Europa blickt auf uns
Ist Ministerpräsident Luc Frieden (CSV) dazu verdammt, die serbische Demokratie gegen seinen Willen zu untergraben? Alles deutet darauf hin. Die…
War die Kommunikation über die Qualmwolke aus dem Waldbrand im Hohen Venn schlecht? Das war sie. Mittlerweile räumen es auch Regierungsmitglieder ein. Umweltminister Serge Wilmes (CSV) erklärte RTL-Télé am Mittwochabend: „Et ass vläicht net alles optimal gelaf.“ Am Tag zuvor wirkte…
War die Kommunikation über die Qualmwolke aus dem Waldbrand im Hohen Venn schlecht? Das war sie. Mittlerweile räumen es auch Regierungsmitglieder ein. Umweltminister Serge Wilmes (CSV) erklärte RTL-Télé am Mittwochabend: „Et ass vläicht net alles optimal gelaf.“ Am Tag zuvor wirkte CSV-Gesundheitsministerin Martine Deprez peinlich berührt, als sie dem Radio 100,7 sagte: „Natierlech kann een ëmmer alles besser maachen.“
An die zehn parlamentarische Anfragen wurden gestellt, nicht nur aus der Opposition. Die CSV-Abgeordneten Jean-Paul Schaaf, Charel Weiler, Jeff Boonen und Émile Eicher wollen wissen, ob die Bevölkerung rechtzeitig informiert wurde, um die nötigen Vorkehrungen treffen zu können, und welche Lehren aus der Kommunikation zu ziehen sind. Meris Sehovic von den Grünen fragt, warum genauere Informationen erst am Sonntag Abend per Regierungs-Pressemitteilung herausgingen, und nicht über den LU-Alert besser informiert werden konnte. Piraten-Abgeordneter Sven Clement findet, eine SMS-Meldung über eine „possibilité d’une mauvaise odeur“ sei kaum ein Hinweis auf eine sich verschlechternde Luftqualität. Warum wurde nicht schon früher gewarnt, am Sonntag Morgen zum Beispiel?
Berechtigte Fragen. Als am Sonntag gegen 15 Uhr die erste LU-Alert-SMS verschickt wurde und von „Odeur désagréable / Possibilité d’une mauvaise odeur suite à des feux de végétation en Allemagne et Belgique“ sprach, lag auch in der Hauptstadt schon lange ein Brandgeruch in der Luft. Gegen 18 Uhr war der Himmel gelb, Nebelschleier waren in den Straßen. Doch erst zwei Stunden später meldete LU-Alert sich wieder: „Fumées: fermez les fenêtres par précaution.“ Kurz zuvor hatte die Cellule de crise der Regierung eine Pressemitteilung verschickt. Sie verfolge die Entwicklung aufmerksam, in Koordination mit Belgien. „À ce stade, aucun impact sanitaire significatif pour la population n’a été mis en évidence.“ Atemwegs-Irritationen seien aber möglich, bei Vulnerablen Atemprobleme. Vorsorglich sollte man die Fenster schließen, Lüftungsanlagen ausschalten, sich nicht dem Rauch aussetzen.
Stunden zuvor aber hatten verschiedene Gemeinden schon gewarnt. Private Wetterdienste wie Météo Réimech und Météo Boulaide auch. Und wer am Wochenende im Ausland unterwegs war, sah, dass im nahen Frankreich umfassender informiert wurde als in Luxumburg. Oder Rheinland-Pfalz: Schon am Samstag gingen immer wieder aktualisierte Warnungen der Leitstelle Trier des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe heraus, lokal angepasst von der Leitstelle. Mit einem knappen Text und einem Link zu einer Internetseite mit weiteren Informationen. So etwas bot LU-Alert erst am Sonntag Abend. Ein Nationalstaat informierte schlechter als ein deutscher Kreis.
Was wahrscheinlich daran liegt, dass Krisenkommunikation in Luxemburg nicht gut genug koordiniert ist. Und dass Warnungen schon vom Ansatz her nicht als präventive Informationen an die Menschen verstanden werden, sondern als Warnungen vor einer realen Gefahr. Also wird spät gewarnt. Wie Guy Bley, der Hochkommissar für die nationale Sicherheit, am Dienstag im Radio 100,7 sagte: Das Kommissariat (HCPN) hatte schon am Samstag Abend gewarnt. Aber nur auf seiner Internetseite, weil die Qualmentwicklung lokal beschränkt war, das CGDIS noch keine Einsätze hatte. Auch am Sonntag Morgen wurde nur per Internetseite informiert. Doch wer sucht von sich aus hcpn.gouvernement.lu auf? Vielleicht, wer vorher im Ausland gewesen war und eine Push-Nachricht der Behörden dort gesehen hatte. Aber sonst?
Und immerhin: Die Luft war schlecht. Wer bei einem Portal für Luftqualität nachschaute, wie dem World’s Air Pollution: Real-time Air Quality Index (waqi.org), stellte fest, dass am Sonntag an den Luxemburger Messpunkten (denen der Umweltverwaltung) schlechte Feinstaubwerte herrschten. Der Atmopshere Monitoring Service des Erdbeobachtungssystems Copernicus der EU stufte sie auch als „schlecht“ bis „sehr schlecht“ ein. Die Umweltverwaltung sagte am Montag, sie seien „execrabel“ gewesen. Die für die nationale Resilienz zuständigen Minister Luc Frieden und Léon Gloden sollten dringend nach dem Rechten sehen bei der Krisenkommunikation. Man wagt sich kaum vorzustellen, wie es wäre, falls in Cattenom etwas passiert.
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