Die Regierung, die sich sehr für Technologie begeistert, hat 125 Millionen Euro bereitgestellt, um die drei Phasen des groß angelegten Testprogramms zu finanzieren. Doch während es nun darum geht, die Vorbehalte der Ungeimpften zu verstehen und Strategien zur gesellschaftlichen Mobilisierung zu entwickeln, scheint das Gesundheitsministerium ratlos zu sein. Auf die Frage des Landes, ob soziologische Studien in Vorbereitung seien, antwortet das Gesundheitsministerium sehr vage: Man arbeite daran und werde „zu gegebener Zeit“ darüber informieren. Bis dahin beziehen sich die einzigen veröffentlichten Statistiken auf die Impfquote nach Altersgruppen. Sie ist bei den Zwanzigjährigen besonders gering (59 Prozent), steigt bei den Dreißigjährigen auf 65 Prozent, bei den Vierzigjährigen auf 75 Prozent und bei den Fünfzigjährigen auf 80 Prozent.
Dabei führen das Statec und die Universität Luxemburg bereits seit mehreren Monaten jeweils eigene Studien durch, um das Profil der Ungeimpften besser zu erfassen. Zwischen Mai und Juni befragte das Statec 961 Einwohner, die repräsentativ für die luxemburgische Bevölkerung sind. Auf die Frage „Sind Sie bereit, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen?“ gaben 4,9 Prozent der Befragten an, unentschlossen zu sein, 5,3 Prozent antworteten mit „stimme nicht zu“ und 7,4 Prozent mit „stimme überhaupt nicht zu“. Unter diesen Letzteren sind also die eingefleischten Impfgegner zu suchen. Die vom Statec (im Rahmen seines Programms „Trustlab“) erhobenen Daten lassen ein erstes – wenn auch grobes – Phantombild erkennen: eine Frau mit geringer Schulbildung und geringem Einkommen. Allerdings finden sich die „strongly disagree“-Befragten auch in einem Teil der Mittelschicht: Unter denjenigen, die ein bis drei Jahre an der Universität verbracht haben, sowie unter Selbstständigen und Unternehmern liegt ihr Anteil bei zehn Prozent. (In der höchsten Einkommensklasse sinkt ihr Anteil auf vier Prozent, während der Anteil der „strongly agree“-Befragten auf 79 Prozent steigt.) Der signifikanteste Unterschied besteht nach wie vor beim Geschlecht : Während sich 75,6 Prozent der Männer „stark für“ die Idee einer Impfung aussprechen, liegt dieser Anteil bei den Frauen nur noch bei 66 Prozent.
Diese Ergebnisse wurden durch eine Studie der Uni.lu bestätigt, die regelmäßig (über TNS-Ilres) die Einstellung von 628 Einwohnern zum Thema Impfung ermittelt. Vor vier Monaten gaben 14,5 Prozent der Teilnehmer an, nicht die Absicht zu haben, sich impfen zu lassen. Diese Gruppe ist wesentlich größer als die der Impfgegner, da sie auch Impfzögerer, Impfverweigerer und Abwartende umfasst. Der Studie zufolge sind junge, unverheiratete Frauen in dieser Gruppe deutlich überrepräsentiert. Aber auch die politische Einstellung spielt eine Rolle: „ In Luxemburg steigt der Anteil der Befragten, die nicht vorhaben, sich impfen zu lassen, vom linken zum rechten Ende des politischen Spektrums an, wobei der Wert bei denjenigen, die sich selbst als rechts einordnen, doppelt so hoch ist wie bei denjenigen, die sich als links bezeichnen “.
Der Widerstand der Impfverweigerer könnte sich letztendlich als weitaus geringer erweisen als erwartet. In den Vereinigten Staaten gaben 72 Prozent der Ungeimpften an, dass sie lieber ihren Arbeitsplatz aufgeben würden, als sich impfen zu lassen. Die Realität hat diese Ankündigung widerlegt. Bei American Airlines weigerten sich nur 232 von 67.000 Mitarbeitern, der Impfpflicht nachzukommen. Die Ankündigung des Covid-Checks, der am Arbeitsplatz freiwillig, im Gastgewerbe jedoch verpflichtend ist, zeigt bereits Wirkung. Der bereits seit letzter Woche zu beobachtende Trend zu steigenden Impfzahlen scheint sich zu bestätigen, schreibt das Gesundheitsministerium: „Im Durchschnitt verzeichnen wir einen Anstieg von etwa 1.500 Impfungen pro Tag.“