Gerade war es so kuschelig in meinem Bläschen, Weihnachtsfriede war, ob mit oder ohne Weihnachten total egal. Pyjama Pantoffeln Klassik die letzten Kekse das gute Buch, wann wenn nicht jetzt? Die Tageszeitungen abbestellt, in meinem Bläschen hat man so was noch, liest man so was noch, liest man noch. Aber jetzt doch nicht. Nicht jetzt. Nicht das. Detox bitte. Trumputin hat Hausverbot.
Im Bläschen ist es ruhig, meine Peer-Gruppe wird ja auch immer ruhiger, schöne Landschaften, schöne Himmel, Weihnachtsbäumchen in diversen Outfits, und natürlich Hund Katze Weihnachtsmenu. In Gaza regnet es. Sogar von der Ukraine gönnen wir uns Fronturlaub, nur ein paar Wackere kämpfen weiter. So könnte es ewig weitergehen. Ohne alles. Das gute Buch hat tausend Seiten.
Und dann stirbt BB. Ja, denkt man, also denke ich, schon wieder eine. Sonst denke ich nicht viel. Außer dass sie so unglaublich flott war. Wer ist die Schönste im ganzen Land? Auf der ganzen damals so weißen Welt? Selbst das Universum hätte BB Barbarella zu Füßen gelegen, sie verschmähte es. Dieser neue Typ Schönheit, so gesund und perfekt, diese Frauen mit Muskeln Zähnen Mähnen, wie man einst sagte, als das Animalische im Menschen noch nicht tabu war. Animalisch und aseptisch zugleich. Sie hätte ein Kunstobjekt sein können in ihrer klinischen Perfektion. Zugleich verwirrend lebendig. Ein ganz neuer Typ nach den Busenterroristinnen Loren und Lollobrigida, den von den Vollblutweibern traumatisierten Teenagern brachte zwar erst Twiggy die Erlösung.
BB strahlte von allen Covern, ihr Poster hing in Soldatenspinden, Bubenbuden und den Fahrkabinen der Fernfahrer. Das strahlte sie aus, gute Laune! Sie war die neue Zeit. Unkompliziert, nicht pathetisch, kindlich frivol. Eine glatte, abwaschbare Oberfläche. Die Colour-Oberfläche der neuen Zeit.
Universal-Wachspuppe wie Duras schrieb, und zugleich die, die tut was sie will, wie Beauvoir sie sah? Von ungezähmtem Leben schreibt Die Zeit und von der Ikone selbstbewusster Weiblichkeit. Warum interessierte mich dann aber als Heranwachsende diese Ikone, wie es jetzt chronisch heißt, damals hieß es Sexbombe, so wenig? Warum habe ich kaum Filme mit ihr gesehen? Weil sie noch zu der Zeit gehörte, aus der uns gerade die Beatles lautstark retteten? Der Zeit von Schmollmündern, Petticoats, der Zeit in der die Frauen Kurven hatten, bzw. zu haben hatten, in der Laszivität und sg. Unschuld sich unappetitlich mischten. Das heute kaum noch erträgliche Amalgam von Kindweib und Femme fatale. Staunend lese ich, dass Brigitte Bardot eine Feministin gewesen wäre.
Feministin! Faschistin! Alte Faschistin! Auf Oma-Facebook ist die Hölle los. Weihnachtslove and -peace ade, es ist wie in den besten Zeiten! Wie in den schlimmsten Zeiten. Von Corona und Gaza oder der Jetztzeit, in der Putinfreaks und Aufrüstungsbefürworter/innen aufeinander eindreschen. In der kleinen luxemburgischen Blase fliegen die Fetzen. Rechte. Rassistin. Lieber Tiere als Menschen. Lieber Machos als Me too. Ein Künstler bemängelt ihre Eignung als Wichsvorlage. Eine Künstlerin schickt eine Antifaschistin zum Psychoanalytiker. Es wird feurig geliked und gehated, sowohl Anhänger/innen der Pro-BB-Front als auch von der Anti-BB-Front verbieten einander die Kommentarfunktion unter ihren Posts. Nur noch Liken ist gestattet.
Warum? Warum ist es so schwierig, das Einfache hinzunehmen? Dass das, was in vielen vorgeht, Nostalgie ist. Nur Nostalgie. Ein Reflex. Es ist wie Weihnachten oder Woodstock, Tränen fließen, sie wurden nicht bestellt. Es geht um einen Schwall von Erinnerungen. Es geht nicht um Bewertung. Um Jüngstes Gericht. Es geht nicht darum, ob sie ein toller Mensch war, ein leuchtendes Vorbild, ob sie eine monströse Mutter war oder schon die freie Frau. Nicht um das, was sie in dem langen, langen Leben nach ihrer Filmkarriere war, tat oder nicht tat. Nicht einmal darum ob sie eine tolle Schauspielerin war, vermutlich war sie das nicht. Es geht um das Bild. Es geht nur um das Bild. Es geht um unsere Jugend oder Kindheit. Es geht um Andenken und Gedenken. An etwas. An jemand.
Vor allem an den oder die, die das postet.