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Stil 4 Min. Lesezeit

Die Leute zum Lachen bringen

Im Obergeschoss des „Croque Bedaine“, einer Bar im Luxemburger Stadtteil Limpertsberg, haben eine Handvoll Gäste den Blick auf den Fernseher geheftet, auf dem sich die Spieler von Paris Saint-Germain für ein…

Erschienen in Ausgabe März 2025
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Im Obergeschoss des „Croque Bedaine“, einer Bar im Luxemburger Stadtteil Limpertsberg, haben eine Handvoll Gäste den Blick auf den Fernseher geheftet, auf dem sich die Spieler von Paris Saint-Germain für ein Champions-League-Spiel aufwärmen. Im Keller bereitet sich hingegen ein ganz anderes Team vor: Zehn Amateur-Comedians feuern sich gegenseitig vor der monatlichen Show von „La Grande Duchesse of Comedy“ an, einem Comedy-Club, der 2022 von Aïda Sghiri gemeinsam mit anderen Comedians gegründet wurde. Die ehemalige Webdesignerin hat alles aufgegeben, um sich ganz dem Stand-up zu widmen. Enttäuscht vom „toxischen“ Verhalten und der Belästigung durch bestimmte Produzenten, wollte Aïda „einen sicheren Ort“ für Künstlerinnen und Künstler schaffen, „einen feministischen und inklusiven Ort, an dem jeder seine Witze ausprobieren kann, bevor er auf größere Bühnen geht“, erklärt die junge Frau. „Für mich muss Stand-up ein bisschen im Underground bleiben, mit Leuten, die im echten Leben stehen und nach der Arbeit ans Mikrofon treten.“

Eine weitere Besonderheit von „La Grande Duchesse of Comedy“: Die Vorstellungen finden alle auf Französisch statt. Für manche, die auch anderswo in Luxemburg, Belgien oder Frankreich auftreten, ist das eine einfache Übung; für Sundeep, der aus Indien stammt, jedoch eine Herausforderung. „Ich habe meinen Text vom Englischen ins Französische übersetzt, aber dadurch wurden die Sätze zu lang, sodass ich vieles ändern musste“, erklärt er. „In Luxemburg ist das Publikum sehr kosmopolitisch, daher kommen Witze über die verschiedenen Gemeinschaften gut an. In Indien ist das komplizierter, weil es dort viel Zensur gibt.“ Heute Abend ist der kleine Saal voll, mit etwa fünfzig Zuschauern, die Stand-up-Comedians unterschiedlicher Herkunft begrüßen: Franzosen, Belgier, Tunesier, Algerier, Syrer… Witze über die kulturellen Unterschiede, die in Luxemburg täglich aufeinanderprallen, kommen tatsächlich hervorragend an. „Hör auf zu sagen, dass du ein Expat bist, du kommst doch aus Longwy!“, wirft Nicolas ein, ein in Belgien lebender Franzose, der damit reichlich Lacher erntet. „Jeder lässt sich vom Alltag inspirieren, aber man muss kreativ sein und seine Fantasie spielen lassen, um die Geschichte interessant zu gestalten“, bemerkt Maya, eine 34-jährige Anwältin, die das „schwarze Loch“ fürchtet und deshalb ihren Text auf ihrem Handy notiert hat, zusammen mit den einzunehmenden Haltungen („abgestumpft“, „verwirrt“), die „bei einem Witz alles verändern“. An diesem Abend hat sie nichts vergessen, trotz des leichten Zitterns, das sie nicht loslässt.

Ein Stand-up-Comedian nach dem anderen tritt auf, angekündigt von Richard Fox und Ken Park, die als MCs (Masters of Ceremony) fungieren. Étienne, mit graumeliertem Haar, hat kleine Kinder: Das hindert ihn daran, so oft aufzutreten, wie er gerne würde, aber es ist gutes Material für seine Figur. Amar arbeitet in Luxemburg, kommt aber aus Paris: Er ist nicht sonderlich überzeugt, wenn man ihm sagt, das Großherzogtum liege „im Herzen Europas“, vor allem, wenn er in Thionville ankommt… Ob die Künstler nun ins Schwarze treffen oder nicht, der Beifall – sei er begeistert oder ermutigend – ist immer da; Verbundenheit ist angesagt. Im Saal sorgen die anderen Comedians mit Gelächter, Pfiffen und Zwischenrufen für Stimmung, um ihre Freunde auf der Bühne zu unterstützen. „Der Stand-up-Comedian ist ein Wesen, das Liebe braucht“, meint Aïda. „Wir sind offen für alle, die das Abenteuer wagen wollen; wir können ihnen helfen, ihren Text zu schreiben, ihnen Ziele setzen …“. Nicolas bestätigt: „&Hier kommen die Leute mit der Bereitschaft zu lachen: Wenn dir ein Witz misslingt, weißt du, dass er wirklich schlecht war! Das Wichtigste ist, authentisch zu sein, sonst spürt das Publikum das, und das ist schlimmer als ein Reinfall.“

Nach anderthalb Stunden Show umarmen sich die Stand-up-Comedians unter dem Jubel eines Publikums, das großzügig mit Reaktionen und Interaktionen bei der Sache ist. „Wir alle kennen Luxemburg, wir leben und arbeiten hier. Die Leute verstehen unsere Anspielungen, die über die abgedroschenen Klischees über die Finanzwelt oder die Größe des Landes hinausgehen – Klischees, die bekanntere Comedians oft von sich geben, wenn sie zu Gast in Luxemburg sind“, erklärt Aïda, die den ganzen Abend über unerschöpfliche Energie an den Tag legte. Sie steht kurz vor dem Start von „Pass Comedy“, einer Plattform, die Comedy-Clubs und Stand-up-Comedians miteinander vernetzt, und möchte außerdem ein Amateur-Comedy-Festival in Luxemburg organisieren. Dabei will sie ihren Comedy-Club aber nicht aufgeben, „wo jeder verstanden hat, dass man sich auch mit Respekt und Wohlwollen richtig amüsieren kann“.