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Umwelt 5 Min. Lesezeit

Benu Sapin

Die Verbindung von Ökologie, Ökonomie und Sozialem wird im Ökosystem Benu Village Tag für Tag gelebt.

Erschienen in Ausgabe Dezember 2022
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Die Prinzipien der Regionalverpflegung haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. So sehr, dass es heute kaum noch einen großen Einzelhandelskonzern gibt, der nicht behauptet, sich für das „Wohl des Planeten“ einzusetzen. Formulierungen, die wir schon ein wenig leid sind, jeden Tag zu hören – immer mehr ihrer Bedeutung beraubt und durch kommerzielle Instrumentalisierung zu Slogans verkommen. Sind wir Zeugen einer Vereinnahmung der Ökologie für neoliberale Zwecke? Oder einer großen grünen Revolution, zu der alle Wirtschaftssektoren beitragen wollen? Wie lässt sich in diesem Dschungel aus Wörtern, die wie Schlagworte oder Hashtags klingen, ein aufrichtiges, echtes und einheitliches ökologisches Engagement von leeren rhetorischen Floskeln unterscheiden?

Bei Benu Village (ausgesprochen „be new“) beginnt alles mit der Festlegung eines ethischen Rahmens, einer Charta, die als Leitfaden für „soziale Verantwortung“, „ökologischer Exzellenz“, „lokaler Produktion“ und „Transparenz“. Dies ist ein erster Schritt, um die Kluft zwischen Worten und der Realität des Handelns zu verringern. Nur diejenigen, die diese Charta teilen, haben das Recht, diesen Namen zu führen. Dies ermöglicht den Aufbau und die Identifizierung eines Netzwerks von unterzeichnenden Partnern wie beispielsweise Benu Couture, Benu Reuse oder Benu Sloow…

Der Verein „Benu Village“ mit Sitz in Esch-sur-Alzette, im Stadtteil Grenze, ist die Trägereinrichtung dieser verschiedenen Initiativen. Der Verein wurde 2017 von Georges Kieffer gegründet, der auch dessen Leiter ist, und vermietet seine Räumlichkeiten an lokale Geschäfte, Vereine und Start-ups, die seine Werte teilen. Der Mann, der ein Wirtschaftsstudium mit Schwerpunkt Ökologie absolviert hat, spricht lieber von „einer innovativen Initiative im Bereich der sozioökologischen Kreislaufwirtschaft“. Seit dreißig Jahren beklagt er die Abschottung der verschiedenen Sektoren, prangert deren interne Widersprüche an („&die Pappbecher, die man uns am Ende einer Konferenz über Ökologie serviert “), und über die in der Politik ergriffenen Halbheiten ironisiert – all dies unter Missachtung der Klimakrise und des Allgemeinwohls. Doch genau an dieser Gesamtperspektive mangelt es seiner Meinung nach der heutigen Welt. Georges Kieffer denkt in großen Zusammenhängen und spricht von „globaler Wirtschaft und Ökologie“. Denn, so stellt er fest, „man neigt allzu oft dazu, die Ökologie von ihren sozialen Aspekten zu trennen. Es gibt große Organisationen, die beispielsweise im sozialen Bereich Wunder vollbringen, aber einen negativen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Ebenso gibt es durchaus sinnvolle ökologische Initiativen, denen jedoch jegliches Verständnis für Zusammenhalt, Integration und Inklusion fehlt.“ Auf der „Notwendigkeit, Wirtschaft, Ökologie und Soziales zusammenzuführen“ beruht der Aufbau des Ökodorfes in Esch, das derzeit 32 Mitarbeiter umfasst, davon 23 in Vollzeit. Eine beachtliche Zahl für ein Pionierprojekt, da es sich um das erste Ökodorf handelt, das in der Großregion entstanden ist. Sogar das großherzogliche Paar hielt es für angebracht, den Ort zu besuchen. Das war im Jahr 2019, und Georges Kieffer hatte zu diesem Anlass einen ungewöhnlichen Anzug getragen, der vom Modehaus Benu Couture geflickt worden war. Zwei Welten trafen aufeinander.

