In einem Koffer in einem slowenischen Wald wird die Leiche der vermissten jungen sogenannten Beauty-Influencerin gefunden, überführt als Mörder wird ihr Ex-Freund. In einer Straße in Wien sticht ein aus Afghanistan stammender Mann mit einem Messer auf seine fünfzehnjährige Tochter ein und verletzt sie lebensgefährlich. Weil sie hatte einen Freund. In einem Auto in Wien wird die Polizei aufmerksam auf eine Sechsjährige, die mit dem SOS-Handzeichen Gefahr signalisiert: Im Auto ein mit Messern bewaffneter Iraker und „seine“ verängstigte Familie. Geschehen im November 2025 in Österreich, in Medien und im öffentlichen Raum läuft gerade die UN-Kampagne „16 Tage Gewalt gegen Frauen“.
Das drastisch-barbarische Wort „Frauenmord“ war unmissverständlich. Aber seit einiger Zeit ist der abstrakt-lateinische und nach Insektenvertilgungsmitteln riechende Ausdruck „Femizid“ der gebräuchliche Begriff für das Umbringen von Frauen mit Fokus auf häusliche oder partnerschaftliche Gewalt und patriarchalen Besitzanspruch. Frauen, die umgebracht werden, nur weil sie ihr Leben leben wollen. Weil sie sich das Menschenrecht nehmen, leben oder auch nur überleben zu wollen. Femizid hat dieses Jahr in Österreich bisher 17 Frauen das Leben gekostet. Gern wird diese patriarchale Gewalt romantisch fürsorglich verbrämt: Er wollte ja nur ihr Bestes! Er war ja so verzweifelt! Er war nur für die Familie da! Die herrschende Kronen Zeitung bringt auf der Titelseite ein Liebespärchen unterm Weihnachtsbaum, es handelt sich um Mörder und Ermordete: Er hat sie ja so geliebt!
Einst warnte mich meine Wiener Schwiegermutter vor den bösen Männern, die „draußen“ jungen Frauen auflauern würden. Dass das Monster nicht in U-Bahnschächten oder finsteren Winkeln kauern würde, sondern viel eher als Familienvater getarnt hinter dem Suppenteller thronen oder im ehernen Bett schnarchen würde, war noch nicht Thema. Die Suppe war versalzen! las ich damals zum Tatmotiv eines Frauenmörders, Verständnis für die Bluttat troff aus den Zeilen. Er konnte ja nicht anders! Und schließlich hatte er seine Frau umgebracht. Eigentlich eher eine pädagogische Maßnahme, natürlich etwas überzogen. Hätte sie es nicht so weit getrieben! Dass Der Feind in meinem Bett eine sehr viel größere Bedrohung sein könnte als der Mann unterm Bett war dann schon das Thema des Films, in dem Julia Roberts es 1991 schaffte sich von ihrem häuslichen Gewaltverbrecher zu befreien.
Manch eine hat gar gelacht! Ausgelacht, das war ihr Aus! Und willst du weg, dann bist du weg! Trennungswusch als Todesurteil. Der von Weib verlassene Mann ist der von allen guten Geistern verlassene Mann: es brach ihm das Herz! Er hat es nicht verkraftet!
Beliebt ist das Thema besonders dann, wenn ein Migrant der Killer ist, die Standarte der Frauenrechte hochhaltend suhlt sich die Rechte in ihrer rechtschaffenen Empörung. Was haben wir uns da ins Land geholt! Dass eine ganz andere Tätergruppe für hohe Opferzahlen sorgt, geht dabei diskret unter. Die alten, kranken Frauen, meist pflegebedürftig, die von ihren ebenso alten Männern umgebracht werden. Von ihren alten, grauen Männern mit regionalem Hintergrund. Nebenbei, zwischendurch, immer wieder mal. Schon wieder. Mit Vorliebe erschossen. Er war ja so erschossen! So verzweifelt! So von der Pflege überfordert!
Das ist eine Grauzone, das ist eine Grauenzone, so genau wollen wir es gar nicht wissen, was da war mit diesem Kissen. Auf ihrem Gesicht. Sie atmet dann nicht. Mehr. Er steht daneben und ist ziemlich daneben. Er hat es nicht geschafft, sich auch noch. Nicht auch das noch. Das war dann doch Zuviel. Einer zu viel.
Erweiterter Suizid heißt es meistens, wenn der Täter sich ebenfalls tötet. Noch euphemistischer klingt das englische mercy killing oder der suicide-pact. Einen Beleg dafür gibt es meistens nicht, wollte die Frau wirklich erschossen werden? Aber wer will schon die unattraktiven Hintergründe dieser beinahe epidemisch auftretenden Taten, dieser Serientaten, aufklären, wofür, für wen? Schwamm drüber, Grabplatte drüber. Kann Mann ja schließlich verstehen!