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Europäische und internationale Politik 6 Min. Lesezeit

Umweltschutz – eine neue Herausforderung für Italien

Italien hinkt bei mehreren Umweltzielen hinterher: Insbesondere reicht die Anzahl der gepflanzten Bäume nicht aus, um die Ziele der EU-Strategie zur biologischen Vielfalt zu erreichen

Erschienen in Ausgabe November 2023
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Zwar hat sich der Waldbestand Italiens in den letzten Jahren vergrößert und umfasst nun mehr als elf Millionen Hektar, was fast 37 Prozent der Landesfläche entspricht, doch reichen die gepflanzten Bäume bislang nicht aus, um die EU-Ziele zu erreichen. Und trotz der Pflanzung von mehr als 2,8 Millionen Bäumen zwischen 2022 und Anfang 2023 verfehlt Italien auch das im PNRR festgelegte Ziel, dem Nationalen Plan für Wiederaufbau und Resilienz (PNRR), einem strategischen Plan zur Modernisierung und Verbesserung der italienischen Wirtschaft. Dieser sah vor, bis 2024 6,6 Millionen Bäume zu pflanzen. Bislang hat Italien letztlich nur etwas mehr als ein Drittel der geplanten Bäume gepflanzt.

Die städtischen Grünflächen entwickeln sich nicht wie erhofft, und es gibt durchschnittlich 24 Bäume pro hundert Einwohner, was 53,7 Quadratmetern Grünfläche pro Person entspricht. Die Daten stammen von Legambiente, einem gemeinnützigen Verein, der sich aus Bürgern zusammensetzt, die sich für den Umweltschutz einsetzen; die 105 Städte des Landes untersucht hat. Cremona, Modena und Triest heben sich hingegen mit einer überdurchschnittlichen Anzahl von etwa hundert Bäumen pro hundert Einwohner hervor, was einem Baum pro Person entspricht. Zehn der untersuchten Städte sollen nur fünf Bäume oder weniger pro hundert Einwohner aufweisen.

Italien weist daher derzeit Defizite bei der effektiven Entwicklung der Forstwirtschaft auf und schafft es nicht, Grünflächen ausreichend nachhaltig und umweltfreundlich zu bewirtschaften. Dabei handelt es sich um einen besonders wichtigen Aspekt im Kampf gegen die Klimakrise.

Wälder in städtischen Gebieten und im Umland spielen eine entscheidende Rolle bei der Regeneration der Städte und der Verbesserung der öffentlichen Gesundheit. Tatsächlich könnte ein Hektar Wald durchschnittlich 8,5 kg PM10 pro Jahr binden. Diese Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 10 µm sind lungengängig und können gesundheitsschädliche Auswirkungen haben. Ihre Reduzierung wirkt sich daher eindeutig positiv auf unser Wohlbefinden aus. Darüber hinaus könnte ein Hektar Wald jährlich 36 kg Ozon binden. Die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) schätzt, dass eine Vergrößerung der städtischen Grünflächen um zehn Prozent dazu beitragen könnte, das Auftreten von Gesundheitsproblemen um fünf Jahre hinauszuzögern.

Zudem trägt das Pflanzen von Bäumen zur Verbesserung unserer Lebensqualität bei: Grünflächen sorgen für Abkühlung in den Städten und machen Hitzewellen erträglicher, sie fördern die Wasserversorgung und können Umgebungslärm um bis zu 70 Prozent reduzieren. Grünflächen erfüllen zudem eine soziale und ästhetische Funktion: Wer freut sich nicht über die Aussicht, in der Nähe eines Parks zu wohnen? Bäume sind also nicht nur gut für unsere körperliche, sondern auch für unsere psychische Gesundheit. Außerdem schaffen sie einen Rückzugsort für die Tierwelt im städtischen Umfeld, was die Artenvielfalt fördert.

Die Überschwemmungen, die vor zwei Wochen die Toskana heimgesucht haben, werfen auch die Frage auf, welchen Nutzen Bäume und Vegetation bei der Vermeidung von Katastrophen dieses Ausmaßes haben. Die Folgen der Überschwemmungen waren verheerend: In mehreren Stadtteilen der Gemeinden Campi Bisenzio und Prato liegt noch immer Schlamm, und neben den acht Todesopfern sind 30.000 Familien und Unternehmen betroffen. Die wirtschaftlichen Schäden für die Toskana sind enorm. Eine der Ursachen für diese Überschwemmungen soll die Anfälligkeit des Bodens gewesen sein, der nicht mehr in der Lage ist, das Wasser zurückzuhalten, das in großen Mengen und zu schnell hereinströmt. Verschiedene Flüsse und Bäche sind über die Ufer getreten, darunter der Bisenzio und der Marina. Eine Erhöhung der Baumbestände in der Stadt verbessert die Durchlässigkeit der Böden und trägt somit dazu bei, das Hochwasserrisiko zu verringern. Zudem sollten begrünte Flächen und Streifen vorgesehen werden, die den Wasserabfluss verlangsamen, bevor das Wasser in die Kanalisation oder Entwässerungsnetze gelangt, in denen eine übermäßige Wasseransammlung wiederum zu Überschwemmungen führt.

