. Was eigentlich?

Das Verteidigungsministerium, wie es gerade salopp genannt wird, verteidigt sich. Die Joffer, seufz!, war grad nicht in der Klasse. Und dann kam es eben zu diesem Kreativ-Leak. Diesem Kreativ-Supergau(di). Kinder an die Macht!

Es ging ja nur ums Mitmachen bei dem Kreativ-Design-Wettbewerb der Europäischen Zentralbank, einer eher therapeutisch anmutenden Sommerbeschäftigung. Geldscheine ansprechend gestalten, Motive könnten Vögel sein, Vögel sind immer gut, oder Wissenschaft oder Kunst, auch immer gut, findet doch jede gut, alle bringen sich ein, Ideen sind gefragt. Nicht immer nur so Alte Graue Männer oder unsere legendäre Kirche des Mammons, banal Bank geheißen. Gar keine leichte Aufgabe, denn wie stellt man ein bisschen traditionelle Werte sexy dar, ist das nicht mission impossible?

KI-Nanny kennt sich aus, welcher Wert ist traditioneller als das, was ein guter alter Panzer in uns hervorruft? Und europäischer, ratterten sie nicht treu und bodenständig über den blutigen Boden der europäischen Schlachtfelder? Wir haben sie so im Blut, sie sind uns so vertraut, beinahe schon traut. Die Panzer sind wie Dinosaurier, die haben auch so etwas Solides, Stabiles. Trotz Ausgestorbenseins. So etwas Beruhigendes. Nicht nur volatil und hektisch wie der Zeitgeist, wie Drohnen, die sich auf Todeszonen reimen. Todeszonendrohnen und Drohnentodeszonen sind schlechte Motive. Sie sind schwer darstellbar und vermittelbar. Man kann sie nicht lieben wie die Teddybären des Todes, die aus Panzern lugen.

Und jetzt sind sie eben aus dem Unterbewusstsein ausgebrochen, in dem sie so lange eingesperrt waren. Keine wollte so einen in der Garage. Alle rümpften die Nase. Das ist so Krieg. Das ist so Weltkrieg. Das ist so 20. Da gab es noch nicht mal Duschgel. Das ist so Gruselgegenden in dieser Welt, die niemand bucht. Dort gurken die Dinger umher. Warum erscheinen sie uns jetzt? Jetzt? Auf unserm Geld? Ausgerechnet! Das wir manchmal sogar noch, pfui!, anfassen.

Das Motiv ist überhaupt nicht niedlich. Und schon gar nicht friedlich. Und was denken die jetzt im Ausland von uns Kriegstreiber/innen? Gerade sind wir dem Schurkenstaat entronnen. Wir wollen einen Kéisecker! Oder wenigstens einen Regenbogen.

So schreien viele auf. Und wundern sich, dass ein Ministerium, das für Sicherheit und Verteidigung zuständig ist, seine Kernkompetenz kompetent und bildmächtig darstellt. Damit auch jeder es versteht. Einfache Bildsprache.

Waren die auf Drogen?, wird gegrübelt. Vielleicht gar auf der Wahrheitsdroge, und der Ehrlichkeitsteufel hat sie geritten? Die Katze war aus dem Raum gegangen. Die Mäuse tanzten. Auf den Mäusen und den Kröten rollen Panzer und grollen. Die Wahrheit ist herausgeplatzt. Der Elefant steht im Raum. Die Euros rollen schneller als der Rubel. Jubel. Herr Scholz, falls jemand sich erinnert, hatte Panzer gestreichelt, ein bisschen zaghaft noch, Übung macht den Meister. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland, er grinst heavy-rheinmetallisch.

Der Schein ist das Sein, ist es jetzt so, wie es alle schon wussten, die immer alles schon wissen? Die, die sich dauerentrüsten über die, die dauernd aufrüsten? Dass die. Dass sie. Was sie. Im Schilde führen. Mir ist heiß, singt Nina Hagen in meinem Kopf, während ich zuschaue, wie eine Drohne einen ukrainischen Gemüsehändler verfolgt. Wir wollen einen Vogel.

Einen aussterbenden am liebsten. Oder schon ausgestorbenen. Wo sind eigentlich die Leoparden geblieben? p