Inzwischen haben sich rund um das Ökodorf fünf Berufsfelder herausgebildet. In der Nähe der Rue d’Audun fällt das Gebäude mit seinen Wänden, die mit bunten Abfällen und kompostierbaren Materialien verkleidet sind, sofort ins Auge. Ein wahres architektonisches Meisterwerk. Dort befindet sich die Boutique von Benu Couture, ein inklusives Designatelier auf höchstem Niveau. Als Gegenpol zur Mode, die den Kreislauf von Produktion und Konsum unaufhörlich wieder in Gang setzt, folgen die Designer dem Prinzip des Upcyclings, bei dem ein bereits vorhandenes Kleidungsstück, das von einer Privatperson zur Verfügung gestellt wird, individuell umgestaltet wird. Die hauptsächlich aus Baumwolle oder Seide gefertigten Stücke haben eine lebenslange Garantie und werden in der Boutique zum Verkauf angeboten; synthetische Materialien sind dort aus Gründen der Nachhaltigkeit verbannt. Und um das Nützliche mit dem Sozialen zu verbinden, fördern die geschaffenen Arbeitsplätze die berufliche Eingliederung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen.

Was die Gastronomie betrifft, steht eine Zusammenarbeit mit einem Spitzenkoch kurz vor dem Abschluss. Im „Benu Sloow“ (mit zwei „o“ für Slow Food und „organic 0 waste“) wird kein Gericht im Voraus zubereitet, wodurch Verschwendung ausgeschlossen ist. Dort wird es eine „offene Küche“ geben, die ausschließlich auf Bio- und vegane Produkte setzt, um den CO₂-Fußabdruck zu minimieren. Die Rezepte basieren auf „Rescued Food“, also Bio-Lebensmitteln, die vom Handel abgelehnt wurden, obwohl sie den EU-Normen entsprechen und von unbestreitbarer Qualität sind. In den meisten Fällen resultiert diese Ablehnung aus Nachfrageschwankungen oder dem ästhetischen Erscheinungsbild der Ware: „zu krumm, zu klein“, erklärt Georges Kieffer. Ein weiteres laufendes Projekt, für das der luxemburgische Unternehmer Rolf Bau als Partner im Gespräch ist: der Bau von Wohnhäusern, die dem Ökodorf, das noch über keine Unterkünfte verfügt, Gestalt verleihen sollen. Die Häuser werden zu 80 Prozent aus wiederverwerteten Materialien wie Erde, Pflanzen oder Warenresten errichtet und vollständig mit organischem Dünger gedämmt. Eine weitere Initiative, die ebenfalls kurz vor dem Start steht: „Benu Forme“, ein Projekt zur Möbelwiederverwertung. Dabei werden Möbel zerlegt, zersägt und Materialien wiederverwertet, um daraus neue, von Designern entworfene Möbel zu schaffen. Eng verbunden mit dieser Aktivität kümmert sich „Benu Reuse“ darum, Möbel, Elektrogeräte oder Geschirr zu sammeln, um deren Aussehen aufzufrischen oder sie zu reparieren. Der Verkaufspreis richtet sich nach der Anzahl der Stunden, die für die Aufarbeitung der Stücke aufgewendet wurden. Schließlich zielt „Benu Métamorphose“ auf die vollständige Neugestaltung des Dorfes ab. Aus einem Lebensraum soll ein Kunstwerk entstehen: eine Umgestaltung, die von Künstlern durchgeführt wird, die ihr Wissen und ihre Fähigkeiten an die Freiwilligen weitergeben. Pech für Georges Kieffer: Sein Projekt wurde nicht in das Programm von Esch 2022, der Kulturhauptstadt Europas, aufgenommen. Das kann er immer noch nicht verkraften. Was ihn jedoch nicht daran hindert, anderweitig Unterstützung von der Gemeinde sowie Fördermittel vom Wirtschafts- und vom Umweltministerium zu erhalten. Ist das Recycling von Abfallprodukten, die wieder in den sozialen und kommerziellen Kreislauf zurückgeführt werden, also eine ökologische Revolution oder liberale Wiederverwertung?