Die am Mittwoch vom Kulturministerium im Centre des Arts Pluriels in Ettelbruck organisierte Kulturkonferenz hat einen neuen Reflexionszyklus rund um die Zugänglichkeit und die Rolle der Kunst in unserer Gesellschaft eingeleitet. Dieser ganztägige Veranstaltungstag war weder als klassisches Kolloquium noch als formelle Feier der Kulturpolitik gedacht, sondern vielmehr als Gelegenheit, die erklärten Absichten und die zu verändernden Realitäten miteinander zu konfrontieren – zwischen den verfügbaren Daten und den manchmal unsichtbar gebliebenen Lebenserfahrungen. Im Hintergrund stellen sich derzeit mehrere Fragen: Wem gehört die Kultur? Wie kann man sicherstellen, dass sie sich an alle richtet? Hören wir uns in den Kulturkreisen vor dem Hintergrund sozialer und politischer Spannungen auf internationaler, aber mittlerweile auch auf nationaler Ebene wirklich gegenseitig zu? Wissen wir, an wen sich die Vielzahl der künstlerischen Werke oder der Kulturszenen heute in Luxemburg richtet?
Man muss die Praktiken verstehen und die Klüfte aufzeigen. Die Vorstellung einer neuen Umfrage zu den kulturellen Praktiken in Luxemburg gab den Ton an. Die letzten nationalen Umfragen stammten aus den Jahren 1999 und 2009 – das ist sozusagen eine andere Welt. Zwanzig Jahre später hat sich die kulturelle Realität des Landes gewandelt: Die Überalterung der Bevölkerung, eine problematische demografische Entwicklung, die Diversifizierung der soziodemografischen Profile, Migrationsströme, die zunehmende Prekarisierung bestimmter sozialer Schichten, die Armut junger Menschen und ihre psychische Notlage erfordern dringend eine grundlegende Neugestaltung der öffentlichen Politik.
Die ersten Ergebnisse der Umfrage sind sowohl aufschlussreich als auch besorgniserregend. So sind etwa 18 Prozent der Befragten, vor allem Luxemburger mit geringem Einkommen, der Ansicht, dass Kultur in ihrem Leben keine nennenswerte Rolle spielt. Diese Distanzierung ist bei Ausländern weniger ausgeprägt, insbesondere bei Personen mit Hochschulabschluss – zweifellos bei den Expats –, die im Gegenteil eine starke Verbundenheit mit kulturellen Aktivitäten zeigen.
Eine Kluft, die eine nach wie vor bestehende, tiefgreifende und symbolische gesellschaftliche Spaltung verdeutlicht. Der Zugang zur Kultur ist also nicht nur eine Frage der Infrastruktur und des Angebots, die zwar immer zahlreicher werden (vielleicht sogar zu zahlreich, aber das ist ein anderes Thema). Der Zugang ist in erster Linie eine Frage der Wahrnehmung, des Gefühls der Legitimität, des Images und zweifellos auch der Weitergabe. Kulturelle Praktiken stehen oft in Zusammenhang mit dem Einkommensniveau, aber auch mit dem Bildungsstand und vor allem mit der sozialen Herkunft. Wenn Kultur als geschlossener oder überkodierter Raum wahrgenommen wird, kann dies ein Gefühl tiefer Ausgrenzung hervorrufen oder verstärken. Daher das „Unter-sich-Sein“.
Das Kulturministerium hat sich unter anderem vom „Frühling des ländlichen Raums“ in Frankreich inspirieren lassen, um seinen Ansatz neu zu überdenken. Damit diese Maßnahme jedoch nicht nur eine reine Formsache bleibt, muss die Untersuchung zu einer ehrgeizigen Politik führen, die den aktuellen Besonderheiten Rechnung trägt. Dies setzt auch voraus, dass diese Untersuchung mit anderen aktuellen Daten in Verbindung gebracht wird, wie beispielsweise der Studie über Lesegewohnheiten aus dem letzten Jahr, Um zu verstehen, wo Veränderungen ansetzen müssen, bedarf es eines detaillierten und bereichsübergreifenden Ansatzes zur Erfassung der kulturellen Nutzungspraxis im ganzen Land, da es in der Tat erhebliche Unterschiede gibt, insbesondere zwischen den Regionen.
