Seltsamerweise eingeklemmt zwischen Halloween und dem Black Friday – sozusagen zwischen Pest und Cholera – ist der November immer wieder Anlass, sich zu fragen, was wir eigentlich auf diesem Planeten tun. Wenn ihr weder Anhänger dieser Glukose- und Zitronensäurebomben in Form von bunten Süßigkeiten für lärmende Kinder mit Totenköpfen und Masken mit Hakennasen seid, noch so sehr vom Konsumrausch vergiftet sind, dass Sie Ihre Weihnachtsgeschenke schon einen Monat im Voraus besorgen, gehören Sie zu jener Bevölkerungsgruppe, die es ohne Weiteres akzeptieren würde, direkt vom Oktober in den Dezember zu springen. Das würde übrigens auch die mühsame Tortur des Beaujolais Nouveau ersparen, ebenso wie das trübe Wetter, dessen Refrain Ihnen jeden Morgen wiederholte, dass Sie mit „gro a naass“ rechnen können.
Als ob das noch nicht genug wäre, haben die Marketing-Genies den Movember erfunden. Und Marketing ist wie die Grippe – nur ohne Impfstoff. Man kann zwar immer versuchen, ihm auszuweichen, aber irgendwann wird man doch mit dem Virus konfrontiert. So wurden wir alle zu Anhängern von Metalltrinkflaschen, obwohl wir die Spillschoul schon vor mehreren Jahrzehnten verlassen haben. Ebenso hat jeder von uns, ohne es zu merken, so viele Tragetaschen angesammelt, dass sie nicht einmal mehr alle in eine große Tragetasche passen. Zugegeben, die meisten Männer über vierzig werden dem Labubus-Wahn entgehen, was ein weiterer Beweis dafür ist, dass sich zwischen dem Aufschwung der künstlichen Intelligenz und dem Niedergang der menschlichen Intelligenz die Kurven bald kreuzen dürften. Doch es scheint immer wahrscheinlicher, dass all diese Männer über vierzig nach und nach ihre Unterstützung für die edle Sache hinter diesem Movember zeigen werden: die Sensibilisierung für Männerkrankheiten.
Wenn ich das Konzept richtig verstanden habe (vielleicht aber auch nicht), geht es darum, sich einen Schnurrbart wachsen zu lassen, um Solidarität zu zeigen – auch wenn man dabei einen Look in Kauf nimmt, der nicht jedem steht. Während Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane oft beim Frauenarzt thematisiert werden, fehlen Männern die Möglichkeiten, sich zu informieren, und erst recht, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen durchführen zu lassen. Einen Schnurrbart zu tragen wäre also das Pendant zu der kleinen rosa Schleife, die Frauen im Oktober am Revers ihres Kragens tragen. Nur haariger und vor allem ausgefallener. Stil : Es gibt kein Tabu – wenn ich bereit bin, mir einen Schnurrbart wachsen zu lassen, bin ich auch bereit, über den rektalen Tasttest oder die Untersuchung des Hodensacks zu sprechen. Das ist zweifellos der letzte Schliff, der diesem November noch gefehlt hat: mit dem Kassierer an der Tankstelle oder den Arbeitskollegen über Hoden- oder Prostatakrebs zu sprechen.
Wenn man an berühmte Männer mit Schnurrbart zurückdenkt – abgesehen von Chaplin und Einstein –, muss ich zugeben, dass ich eher gezögert hätte, mit ihnen überhaupt ein Gespräch zu beginnen. Von Adolf Hitler über Franco bis hin zu Stalin, Saddam Hussein oder Marschall Pétain – keiner von ihnen hat wirklich das Profil eines Mannes, dem man unbedingt intime Dinge anvertrauen oder gar Fragen zur psychischen Gesundheit ansprechen möchte, da dieses Thema ebenfalls zu den Themen gehört, die im Rahmen des Movember behandelt werden.
Kurz gesagt: Die Haare sind natürlich nur ein Vorwand – Sie können sich genauso gut für eine CHL-Konferenz am 26. November anmelden, zum Beispiel. Oder einfach fragen, ob Sie sich beim nächsten Arztbesuch nicht einer kleinen Untersuchung unterziehen sollten. Und vor allem, wenn Ihnen Zahlen mehr sagen als Herausforderungen, die man in den sozialen Netzwerken teilt, hier ein paar überhaupt nicht lustige Fakten: Hodenkrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern im Alter zwischen 15 und 35 Jahren. Weltweit begehen jede Stunde 60 Männer Selbstmord. Die Lebenserwartung in Luxemburg liegt für Frauen nach wie vor um 3,3 Jahre höher als für Männer.
Und schließlich noch eine kleine Erinnerung für alle, die ihre Körperbehaarung wirklich zur Schau stellen wollen: Man muss sich schon jetzt vorbereiten, um am 4. Dezember – dem Tag der Heiligen Barbara – bereit zu sein.
Fußnote