Verschachert

d'Lëtzebuerger Land du 02.01.2026

Die Woche begann mit einem schwarzen Montag für die CSV-Kommunalpolitik: In den Gemeinden Bech und Wiltz gingen zwei Bürgermeistermandate verloren. Die Noch-Bürgermeisterin der Majorzgemeinde Bech, Jill Goeres, begründete ihren vollständigen Rückzug aus der Kommunalpolitik überraschend mit einem Umzug von Bech „ins Ösling“, wie das Wort berichtete. Anfang Dezember war es zum Eklat gekommen, nachdem fünf Gemeinderäte gegen den Haushaltsentwurf gestimmt hatten und ein Misstrauensvotum forderten. Die Mehrheit hatte sich hin zur Opposition verlagert, weil Ratsmitglied Emile Bohnenberger sich ihr mit der Begründung angeschlossen hatte, der Schöffenrat kommuniziere nicht transparent und kooperativ. Goeres hat hingegen ihre eigene Lesart der Gemeindekonflikte: Die „wahre Hintergrund“ sei, dass Bohnenberger selber auf dem Bürgermeisterstuhl sitzen wolle, urteilt sie in einem Presseschreiben. Eine Anschuldigung, die Bohnenberger und das Ratsmitglied Max Pesch gegenüber dem Land zurückweisen. Seit einem Jahr ist Goeres Mitglied der CSV und war potenzieller Partei-Nachwuchs.

In Wiltz kündigten DP und LSAP Mitte November gemeinsam an, die CSV-DP-Koalition ablösen zu wollen – offiziell wegen mangelnder Informationen zu einem geplanten Großprojekt. DP-Schöffe Amel Cosic (mittlerweile aus der DP ausgetreten), sagte laut RTL jedoch, die zwei DP-Ratsmitglieder würden vor allem wegen DP-internen Spannungen gegen das Budget opponieren. In der Folge wurde der Haushalt mit den Stimmen der LSAP verworfen und ein Misstrauensvotum gegen CSV-Bürgermeisterin Carole Weigel eingereicht. An diesem Montag wurde der Schöffenrat schließlich abgewählt und die Koalition gekippt. Weigel wird dem Gemeinderat jedoch weiterhin angehören. Neuer Bürgermeister wird nun Patrick Comes, der mit der CSV in die Wahlen ging, Zweitgewählter wurde und sich später der LSAP anschloss.

Die Rückschläge der CSV in der Gemeindepolitik beschränken sich allerdings nicht auf Bech und Wiltz. In Contern konnte sich die CSV trotz eines Stimmenanteils von 44 Prozent bei den Wahlen 2023 nicht an der Macht halten. Intrigen und interne Zerwürfnisse zerrütteten die CSV-LSAP-Koalition. Höhepunkt der Spannungen bildeten im Sommer Schlagzeilen um eine Mobbing-Affäre: Zwei Gemeindebeamte – ein Vorarbeiter und ein Verwaltungsangestellter – erstatteten Anzeige gegen die CSV-Bürgermeisterin Marion Zovilé-Braquet. In erster Instanz freigesprochen, in der Berufung jedoch verurteilt, wollte sie vor den Kassationsgerichtshof ziehen. Die LSAP lehnte dies ab, um weitere Verfahrenskosten zu vermeiden, die sich bereits auf 423 000 Euro beliefen. Am 8. Oktober warf Zovilé-Braquet schließlich das Handtuch. Dali Zhu (DP) leitet nun in einer Dreierkoalition mit der LSAP und déi Gréng die Geschicke der Gemeinde. Die CSV liegt auf kommunaler Ebene noch immer vorn, doch der Abstand zu Rot schließt sich. Auch die DP holt auf und regiert nun in der Heimatgemeinde von CSV-Premier Luc Frieden. Die DP-Spitze dreht mittlerweile Kurzvideos mit dem 37-jährigen Gastro-Unternehmer Dali Zhu. Sie dürfte in ihm einen aussichtsreichen Kandidaten für die nächsten Nationalwahlen sehen.

Stéphanie Majerus
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