Der Beitrag von Ameer Shaheed, Berater der Weltgesundheitsorganisation, hat eine Debatte angestoßen, die heute von entscheidender Bedeutung zu sein scheint: Künstlerisches Engagement ist auch ein Faktor der öffentlichen Gesundheit. Kunst und Kultur können zum Wohlbefinden, zur Resilienz sowie zur Prävention psychischer, aber auch und vor allem sozialer Probleme beitragen. Zu einer gewissen Form des Friedens. „Das Engagement in der Kunst ist ein gesundheitsförderndes Verhalten“, schloss er und zitierte dabei Dr. Jill Sonke von der Universität Florida, die in diesem Sinne den therapeutischen und sozialen Wert des kreativen Schaffens bekräftigt. Diese Aussage darf jedoch keinesfalls die Komplexität des Themas der Zugänglichkeit verschleiern. Kunst ist kein Allheilmittel. Sie löst nicht alle Probleme. Manchmal kann sie sogar Schwachstellen verschlimmern, wenn ihr Einsatz instrumentalisiert wird, wie bestimmte dokumentierte negative Auswirkungen gezeigt haben (insbesondere der Werther-Effekt oder der propagandistische Einsatz von Ästhetik in autoritären Regimes).
Shaheed betonte, wie wichtig es sei, die sozialen Determinanten der Gesundheit in ihrem Zusammenhang mit der Kultur zu verstehen, und dies setze einen interdisziplinären Ansatz voraus, bei dem die Gesundheitspolitik die emotionale, sensorische und imaginäre Dimension des menschlichen Daseins anerkenne. So entwickelt die WHO entsprechende Instrumente oder Pilotpartnerschaften, insbesondere in Finnland oder Madrid, wo beispielsweise Kunsthochschulen mit Krankenhäusern oder Seniorenheimen zusammenarbeiten. Ich denke hier an die „École des Arts Politiques“ von Bruno Latour und Frédérique Aït Touati, aus der zahlreiche interdisziplinäre Überlegungen hervorgegangen sind, die Wissenschaft, Gesundheitswesen, Design, Architektur, Politik und Kunst miteinander verbinden.
Am Mittwoch brachten mehrere Fragen aus dem Publikum die Grauzonen ans Licht: Wie steht es um die psychische Gesundheit der Künstler? Burn-outs in Pflegeberufen und kreativen Berufen? Welche Unterstützungsmaßnahmen gibt es? „Diese Fragen, die oft ignoriert werden, verdienen es ebenfalls, sorgfältig behandelt zu werden“, antwortete Shaheed. Denn auch wenn Künstler*innen oder Kulturschaffende im Allgemeinen dazu aufgerufen sind, zum Wohlbefinden der Gesellschaft beizutragen, müssen sie doch selbst geschützt, anerkannt und begleitet werden – und sei es nur von denjenigen, die die Institutionen leiten. Das Thema Governance wurde auf dieser Tagung zwar nicht angesprochen, bleibt aber auch in diesem Zusammenhang offen und aktuell.
Die Antworten von Ameer Shaheed fielen insgesamt recht differenziert aus: Es gibt zwar Ressourcen, doch diese sind noch zu fragmentiert. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ministerien wird zwar nachdrücklich gefördert, ist aber schwer umzusetzen, möglicherweise aufgrund politischer Zeitpläne. Man arbeitet daran, insbesondere die WHO; man möchte politische Dokumente verfassen, doch man muss zugeben, dass es an einer systemischen Strategie auf europäischer Ebene mangelt – an einem klareren Rahmen für die Anerkennung dieser Herausforderungen in der Ausbildung, der Forschung, aber auch im öffentlichen Handeln.
