Der berühmteste aller „Papiermilliardäre“, Largo Winch, meldet sich in „Le Centile d’or“ zurück – dem 24. Band aus der Feder von Philippe Francq und Eric Giacometti, der die vor zwei Jahren mit „La Frontière de la nuit“ begonnene Zweiteiler-Reihe abschließt. Hochfinanz und extreme Abenteuer gehören nach wie vor zum Alltag der von Jean Van Hamme erfundenen Figur.
Er hat die ganze Welt bereist, da musste er natürlich auch den Weltraum erobern! Seit mehr als dreißig Jahren bestimmen die Abenteuer von Largo Winch, einem ehemaligen Waisenjungen und Abenteurer, der an die Spitze eines kolossalen Finanzimperiums katapultiert wurde, das Leben der Comic-Fans, die diesen realistischen französisch-belgischen Stil lieben, der auf halbem Weg zwischen Business und Thriller, Hochfinanz und Spionage, Milliardäre und Mörder… 1977 als Figur eines Bahnhofsromans entstanden, hielt Largo Winch 1990 mit einem ersten Band mit dem Titel „Der Erbe“ Einzug in die Welt der Comics. Sein Schöpfer ist Jean Van Hamme, der bereits als Autor von „Thorgal“ und „XIII“ sowie zahlreicher weiterer erfolgreicher Serien bekannt war, begleitet von Philippe Francq als Zeichner.
Largo ist jung, gutaussehend, intelligent und idealistisch. Als jugoslawischer Waisenjunge wurde er von Nerio adoptiert, einem älteren Geschäftsmann, der an der Spitze eines äußerst undurchsichtigen, aber zehn Milliarden Dollar schweren Finanzkonzerns steht. Nicht, um ihn zu seinem Sohn zu machen – zwischen den beiden gab es nie irgendeine emotionale Bindung –, sondern um ihn zu seinem Erben zu machen. An der Spitze der W-Gruppe wird Largo versuchen, seine Ideale trotz der Realitäten der Geschäftswelt aufrechtzuerhalten, was ihm große Feindschaften in Finanzkreisen sowie zahlreiche Verratstaten innerhalb seiner eigenen Organisation einbringen wird. Mit seinem engsten Kreis aus ehemaligen Dieben und anderen reuigen Ausgestoßenen, die zwar hart im Nehmen, aber im Herzen weich sind, erlebt er unglaubliche Abenteuer, die sie rund um die Welt führen.
Damit wurden mehr als 400 Millionen Alben verkauft, die das Duo Van Hamme-Francq bis 2015 in einer Reihe von Zweiteilern veröffentlichte – ein Format, das sich zumindest anfangs ideal dafür eignete, die Romane problemlos zu adaptieren. Nach der Veröffentlichung des zwanzigsten Bandes übergibt der ursprüngliche Autor das Ruder an den Schriftsteller Eric Giacometti (Antoine Marcas). Das neue Autorenduo hat bereits ein erstes Diptychon veröffentlicht, gefolgt von einem zweiten, bestehend aus „La Frontière de la nuit“, das 2021 erschien, und nun diesem gerade erschienenen „Centile d’or“.
Im ersten Teil lernen die Leser das Ehepaar Manskind kennen. Sie sind schön, jung und milliardenschwer und haben sich auf neue Technologien und die Raumfahrt spezialisiert. Vor allem der Ehemann, Jarod, träumt vom Weltraum, ganz besonders vom Mars. Um seinen größten Traum zu verwirklichen, braucht er Largo; daher nimmt er über eine gemeinsame Bekannte Kontakt zu ihm auf: die schöne Domenica Leona, eine italienische Bildhauerin und Largos Geliebte, die den Lesern bereits aus früheren Bänden der Reihe bekannt ist.
Alles beginnt im Weltraum. An Bord der „Asteria“, eines von Jarod entworfenen und entwickelten Raumfähren, befinden sich die beiden Milliardäre. Und natürlich fängt es schon mal schlecht an. Die beiden Männer sind aufgrund eines Sauerstoffmangels bewusstlos geworden, der von einer Gruppe radikaler Aktivisten namens „We blue“ herbeigeführt wurde, die offenbar zu allem bereit ist, um die Pläne der Superreichen zu durchkreuzen. So sehr, dass sie ihnen einen gefährlichen „Professor“, einen Experten für Waffen und Sprengstoffe, auf die Fersen setzen.
Wie immer in einem Largo-Winch-Abenteuer folgen Täuschungen, Verrat, Überraschungen, Schießereien und Leichen in rascher Folge aufeinander. Von Südfrankreich über London und Kalifornien bis nach Indonesien, New York, Kourou oder sogar ins All – klar, dass das in Sachen CO₂-Bilanz nicht gerade ideal ist! – verfolgen wir den Ausgang dieses Abenteuers voller Wendungen, aus dem nicht alle Protagonisten unversehrt hervorgehen werden. Es geht natürlich um Geld, darum, wie man immer mehr davon verdienen kann, aber auch und vor allem um Umweltverschmutzung, die Ausbeutung von Ressourcen und moderne Sklaverei…
Die Themen sind vielleicht nicht mehr ganz dieselben wie Anfang der 90er Jahre – schließlich entwickelt sich Largo mit der Zeit weiter –, aber die tiefgründigen Inhalte sind nach wie vor dieselben. Genau wie Largo, der sich weigert, älter zu werden, ist auch die Serie letztlich kein bisschen gealtert. Der Wechsel des Drehbuchautors macht sich in den Geschichten letztlich kaum bemerkbar; zumal der Zeichner seit den Anfängen derselbe geblieben ist, was dem Ganzen eine klare grafische Kontinuität verleiht.
Als Leser ist man daher – obwohl der Handlungsbogen der Diptychen mittlerweile bekannt und anerkannt ist – immer wieder beeindruckt von der Virtuosität des Duos Francq-Giacometti, das es immer wieder schafft, uns zu verblüffen und zu begeistern.
Largo Winch – Band 24 – Le Centile d’or, von Philippe Francq und Eric Giacometti. Dupuis