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Bildende Kunst 4 Min. Lesezeit

Chimären

Vielschichtige Werke, perfekte Ausführung. Siro Cugusi und sein Universum in der Galerie Valerius. Eine Premiere in Luxemburg

Erschienen in Ausgabe März 2025
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In der vorangegangenen Ausstellung in der Valerius Gallery war von Siro Cugusi eine Vase zu sehen, die an holländisches Porzellan erinnerte, mit einem üppigen Blumenstrauß vor rosa Hintergrund. Klassizismus, ein zentriertes Objekt und eine Technik „à l’ancienne“, in einem Potpourri, das ganz den Blumen gewidmet war. Sein Gemälde zog die Blicke auf sich inmitten von Werken, die größtenteils einen deutlich zeitgenössischeren Ausdruck hatten, seien sie nun figurativ oder abstrakt.

Fasziniert von dem Thema und der Kunst des Malers nahmen Lou Philipps und Gérard Valerius Kontakt zu Siro Cugusi auf, und im Gegensatz zu vielen Ausstellungen, die lange im Voraus geplant werden müssen, stimmte der auf Sardinien lebende Maler (er wurde 1980 dort geboren und studierte an der Accademia di Belle Arti in Sassani auf Sizilien) sofort zu. Hier ist also seine erste Einzelausstellung in Luxemburg: All things great, small, invisible.

Das Erste, was auffällt, ist die Größe der meisten Gemälde. Es handelt sich um große, um nicht zu sagen sehr große Ölgemälde auf Leinwand (bis zu 194,5 x 269 cm), wenn man die Motive bedenkt: Schmetterling, Pilz, Margerite. Dieses Gemälde gehört zu den großen Werken und ist das jüngste (2022–2024), während die anderen aus den Jahren 2021–2022 stammen. Hier ist vom Fertigstellungsdatum die Rede, da die Entstehung einiger Werke zwischen zwei und fünf Jahren gedauert hat.

Aber kommen wir zurück zu den Motiven der Gemälde. Wir haben diesen Artikel „Chimären“ betitelt, nicht in Anlehnung an die unheilvollen Tiere, die die Alten so nannten, sondern im Sinne des noch nicht enthüllten Wissens, dessen Hüterin die Göttin Athene war. Um dies zu verstehen, musste man einen Sinn für Strategie entwickeln. Das ist auch notwendig, um die Malerei von Siro Cugusi zu verstehen.

Oder genauer gesagt: in das Wissen der Kunstgeschichte einzutauchen, deren Titel „All things great, small, invisible“ gewissermaßen das Rätsel ist, das es zu lösen gilt. Zunächst einmal ist da der Garten. Er bildet den Rahmen, in dem sich die Szenen der Gemälde abspielen. Er ist akribisch ausgeführt und bildet den Hintergrund. Es handelt sich um eine ganz persönliche Interpretation, doch er erinnert uns an die Randverzierungen, die üblicherweise im Vordergrund der Renaissance-Gemälde zu finden sind, mit ihren Gräsern, ihren kleinen Blüten und ihren winzigen Erdbeeren, die eine so feine Umrandung bilden… In diesem wunderbaren Garten finden sich zudem Elemente, die üblicherweise dekorativ sind: Pilze, Schmetterlinge, die dort Teil von Stillleben sind. Man könnte sagen, dass Siso Cugasi hier ein sehr reales Porträt davon zeichnet. Und doch ist es eine imaginäre Welt.

Unweigerlich – auch wenn wir zu Beginn des Artikels noch nicht darauf eingehen wollten – kommen wir nun auf die Eule zu sprechen, die in allen großen Gemälden zu sehen ist und der übrigens eine besondere Rolle zukommt: Sie wird als einziges Motiv auf einem Gemälde dargestellt, das über die gesamte Ausstellung zu wachen scheint. Die Eule: ein mythisches Tier, dessen Eigenschaften sowohl böse als auch gut sein können. Wir wollen hier jedoch nur die der Weisheit und des Wissens hervorheben. Und dann gibt es in den Kompositionen von Siro Cugusi Objekte, deren Rätsel man nur schwer zu entschlüsseln vermag: Sie haben die rosafarbene Hautfarbe des Menschen. Sind es Vulven, Brüste? Wir nähern uns der „meta“-physischen Symbolik des Malers.

Man mag zwar Hieronymus Bosch, Piero della Francesca, die metafysische Malerei eines Giorgio De Chirico oder den Surrealismus eines Magritte anführen – doch hier befinden wir uns im Universum von Siro Cugusi, „wo alle Dinge groß, klein und unsichtbar sind“. Seine jüngsten Werke berühren uns daher ganz besonders. Denn im Gegensatz zur spektakulären und unweigerlich anziehenden, verführerischen Seite seiner früheren Werke stellen drei mittelgroße Bilder „nichts“ dar, sondern Landschaften, die die kommende Welt vorwegnehmen. Als würde der Maler mit den schönen ästhetischen Vorbildern brechen. Da ist ein hohler Baumstamm, aus dem ein dürrer Trieb hervorwächst, der aufgewühlte Ozean, Zeichnungen, die zu Seezeichen geworden sind – und das alles nicht mehr in warmen, sondern in grünlichen, fast kalten Farbtönen.

Siro Cugusi ist jedoch zweifellos ein „Spross“ der großen italienischen Malerei: Das Gemälde ist nicht groß (50 x 40 cm) und erinnert an eine jener winzigen Landschaften, die man im Hintergrund der großen Kompositionen der klassischen italienischen Malerei sieht, seien es nun kirchliche oder weltliche Werke. Dort, wo der Maler, abseits des Auftragsthemas, sein ganzes persönliches Talent zum Ausdruck brachte, dazu mit einem technisch sehr ausgefeilten Sfumato, das den Eindruck eines Schleiers zwischen Licht und Schatten vermittelt. Darauf lässt sich hier in der Darstellung des Himmels und der Wolken verweisen, die dessen Helligkeit verdunkeln.

Doch Siro Cugusi ist ein zeitgenössischer Maler, denn diese „kleine“ Landschaft ist das eigentliche Motiv seines Gemäldes. Felsen und Wüstenboden, leidende Zypressen und Olivenbäume. Ein bedrohlicher Himmel… Die Geschichte geht weiter, zumindest die, die wir uns vorstellen: eine gequälte Landschaft, wie der von Pfeilen durchbohrte Heilige Sebastian. Wir befinden uns in unserer Zeit.