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Bühne 4 Min. Lesezeit

Urbane Magie

„Sahasa“ beginnt, wie jede gute Vorstellung für ein junges Publikum, mit „ Ungeduld “ – der Ungeduld einer riesigen Gruppe von Kindern, die letztendlich einen fast vollbesetzten Saal bilden, der den drei…

Erschienen in Ausgabe Juni 2023
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Drei Künstler, die das Publikum begeistern © Noah Bach

„Sahasa“ beginnt, wie jede gute Vorstellung für ein junges Publikum, mit „ Ungeduld “ – der Ungeduld einer riesigen Gruppe von Kindern, die letztendlich einen fast vollbesetzten Saal bilden, der den drei Künstlern gegenübersteht, die diese Vorstellung gestalten. Lynn Jung, Sven Fielitz und Isaiah Wilson arbeiten mit Jill Crovisier zusammen, um ihre urbanen Disziplinen neu zu interpretieren und sie in den Bereich des zeitgenössischen Tanzes zu integrieren. Ergänzt durch die Musik von Damiano Picci, das Bühnenbild von Philip Van Ees und das Lichtdesign von Nico Tremblay und Noah Fohl, ist die szenische Umsetzung von „Sahasa“ voller Schalk, Überraschungen und Rhythmus – ein absoluter Publikumserfolg.

Schwarz, dann ein Lichtstrahl, der Lynn Jung verfolgt, Einatmen, Ausatmen und ein Salto – ohne Anlauf, zack… Dem Publikum stockt der Atem, und es entweicht ein einstimmiges „ hoooo “. Sahasa legt mit diesem fulminanten Auftakt los. Entstanden aus der genialen Verbindung der künstlerisch-sportlichen Disziplinen Parkour, Freestyle-Fußball und Hip-Hop im Stil des zeitgenössischen Tanzes, strahlt „Sahasa“ diese ästhetische Alchemie aus, die durch das Talent der drei Athleten auf der Bühne geschmiedet wurde. Denn ja, die Stärke dieser neuesten Inszenierung aus der Feder von Jill Crovisier liegt eindeutig in den beeindruckenden körperlichen Fähigkeiten der drei Darsteller.

Lynn Jung ist professionelle Freerunnerin. Sie gilt als eine der führenden Sportlerinnen der Parkour-Szene und gehört zum Londoner Team „Storm Freerun“, das in dieser Disziplin Maßstäbe setzt. Sie „erobert“ die Welt, um ihrer Disziplin zu frönen und für ihre außergewöhnlichen sportlichen Leistungen einige schöne Auszeichnungen einzustreichen. Als Vorbild für viele junge Menschen macht Jill Crovisier in ihrer Show ihr Talent zu einer unerschöpflichen choreografischen Quelle.

Sven Fielitz ist Freestyle-Fußballer und Filmemacher. Er ist luxemburgischer Meister im Red Bull Street Style 2019. Neben seiner Teilnahme an mehreren internationalen Wettbewerben hat Fielitz auch an verschiedenen künstlerischen Kooperationen und zahlreichen pädagogischen Projekten mitgewirkt. Als wahrer Ballkünstler verfolgt er zudem eine Karriere als Videokünstler, die er oft mit seiner ursprünglichen Leidenschaft verbindet. Mit „Sahasa“ verdeutlicht er eindrucksvoll die künstlerische Bandbreite seiner Disziplin.

Isaiah Wilson ist professioneller Tänzer. Zunächst interessierte er sich für urbane Tanzstile, absolvierte dann eine Ausbildung in klassischem Tanz und Jazztanz und schloss schließlich sein Studium im Fach Zeitgenössischer Tanz an der Codarts University of the Arts in Rotterdam ab. Er tritt für zahlreiche Choreografen auf und nutzt zudem den Freiraum, um sich der videografischen und musikalischen Gestaltung zu widmen. Nachdem er bereits mit Jill Crovisier bei ihrer Produktion „JINJEON“ zusammengearbeitet hat, ist es nur logisch, dass er sich nun in „Sahasa“ mit großer Virtuosität entfaltet.

Unter der Leitung von Jill Crovisier – einer international anerkannten Choreografin, die als nationaler Stolz gilt und keiner Vorstellung mehr bedarf – zeigt das Trio aus Darstellern mit so unterschiedlichen Fähigkeiten eine außergewöhnliche Harmonie. Die Show ist bereits seit einiger Zeit auf Tournee, und dies scheint die starken Bindungen gefestigt zu haben, die als Fundament für Brücken zwischen sportlichen und künstlerischen Praktiken dienen. Hier verbinden sich zwei körperliche Welten, die durch recht festgelegte Techniken geprägt sind. In diesem Sinne taucht Crovisier in eine ästhetische Suche ein, die diese Codes miteinander verbinden kann, vor dem Hintergrund der Idee einer Vorstellung für ein junges Publikum, die somit spielerisch, fröhlich, zärtlich und beschwingt ist. Unter diesem Blickwinkel entstehen neue choreografische Konzepte. Linien, die man von der Choreografin bisher nicht kannte; sie verankert zwar nach wie vor die Skulpturalität der Körper auf der Bühne, gibt sich hier jedoch einem perfekten Beispiel für das Paar „Beherrschung und Freiheit“ hin. Natürlich wird „Sahasa“, wie der Name schon sagt, zu einer Ode an Kühnheit, Mut und Tapferkeit. All diese Qualitäten werden im Saal mit überraschten Ausrufen und in glorreichen Momenten spontanen Beifalls belohnt – ein Zeichen für den Erfolg dieses Stücks.

Bereits 2016 hatte Jill Crovisier das junge Publikum mit „Matka“ – einer Inszenierung zwischen Tanz und Zirkus, die die Themen Reise, Freundschaft und Heranwachsen miteinander verband – aufgerüttelt. „Sahasa“ knüpft an diesen choreografischen Anspruch an, unterschiedliche Formen des körperlichen Ausdrucks miteinander zu verbinden, um die ästhetischen Ebenen und Deutungsmöglichkeiten einer getanzten Geschichte zu vervielfachen, die sicherlich viele junge Menschen auf ihrem Lebensweg inspirieren wird. Indem Sahasa auf das „Beeindruckende“ setzt und einen unvergleichlichen Sinn für das Spektakuläre einsetzt, ist es schlichtweg ein Musterbeispiel für eine Aufführung für junges Publikum.