Es ist Sommer, es ist heiß, viel zu heiß, und die Lust, wieder an die Arbeit zu gehen, scheint genauso groß zu sein wie die, in den Herbst und Winter zu starten. Um es ganz klar zu sagen: Ich will nicht arbeiten! Und offenbar bin ich damit nicht allein. Seit einiger Zeit und ganz besonders jetzt am Ende des Sommers liegt so etwas wie ein Hauch von Lust auf Nichtstun in der Luft. Oder besser gesagt: die Lust, nichts zu tun und am Pool zu faulenzen, einen Cocktail in der Hand, um das Spektakel des Weltuntergangs zu bewundern, der sich langsam, aber sicher ankündigt.
Gerade als wir dachten, wir würden nach all den Schwierigkeiten, die die Welt durchgemacht hat und noch immer durchmacht, einen Aufschwung erleben, scheint es, als liege dieser Trend nicht im beruflichen Bereich, sondern vielmehr in einer bewussten Muße. Sinnverlust, Verlust der Lebensfreude (die manche nie wiedergefunden haben), das Ende der Homeoffice-Arbeit, Probleme mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und der Wohnungssuche, Löhne, die nicht mit den Lebenshaltungskosten Schritt halten, oder einfach nur der Wunsch, mehr Zeit mit sich selbst zu verbringen… Noch nie gab es auf dem Arbeitsmarkt so viele Stellen, die nicht besetzt werden können. Die „große Kündigung“ (great resignation, ein Phänomen, das 2021 in den USA auftrat) bedroht das Großherzogtum weitaus stärker als den Rest Europas. Laut einer Studie von PwC zu diesem Thema vom März 2022 schätzen 25 Prozent der befragten Arbeitnehmer in Luxemburg die Wahrscheinlichkeit, in den nächsten zwölf Monaten den Arbeitsplatz zu wechseln, als hoch bis sehr hoch ein, gegenüber 20 Prozent weltweit. Anfangs glaubte man, es handele sich um ein marginales und vorübergehendes Phänomen im Zusammenhang mit dem ersten Lockdown, als manche davon träumten, Bäcker zu werden, um endlich etwas Sinnvolles zu tun. Es ist nicht bekannt, ob die angehenden Bäcker letztendlich eine neue berufliche Tätigkeit gefunden haben, doch der Trend zum Wechsel hat sich festgesetzt.
Die Hotel- und Gastronomiebranche war eine der ersten, die auf den gravierenden Personalmangel hingewiesen hat. Kellner und Köche haben sich während der erzwungenen Schließungen der Betriebe für einen Lebenswandel entschieden und weigern sich schlichtweg, ihren Beruf unter den schwierigen Bedingungen, die dieser Branche innewohnen, wieder auszuüben. Es scheint heute einfacher zu sein, dank Bitcoin Millionär zu werden oder in die Produktion von CBD oder Marihuana einzusteigen. Auf jeden Fall ist es einfacher, Tätigkeiten auszuüben, die keine Arbeit in Schichten erfordern. Diese Branche ist zwar sehr präsent, aber nicht die einzige, die derzeit unter einem akuten Fachkräftemangel leidet. Auch die IT-Branche und sogar der öffentliche Sektor sind davon betroffen. Nach einer Phase des Hinterfragens, des Zweifels und der Isolation, die durch Covid-19 ausgelöst wurde, dicht gefolgt von der Angst vor dem Krieg, den Russland in der Ukraine führt, und begleitet von einer ökologischen Katastrophe, die viel schneller voranschreitet, als wir dachten, geht es nicht mehr nur um das Gehalt. Die Menschen sehnen sich in dieser trüben Zeit nach mehr Lebensqualität, nach Anerkennung, nach Muße, nach Abschalten, danach, sich Zeit zu nehmen, nichts zu tun, nachzudenken und neue Kraft zu schöpfen.
Die Gesellschaft ist am Ende ihrer Kräfte und hat zu nichts mehr Lust. Die Frage der Arbeitszeit ist in den letzten Monaten in den Mittelpunkt der Debatte gerückt. Zunächst mit einem Vorschlag, die Arbeitswoche von fünf auf vier Tage zu verkürzen, was letztendlich jedoch nur längere Arbeitstage zur Folge hätte. In diesem Zusammenhang schlägt eine weitere erfolgreiche Petition vor, über eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von vierzig auf 35 Stunden nachzudenken, was bei den Arbeitnehmern die Befürchtung vor Lohnkürzungen und bei den Arbeitgebern die Sorge vor einem exponentiellen Arbeitskräftemangel weckt. Das Problem liegt jedoch nicht darin, da das Phänomen Länder mit verkürzter Arbeitszeit (wie beispielsweise Frankreich oder Dänemark) ebenso betrifft. Nein, letztendlich würde man es „lieber nicht tun“, ganz nach dem Vorbild von Herman Melvilles Bartleby. Man würde lieber nicht arbeiten, nicht drei Stunden im Stau verbringen, keine sinnlosen Aufgaben übernehmen, nicht akzeptieren, in Teilzeit zu arbeiten oder wieder Vollzeit ins Büro zurückzukehren, sich nicht für das aktuelle Geschehen interessieren, nicht an morgen denken und auch nicht an die kommenden Monate. Wenn man jedoch die Wahl hätte, würde man lieber die Ingwerplätzchen gegen einen Cocktail am Wasser eintauschen, um das Ende einer Welt zu betrachten…