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Bildende Kunst 4 Min. Lesezeit

Von den Wurzeln bis zur Blüte

Yashua Klos betrachtet sein Werk als Metapher für die Identität der schwarzen Amerikaner. Seine Collagen sind in der Galerie Zidoun-Bossuyt zu sehen.

Erschienen in Ausgabe Oktober 2022
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In der Ausstellung „We hold the Wildflowers“ von Yashua Klos in der Galerie Zidoun-Bossuyt ist nur eine einzige Skulptur zu sehen. Man entdeckt sie gleich zu Beginn im ersten Ausstellungsraum, doch sie ist von großer symbolischer Bedeutung. Es handelt sich um eine Holzmaske mit afrikanischen Gesichtszügen, wie sie die Surrealisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckt hatten und die sie von der europäischen figurativen Kunst und deren bis dahin herrschender Dominanz in der Kunstwelt abwandten. Natürlich darf man Picasso nicht vergessen, der mit seinen Porträts, die sowohl von vorne als auch im Profil zu sehen sind, die Normen der Darstellung sprengte.

Die „Family Altar Welding Mask“ – mit einer Feder und einer Schutzbrille, die an die Helme und Visiere der Ritter im mittelalterlichen Europa erinnern – ist der Familie von Yashua Klos gewidmet. Als schwarze Arbeiter aus dem Süden, die nach Detroit, der Hauptstadt der Automobilindustrie, gekommen waren, trugen sie zum Aufbau der nordamerikanischen Gesellschaft bei, ohne jedoch in diese integriert zu werden. Man kennt die Kämpfe der schwarzen Amerikaner für die Bürgerrechte, von Rosa Parks über Martin Luther King bis hin zu den Black Panthers, doch heute ist mehr noch als ihr Wahlrecht ihr Recht auf Leben in Gefahr, wie das tragische Ende von George Floyd gezeigt hat, der vor knapp zwei Jahren von der Polizei in Minneapolis erstickt wurde.

Nichts davon geht direkt aus dem Werk von Yashua Klos hervor, außer einer Ode an den Stolz der Schwarzen: Viele seiner Gemälde zeigen Frauen, die in Wirklichkeit seine Halbschwestern sind, die er erst seit kurzem kennt. Diese sehr große Familie ist für ihn wie ein Puzzle, das es wieder zusammenzusetzen gilt, da er von seiner weißen Mutter aufgezogen wurde, nachdem sein schwarzer Vater die Familie verlassen hatte – einen Mann, den er in seinem ganzen Leben nur zweimal gesehen hat, als Kind und als Jugendlicher. Eine traurige Geschichte! Doch hier ist Queen Cousin, die man als großzügig erahnt, so wie ihr Körper umhüllt ist, und als fröhlich, so wie ihr Lächeln. Ihr gewelltes Haar und die Blumen, die ihr Gesicht umrahmen, verleihen ihr den Anschein eines kunstvollen Rahmens aus vergangenen Zeiten, der die Porträts derer, die man liebt, einfasste und zur Geltung brachte….

Die Kunst von Yashua Klos ist alles andere als aggressiv, doch seine Arbeitsweise ähnelt der Technik der wilden Straßenplakatmaler: in Holz geschnitzt, mit Farbe überzogen und auf Papier gedruckt. Es ist eine Hommage an die städtischen Kämpfe der afroamerikanischen Bevölkerung, ebenso wie an die Ziegel und den Zement Amerikas, an dessen Aufbau sie mitgewirkt haben, ohne jemals namentlich genannt oder geehrt zu werden. Yashua Klos stellt die Maurerarbeit als Pulloverkragen und Kopfbedeckung im Porträt des Mädchens mit der Ziegel-Baskenmütze (Brick Beret) dar. Man weiß nicht, ob diese Ziegelsteine sie einengen und belasten oder ob sie von ihrem Joch befreit ist. Ist das der Grund, warum er ein sehr zartes und kostbares Papier verwendet, nämlich japanisches Reispapier?

„We hold the Wildflower“ – so lautet der Titel der Ausstellung, der zugleich der Titel eines Gemäldes ist, das zusammen mit „Your Roots Hold On To You“ Hände darstellt. Zweimal sind sie wie eine Schale angeordnet. Windenblumen ranken hinab zu den Wurzeln der Kletterpflanze und winden sich wie ein Verband um die von der Arbeit abgenutzten Fingerspitzen.

Yashua Klos erweist sich als Intarsienkünstler, Drucker, Schnitzer und Kolorist, der virtuose Collagen schafft, die wie ein Puzzle zusammengesetzt sind, um ein Bild darzustellen. „Vine Veil“, „Related to Goddess“ und das Selbstporträt „The Wind Reminded Him (That he planted This Place)“ sind Worte für jemanden, der keine andere Möglichkeit hat, sich an andere zu wenden. Das ist eine hervorragende Definition seiner Kunst.

„We hold the Wildflower“, eine Einzelausstellung von Yashua Klos, ist noch bis zum 29. Oktober in der Galerie Zidoun-Bossuyt zu sehen. 6 rue Saint-Ulric, Luxemburg-Grund

Fußnote