Während der Kaffeepause tauschten sich die gut hundert versammelten Teilnehmer – überwiegend Kulturschaffende – über den Widerstand gegen die von der Regierung vorgeschlagene Rentenreform aus, die in der Branche nach Aussagen der Anwesenden auf erheblichen Widerstand stößt. Anschließend kehrte die Tagung zum Thema Barrierefreiheit zurück, wobei eine Vielzahl von Initiativen nacheinander vorgestellt wurde. Unter diesen in Luxemburg entwickelten Projekten ist insbesondere „Mat Iech“ hervorzuheben, ein von der Tänzerin und Choreografin Elisabeth Schilling vorgestelltes Projekt, das Tanz und sensorische Inklusion verbindet und sich gezielt an junge Menschen richtet, deren Zugang zur Kultur beispielsweise aufgrund ihres Status als Antragsteller auf internationalen Schutz oder als Menschen ohne Papiere eingeschränkt ist. Schilling hat einige Projekte in diesem Sinne mit der wertvollen Unterstützung der Eme-Stiftung realisiert.
Ein weiteres hervorzuhebendes Projekt: „bewusste Führungen“ im Kontext der Queer-Thematik, angeboten von Sandy Artuso, einer Künstlerin und Aktivistin, sowie von Enrica Pianaro, einer Forscherin im Bereich der feministischen Soziologie und der Gender Studies. Schließlich stellte die Architektin Tatiana Fabeck die architektonische Umgestaltung des Schlosses von Koerich zu einem multifunktionalen Kulturzentrum vor; Réjane Nennig präsentierte die geradezu vorbildliche Arbeit der Stadt Differdange. Und zum Abschluss zeichnete Marie-Paule Jungblut die Bemühungen im Bereich der Aufwertung des volkstümlichen Kulturerbes nach. Diese Projekte werden eher von einer militanten Energie getragen und zeigen, dass Barrierefreiheit kein abstraktes Konzept ist, sondern eine ganz konkrete und alltägliche Praxis. Schade, dass die Aneinanderreihung der Beiträge ohne echten Austausch zwischen den Podiumsteilnehmern die kollektive Tragweite der Diskussion eingeschränkt hat. Jeder sprach von seiner eigenen Insel aus. Gleiches galt für die Fragen aus dem Publikum, mit einer Ausnahme: Diese kam von einem Mann, einem englischsprachigen Künstler im Rollstuhl. Sein Name ist Benny J. Er leidet an einer seltenen Krankheit, dem Nagel-Patella-Syndrom. Er wandte sich an die Versammlung, um konkrete und unmittelbare Barrierefreiheit für Künstler wie ihn zu erörtern. Er wies zudem darauf hin, dass er die einzige Person mit sichtbarer Behinderung war, die an der Tagung teilnahm. Die Antworten sowie die hier vorgestellten Vorschläge kamen sowohl vom Ministerium als auch von anderen Einrichtungen, unter anderem von der Stadt Luxemburg.
Es sind eben die Antworten und damit der Austausch, die Brücken zwischen den Praktiken schlagen. Gerade die Reibungspunkte zwischen den Erfahrungen ermöglichen es, reproduzierbare Modelle sowie gemeinsam nutzbare Instrumente zu entwickeln. Daher sieht das Nachmittagsprogramm ebenso viele Workshops zu verschiedenen Themen rund um die thematische Konstellation vor: Inklusion und Barrierefreiheit, Gesundheit, Wissensvermittlung und Bildung. Die Idee ist, Herausforderungen und Probleme aus der Praxis, aber auch Punkte, die besondere Aufmerksamkeit erfordern, zu thematisieren. Marie-Paule Greisch wird anmerken, dass sie dies als erstes Treffen betrachtet und dass es zweifellos weiterer Treffen bedürfen wird, um eine praktische Umsetzung zu erreichen.
