Es kommt vor, dass Konzerte aufeinanderfolgen und sich ähneln, zumindest was ihren Höhepunkt betrifft. So folgte auf die Dritte Symphonie des „Großen Moguls“ von Beethoven am nächsten Tag, dem 26. September, seine Fünfte. Wer würde sich darüber beschweren?
Am 25. erwartete die zahlreich in die Philharmonie geströmten Musikliebhaber ein prächtiges Programm sowie die einmalige Gelegenheit, einem Dirigenten, einem Orchester und zwei Pianisten von höchstem Rang Beifall zu spenden. Nach einer intimen Ouvertüre bot Iván Fischer, der unumstößliche Leiter des Budapest Festival Orchestra (BFO), den Brüdern Arthur und Lucas Jussen die Gelegenheit, in Mozarts Konzert für zwei Klaviere das gesamte Spektrum ihres Talents zu entfalten, bevor er den großen Konzertsaal mit den Klängen von Beethovens beeindruckender „Eroica“-Odyssee zum Schwingen brachte.
Man kann sich keinen schöneren Auftakt für diesen Abend vorstellen als jene vertrauliche Seite, die der Meister von Bayreuth 1870 Cosima widmete. Dieser „private joke“ stammt von einem lächelnden Wagner – ein pulsierendes und strahlendes Werk jenes Komponisten, den man sich meist als Orchestrator von Gewittern vorstellt. In dieser äußerst schmackhaften Vorspeise überzeugen der ungarische Zauberer und sein umwerfendes BFO durch die Klarheit der Klangebenen, die Lebendigkeit der Tempi und die herzliche Fülle des Klangs. Anschließend ist K. 365 an der Reihe, das sich gut mit dem Übermaß an unbeschwerter Energie verträgt, mit dem es von zwei Brüdern angegangen wird, die ebenso erfrischend und sympathisch wie nervös und kraftvoll sind. Vereint wie siamesische Zwillinge verleihen sie dem Stück eine äußerst belebende Schnelligkeit und Frische.
Die „Eroica“ ist eine grandiose musikalische Umsetzung des Mythos von Prometheus und ein Werk, das hinsichtlich seines Ausmaßes, seiner rhythmischen Kühnheit und der Kraft seiner Kompositionsstruktur beispiellos ist. Der ungarische Maestro meistert es mit Qualitäten, die man zwar nicht mehr extra loben muss, die man aber dennoch loben wird: Kraft, Schnelligkeit, ein packendes Gespür für Klangfarben und dynamische Kontraste, ein wahres Temperament, manchmal ein wenig wild, aber ach so belebend! Beethoven, wie man ihn sich nicht mehr erhofft, aber wie man ihn liebt.
Entdeckungen, Weltpremieren und große Tradition standen am 26. auf dem Programm des von Christoph König und den „Solistes Européens, Luxembourg“ zusammengestellten Konzerts, das im Zeichen eines Dialogs zwischen Ost und West unter dem Motto „Europa meets China“ stand. Als „Zakouskis“ serviert, glichen die synkretistischen „Chinese Folk Songs“ von Zhou Long einem prächtigen Feuerwerk. Die sanfte Melodie von „Mo Li Hua“ ist eines der beliebtesten Lieder in China. „A Horseherd’s Mountain Song“ zeichnet sich durch einen kraftvollen rhythmischen Puls aus, während „A Single Bamboo Can Easily Bend“ die Maxime veranschaulichen soll, dass man gemeinsam stärker ist als allein.
Neben der Rückkehr zur großen Tradition – verkörpert durch die legendäre „Schicksalssinfonie“ des „Titans aus Bonn“ – war die Welturaufführung des Konzerts für Klavier und Orchester von Ivan Boumans zweifellos der Höhepunkt des Abends. Der 1983 in Madrid geborene Komponist verbrachte seine Kindheit in einem Dorf im Herzen Spaniens, bevor er 1998 nach Luxemburg, der Heimat seines Vaters, zog. Unter der fachkundigen Leitung des lokalen „Matadors“ Jean Muller, dessen herausragendes Talent von der internationalen Presse regelmäßig gewürdigt wird, zeichnet sich sein Konzert durch die – wenn auch nur episodische – Rückkehr zur guten alten Tonalität sowie durch die Vorherrschaft schwebender Passagen aus, in denen das Klavier die Streicher keineswegs übertönt, sondern ihnen im Gegenteil den Vortritt lässt. Das Ergebnis? Ein Werk, das mit Sorgfalt, aber nicht ohne Prahlerei konzipiert wurde und vielleicht einige Höhen und Tiefen in der Inspiration aufweist, die jedoch den insgesamt soliden Eindruck kaum beeinträchtigen. Alles in dieser Partitur zeugt von einer Kompositionsweise, die von einer Vorliebe für die Vermischung fein ausgearbeiteter Klangfarben geprägt ist, denen die Interpreten, allen voran Muller, alle expressiven Nuancen entlocken.
Wenn Beethovens Neunte die Hymne Europas ist, so ist die Fünfte gewissermaßen die Hymne unserer Zivilisation. Tatsächlich ist darin nichts Nebensächliches: Inmitten des Aufruhrs seiner unruhigen Seele will der Komponist der Menschheit Zeugnis ablegen. Und genau diese Dimension hört man in der fulminanten Interpretation von König, der das Feuer bis zur Glut anfachte – mit einer Energie, die dem Prometheus der „Eroica“ würdig ist. Am Ruder seines Schiffes hat der königliche Admiral von jenseits des Rheins, wie ein Felsen, der dem Sturm trotzt, es verstanden, nacheinander seine größten Trümpfe auszuspielen: Natürlichkeit, Instinkt, Intuition, aber auch Strenge, Eleganz und Finesse. Reicht das aus? Es ist jedenfalls unendlich viel mehr, als nötig ist, um uns den Genuss nicht verderben zu lassen.