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Europäische und internationale Politik 4 Min. Lesezeit

Genug!

Netanjahu ist vielleicht kein Antisemit, aber er ist sicherlich der schlimmste Feind der Juden. Während es Hitler durch sein Verbrechen und wider Willen „gelungen“ ist, die Gründung des Staates Israel zu ermöglichen…

Erschienen in Ausgabe Mai 2025
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Netanjahu ist vielleicht kein Antisemit, aber er ist sicherlich der schlimmste Feind der Juden. Während es Hitler durch sein Verbrechen und wider Willen „gelungen“ ist, die Gründung des Staates Israel zu ermöglichen, arbeitet Netanjahu derzeit daran, dieses Land verschwinden zu lassen. Das wäre eine Katastrophe. Während Hitler einer säkularisierten und zum großen Teil assimilierten Diaspora – wenn auch gegen seinen Willen – ihr Judentum zurückgegeben hat, untergräbt Netanjahu die jüdischen Werte, die aus der Tora stammen. Und wenn ich heute bereits in den ersten Zeilen meines Beitrags auf den Godwin-Punkt zurückgreife (der besagt, dass jede Diskussion früher oder später in Richtung Nationalsozialismus ausartet), dann deshalb, weil Bibis Handlanger selbst der Versuchung erlegen sind, den Gegner als Nazi zu bezeichnen. Indem sie der Hamas vorwarfen, die Methoden des Dritten Reiches anzuwenden, haben einige Minister der israelischen Regierung Holocaustleugnung betrieben und damit das Grauen und die Einzigartigkeit der Shoah banalisiert.
Ein weiteres Wort wird heute banalisiert und seiner Besonderheit beraubt: das Wort „Völkermord“. Die Ermordung von mehr als 50.000 Bewohnern des Gazastreifens durch die israelische Armee (Tsahal), darunter überwiegend Zivilisten und Kinder, die bis in ihre Schulen und Krankenhäuser verfolgt wurden, stellt zweifellos Kriegsverbrechen oder sogar ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, doch das macht daraus noch keinen Völkermord. Die Opfer in Gaza werden nicht ausgelöscht, weil sie geboren wurden – wie es bei den Juden unter Hitler oder den Armeniern unter den Türken der Fall war –, sondern weil sie dort leben. Weil sie in einem Gebiet leben, in dem die Hamas herrscht – einem kleinen Fleckchen Erde, aus dem Netanjahu eine jüdische Siedlung und Trump eine Riviera machen will. Und weil sie auch die Folge einer Sippenhaft sind, einer Clan-Verantwortung, die ihren Namen nicht aussprechen will, außer im Mund eines Ben-Gvir oder eines Smotrich, krimineller rechtsextremer israelischer Minister eines Premierministers, der nicht weniger kriminell ist.
Um sich an der Regierung zu halten und nicht ins Gefängnis zu kommen, hat dieser in der Hamas einen objektiven Verbündeten in seiner absoluten Ablehnung des Friedens gefunden. Um seine eigene Haut zu retten, opfert er die Geiseln und sein Volk. Gleichzeitig opfert er die Rechtsstaatlichkeit, indem er diskriminierende Gesetze gegen die arabische Minderheit verabschiedet und Urteile der dritten Gewalt ignoriert. Das Monopol auf das Mitgefühl, das sich das jüdische Volk nach dem Holocaust in den europäischen und nordamerikanischen Kanzleien erworben hat, wechselt gerade die Seiten, und die Westmächte, unerschütterliche Verbündete Israels, sehen kaum noch eine andere Lösung, als Sanktionen gegen ihren Schützling zu verhängen und sogar – einschließlich der Deutschen – ein Waffenembargo in Betracht zu ziehen. Denn es ist wahr, dass das israelische Volk Bibi weiterhin an der Macht hält und den (berechtigten) Hass auf die Hamas teilt, die es jedoch mit dem gesamten palästinensischen Volk gleichsetzt. Die Terrororganisation wird so zu einer Metonymie, die für das Ganze steht. Jüdische Gewissen erheben jedoch (endlich!) ihre Stimme gegen das doppelte Massaker Netanjahus. Sie haben endlich begriffen, dass das Überleben ihrer Werte mit dem des palästinensischen Volkes verbunden ist. Denn in diesem Land, das einst als heilig galt, bringen sich zwei Brüder semitischer Herkunft gegenseitig um, ein wenig wie Polynikes und Eteokles, die beiden Söhne des Ödipus. Wird es noch eine Antigone geben, die sie begräbt? Und um mit ihnen die Idee zweier Nationen in einem Land zu begraben, in dem es traurig wäre, wenn es keine mehr gäbe.
Also, meine Schwestern und Brüder, die ihr zwischen Jordan und Mittelmeer lebt, vertreibt lieber euren Ministerpräsidenten als eure Nachbarn, damit sich die Verse von Hiba Abu Nada, der im vergangenen Jahr ermordeten palästinensischen Dichterin, nicht bewahrheiten: „ Und wenn eines Tages, o Licht / Alle Galaxien / Des ganzen Universums / Keinen Platz mehr für uns hätten. “ Und möge die jüdische Diaspora, wenn sie sich abends zur Ruhe begibt, nicht in der Nostalgie ihres Dichters Heinrich Heine versinken: Denk ich an Judäa in der Nacht / bin ich um den Schlaf gebracht.