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Stil 3 Min. Lesezeit

Pickelpflaster

Pop. Life !

Erschienen in Ausgabe September 2025
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Beim ersten Mal ist man neugierig: Was ist das denn für ein Ding im Gesicht dieser jungen Frau im Bus, im Supermarkt, auf der Straße? Diese kleinen bunten Sterne, Herzen und stolz zur Schau gestellten Hello-Kitty-Motive sind Pimple Patches, also Hydrokolloid-Pflaster, die manchmal mit Salicylsäure oder verschiedenen Pflanzenextrakten angereichert sind, die die Wirkung des Pflasters verbessern sollen. Bekannt gemacht durch Influencerinnen wie Emma Chamberlain (fünfzehn Millionen Follower auf Instagram), Kendall Jenner oder Kim Kardashian und ihrer Tochter North West (*2013) zu Beginn des Jahrzehnts populär gemacht, haben diese Pflaster vor allem einen hygienischen Vorteil – sie schützen Pickel vor Bakterien, die von ungeduldigen Fingern stammen, die an der Hautentzündung herumfummeln. Darüber hinaus sind sie symbolisch interessant, weil sie Aufschluss über Schönheitsideale und das Selbstbild der Generationen Z (geboren zwischen 1997 und 2012) und Alpha (geboren nach 2010) geben. Sie sagen: Ich bin ein Teenager, ich habe Pickel – na und?! Johnny Hallyday sang bereits 1979: „Was ist mit meinem Gesicht? Was ist denn mit meinem Gesicht?“

Es wäre jedoch ein wenig naiv, das Zeigen dieser Jugendakne lediglich als Akt der Auflehnung gegen die Schönheitsideale der Erwachsenenwelt zu betrachten. Es handelt sich natürlich um eine gigantische Industrie – die der Produkte für Jugendliche, ja sogar für Kinder –, die sich munter der sozialen Netzwerke bedient. Der Hashtag #getreadywithme (oder #grwm) generiert auf TikTok sofort 3,2 Millionen Beiträge: Mädchen, oft noch im Vorpubertätsalter, machen sich vor der Kamera fertig, sitzen dabei vor Bergen von Kosmetikprodukten und inspirieren so ihre Altersgenossinnen – dazu, all diese Produkte ebenfalls zu kaufen. Der Kosmetikmarkt boomt, und zwar für immer jüngere Altersgruppen. Allein der Markt für Hautpatches, der 2022 weltweit einen Wert von einer halben Milliarde Dollar erreicht hat, dürfte sich laut Prognosen einer Fachwebsite bis 2033 fast verdoppeln. Pflaster gibt es schon ab wenigen Euro pro Zehnerpack; sogar sehr seriöse Zeitungen wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (vom 14. August) veröffentlichen Vergleichstests, von den harmlosesten bis zu den wirksamsten mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis, und warnen dabei vor allergieauslösenden Substanzen bestimmter Marken. Man muss das Pflaster mindestens acht Stunden am Stück auf der Haut lassen und es dann wechseln, daher braucht man einen Vorrat davon. Der bekannteste Beitrag zu diesem Thema, in dem die junge North West zusammen mit ihrer Mutter vor dem Schlafengehen Anti-Pickel-Pflaster aufklebt, wird tatsächlich von Starface gesponsert, der führenden Marke in den USA.

Im Zeitalter des Mar-a-Lago-Looks des Trump-Clans – markante Wangenknochen, mandelförmige Augen, markantes Kinn und orangefarbener Teint, das Ganze für rund 90.000 Dollar an Operationen plus Pflegekosten – und dem Trend der „Tradwives“ à la Turning Point USA, perfekt gestylte Hausfrauen, könnte man in diesen stolz zur Schau gestellten Hautunreinheiten einen subversiven Aufstand sehen, so gesund wie Pamela Andersons „No-Make-up“-Look, Version 2025. Gleichzeitig, da die Wechseljahre und alle damit einhergehenden Symptome endlich aus dem gesellschaftlichen Tabu herausgetreten sind, könnte man die Selbstbehauptung der Hautunreinheiten in der Pubertät auch als eine neue Form des Feminismus interpretieren. Als ob sich das interessante Alter der Frau plötzlich über den Zeitraum vor und nach ihrer Fruchtbarkeit hinaus ausweiten würde – ganz zum Missfallen der neuen katholischen Konservativen, die die Frau eben auf ihre Fähigkeit, Leben zu schenken, reduzieren.

Aber vielleicht ist das alles auch nur eine Überinterpretation kleiner, bunter und fröhlicher Pflaster, deren Verwendung von der Kosmetikindustrie vorgegeben wird und die nur so lange Bestand haben werden, bis der nächste Trend kommt.