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Stil 4 Min. Lesezeit

Die Kraft unter der Oberfläche

Für den Laien erinnert das Synchronschwimmen an ein Ballett von Nymphen, die sich anmutig im Wasser bewegen. Ein Blick hinter die Kulissen eines Trainings mit den Schwimmerinnen von Swimming Luxembourg offenbart jedoch…

Erschienen in Ausgabe Mai 2025
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Für den Laien erinnert das Synchronschwimmen an ein Ballett von Nymphen, die sich anmutig im Wasser bewegen. Ein Blick hinter die Kulissen eines Trainings mit den Schwimmerinnen von Swimming Luxembourg offenbart jedoch eine etwas andere Realität: Eleganz und Ästhetik sind zwar durchaus vorhanden, doch diese Mädchen sind auch beeindruckende Athletinnen. Im Schwimmbad des Campus Geesseknäppchen in Luxemburg absolvieren sie mehrmals pro Woche dreistündige Trainingseinheiten, die mit Dehnübungen „an Land“ beginnen, gefolgt von einer Stunde Bahnen schwimmen und Apnoe, bevor sie an der Choreografie arbeiten. Mehrere Schwimmerinnen tragen Trainingsgewichte an den Füßen. Ein unter Wasser platzierter Lautsprecher spielt die Musik ab, während spezielle Kopfhörer es ermöglichen, die Anweisungen von Kateryna und Yelyzaveta Podgurska zu hören, den beiden professionellen Trainerinnen aus der Ukraine, die seit anderthalb Jahren engagiert sind. „Ihre Anwesenheit trägt dazu bei, das Niveau des Vereins zu steigern; früher haben wir ausschließlich mit Amateur-Trainerinnen gearbeitet“, erklärt Sonja Tholl, die seit zehn Jahren ehrenamtlich als Trainerin tätig ist.

Im Kunstschwimmen (ein Begriff, der seit 2017 den Begriff „Synchronschwimmen“ ersetzt) sind die Anforderungen in jeder Hinsicht hoch: körperlich, künstlerisch und technisch. Es geht darum, die Pflichtfiguren zu erlernen, aber auch eigene, originelle Bewegungen zu kreieren, die ausgeführt werden müssen, ohne jemals den Beckenboden zu berühren. Kraft in den Beinen und Stabilität im Oberkörper sind unverzichtbar, insbesondere bei akrobatischen Figuren wie Hebefiguren. Verletzungen kommen häufig vor – an den Knien, Schultern, im Lendenbereich … ganz zu schweigen von den versehentlichen Tritten der Teamkolleginnen. „Die Schwimmerinnen müssen sehr nah beieinander sein, das ist ein Kriterium für Spitzenleistungen bei den Preisrichtern“, erklärt Sonja. Unter Wasser sieht man nichts, man muss seinem Team vertrauen und instinktiv handeln – deshalb proben wir so viel.“

Der Swimming Luxembourg ist neben dem CNDU aus Dudelange einer der beiden Vereine im Großherzogtum, die über eine Abteilung für Kunstschwimmen verfügen. Der Einstieg ist bereits ab acht Jahren möglich, bis hin zur Masters-Abteilung für Teilnehmer über zwanzig Jahre. Unter den Teenagern, die an diesem Mittwochabend dabei sind, arbeiten Julia Valentina und Louise an ihrem Duett „French Cancan“… und ihre Bauchmuskeln. „Manchmal trainieren wir schon vor dem Unterricht, wir widmen dem fast unsere gesamte Freizeit“, erzählen sie, bevor sie wieder ins Becken tauchen. Bianca schätzt den Teamgeist und die Vielseitigkeit dieser Sportart. Das Mädchen meint: „Die Leute machen sich keinen Reim darauf, wie schwierig das ist“, was Trainerin Soïzic Hoscheit bestätigt: „Die Kostüme, das Make-up und die Frisuren sorgen dafür, dass das Publikum das schön findet, ohne zu wissen, welche Anstrengungen dieser Sport mit sich bringt… Wenn es einfach aussieht, dann liegt das daran, dass wir gut gearbeitet haben!“ Selbst in der Welt des Schwimmsports wird diese Disziplin eher geringgeschätzt, doch die Dinge ändern sich langsam. Sprinter, die an gemeinsamen Trainingseinheiten teilgenommen haben, zeigen sich „beeindruckt“ – auch die Jungen.

Das Kunstschwimmen wurde erst vor kurzem, bei den Weltmeisterschaften 2015 in Kasan, mit einem Mixed-Duo-Wettbewerb auch für Männer geöffnet. Das veranlasste den russischen Schwimmer Yevgeniy Korotychkin zu folgender Bemerkung: „Ich fürchte, ich muss weinen, wenn ich behaarte Beine aus dem Becken auftauchen sehe.“ Eine Bemerkung, deren Sexismus Sonja nicht überrascht, die lieber mit Humor reagiert: „In der Woche vor einem Wettkampf rasieren wir uns nicht, denn die Haare helfen uns, unsere Position unter Wasser zu erkennen.“ Bei Swimming Luxembourg haben es einige Jungen ausprobiert, sind aber nicht dabei geblieben. Die Trainer fördern weiterhin die Geschlechtervielfalt, die es ermöglichen würde, „mit unterschiedlichen Stärken und Charakteren zu spielen und andere Geschichten zu erzählen“. Ein weiteres Zeichen für einen Mentalitätswandel ist die körperliche Vielfalt: Vorbei sind die Zeiten der kleinen, schlanken Schwimmerinnen mit heller Haut – eine Einheitlichkeit, die lange Zeit geschätzt wurde, weil sie als harmonisch galt.

Für den luxemburgischen Verein stehen in den kommenden Wochen zahlreiche Termine an, darunter die Qualifikationen für die Spiele der Kleinststaaten Europas in der Schweiz sowie der SL Synchro Cup im Schwimmbad des Campus Geesseknäppchen. Sieben Nationen, 21 Vereine und 250 Schwimmerinnen nehmen an diesem „Heimwettkampf“ teil, der zum ersten Mal über zwei Wochenenden hinweg stattfindet. Eine großartige Gelegenheit, eine Sportart zu entdecken, die Spektakel und Leistung vereint.