„Der politische Wille ist vorhanden“, wird Minister Éric Thill zum Abschluss des Vormittags betonen. Aus einem Gespräch mit ihm und Nadine Erpelding, Expertin und Leiterin des Referats für Inklusion im Kulturministerium, geht hervor, dass die Grundlagen für einen Aktionsplan zur Barrierefreiheit im Kulturbereich bis Ende 2026 konkretisiert werden sollen. Dieser Plan muss alle Dimensionen der kulturellen Ausgrenzung abdecken: kurz gesagt, Behinderung, Sprachbarrieren, soziale Ungleichheiten, administrative Unsicherheiten und geografische Entfernung.
Sowohl der Minister als auch Nadine Erpelding haben eingeräumt, dass die Kommunikation nach wie vor sowohl eine Schwachstelle als auch ein wichtiger Punkt ist. Die Art und Weise, wie die Programme angekündigt, übersetzt, verständlich gemacht oder zugänglich gestaltet werden, bestimmt deren Resonanz. Es besteht Bedarf an einer digitalen Plattform, aber auch an einem gedruckten Programmheft mit klaren Angaben, beispielsweise zu den Dauer der Vorstellungen, damit die Adapto-Nutzer wissen, wann und wie sie nach Hause zurückkehren können. Der Minister macht keinen Hehl daraus, dass es klar definierte Meilensteine, aber auch konkrete Verpflichtungen sowie die entsprechenden Mittel erfordern wird. Der Erfolg eines solchen Vorhabens wird auch von der interministeriellen Zusammenarbeit abhängen, insbesondere mit den Ministerien für Bildung, Gesundheit und Familie. Nadine Erpelding strebt eine echte Einbindung der betroffenen Zielgruppen an, insbesondere von Jugendlichen, älteren Menschen, sogenannten benachteiligten Bevölkerungsgruppen, Menschen mit Behinderungen, aber auch von Künstlern, Vermittlern und Lehrkräften, um nur einige zu nennen. Jeder sollte sich angesprochen fühlen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es einer kollektiven Verantwortung und einer Anpassung an die geltenden Standards bedarf. Kultur ist ein Recht und kein Privileg. Damit dieses Recht jedoch wirksam wird, muss der Zugang dazu grundlegend überdacht werden. Die „Assises culturelles 2025“ haben einen Raum für Austausch und Reflexion geschaffen, erste Weichen gestellt und vielleicht auch Ressourcen identifiziert.
Sie haben aber auch das Ausmaß der Aufgabe deutlich gemacht: Es reicht nicht aus, Probleme zu diagnostizieren, man muss auch Veränderungen herbeiführen. Das setzt Zuhören, bereichsübergreifendes Handeln und zwangsläufig politischen Mut voraus. Es setzt auch voraus, anzuerkennen, dass Künstler, Verwaltungsfachleute, Vermittler, Fachkräfte im Gesundheitswesen oder Pädagogen keine Dienstleister sind, sondern Verbündete in einem Prozess der kulturellen Demokratisierung. Und dass all diese Berufe eigenständig existieren und entsprechend berücksichtigt werden müssen. „Es geht beispielsweise nicht darum, einem Künstler mehrere Rollen zuzuweisen, wenn dieser nicht als Vermittler oder Pädagoge ausgebildet wurde. Aber es ist natürlich wichtig, das Publikum in seinen Bedürfnissen und seiner Vielfalt klarer zu identifizieren und zu berücksichtigen. Die Kultur muss in ihrer Gesamtheit den gesellschaftlichen Realitäten entsprechen“, analysiert die transdisziplinäre belgisch-luxemburgische Performancekünstlerin und Bühnenbildnerin Clio van Aerde. Da sind wir uns einig.