Die Schaffung von Grünflächen durch das Pflanzen von Bäumen ist daher wichtig und sinnvoll. Und auch wenn Italien im vergangenen Juli den ersten nationalen Holzcluster ins Leben gerufen hat, ist das Land dennoch noch weit davon entfernt, seine eigenen Ziele und die des europäischen Green Deal zu erreichen. Dieser Cluster hat insbesondere zum Ziel, Kooperationsinitiativen und Synergien zwischen der Forstwirtschaft und der holzverarbeitenden Industrie zu fördern sowie forstwirtschaftliche Erzeugnisse auf der Grundlage der Prinzipien der Qualitätszertifizierung, Nachhaltigkeit und Rückverfolgbarkeit aufzuwerten. Darüber hinaus scheint auch Ziel 11 der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung noch in weiter Ferne zu liegen und schwer zu erreichen zu sein.

Auch bei der Aufwertung der Lieferketten und der Produktion „Made in Italy“ sowie bei der Prävention von Waldbränden, deren Zahl stetig zunimmt, hinkt Italien hinterher. Zwar wüten in den heißesten Monaten in ganz Europa Waldbrände, doch sind es vor allem die Mittelmeerländer – Spanien, Griechenland, Italien, Portugal und die Türkei –, die am stärksten darunter leiden. Statistiken des Vereins Legambiente zeigen, dass von Januar bis Ende Juli 2023 in Italien 51.386 Hektar – das entspricht 73.408 Fußballfeldern – in Flammen aufgegangen sind. Legambiente betont zudem, dass es sich überwiegend um Brände handelt, die von Brandstiftern verursacht wurden. Dies erfordert neben den notwendigen ökologischen Maßnahmen auch eine Verstärkung der Ermittlungsmaßnahmen und strengere Vorschriften mit härteren Strafen.

Italien steht somit vor zahlreichen Herausforderungen. Um diese zu bewältigen und die vielen Ziele anzugehen, die das Land bislang verfehlt hat, hat sich Legambiente gemeinsam mit Experten, politischen Vertretern und Unternehmen mit diesen verschiedenen Problemstellungen auseinandergesetzt. Die Diskussionen fanden am 31. Oktober in Rom im Rahmen der sechsten Ausgabe des nationalen Forums „Die Bioökonomie der Wälder. Erhalten, wiederaufbauen, regenerieren“ statt.

Legambiente richtet zudem einen Appell an die Regierung und die Institutionen und hebt dabei die fünf vorrangigen Maßnahmen hervor, bei denen es unerlässlich ist, das Tempo zu beschleunigen: die Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz der Wälder vor dem Klimawandel, die Förderung der Bildung regionaler Cluster zur Stärkung des „Made in Italy“, die Fertigstellung der PNRR-Projekte zur Begrünung städtischer Gebiete, die Förderung eines nationalen Baumpflanzplans und schließlich die vollständige Umsetzung des Gesetzes 10/2013. Dieses sieht unter anderem vor, dass alle Gemeinden mit mehr als 15.000 Einwohnern über ein Baumregister verfügen und dass für jedes in diesen Gemeinden geborene oder adoptierte Kind ein neuer Baum gepflanzt wird. Die Gemeindeverwaltungen müssen zudem am Ende ihrer Amtszeit eine „grüne Bilanz“ erstellen, aus der die Auswirkungen der Verwaltung auf die öffentlichen Grünflächen hervorgehen, insbesondere die Anzahl der gepflanzten und gefällten Bäume sowie die Größe und der Zustand der Grünflächen.

Es ist sicherlich weder das erste noch das letzte Mal, dass die Umweltorganisation versucht, der Regierung Aktionspläne vorzuschlagen. Laut Stefano Ciafani, dem Vorsitzenden von Legambiente, ist Italien „das Land des Windes und der Sonne, scheint aber nicht an deren Potenzial zu glauben.“ Ein Beispiel, das dies verdeutlicht: Es dauert sechs Jahre, bis eine Anlage zur Erzeugung erneuerbarer Energien im Land genehmigt wird, während der europäische Durchschnitt bei zwei Jahren liegt. Italien hat sicherlich noch einen langen Weg vor sich, was seine ökologische Umstellung angeht, um so das Potenzial seiner unzähligen natürlichen Ressourcen voll auszuschöpfen.