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Musik 4 Min. Lesezeit

Traumbesetzung

Klassische Musik

Erschienen in Ausgabe Februar 2023
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Am 4. Februar stellte sich Sir Antonio Pappano an der Spitze des Orchesters der Nationalakademie Santa Cecilia und gemeinsam mit einem bewährten Pianisten einer Herausforderung, die nicht jedem gegeben ist: den Spagat zwischen Einflüssen aus dem Osten, dem Süden und dem Norden zu meistern.

Der Abend beginnt fulminant mit der „Klassischen Sinfonie“ von Sergej Prokofjew. Aus dieser gekonnten neoklassizistischen Hommage, die vom reinsten Haydn’schen Geist durchdrungen ist (ein Beweis dafür, dass man an der Spitze der Moderne stehen und gleichzeitig der Strenge und dem Formgefühl der Klassiker Tribut zollen kann), bietet uns Maestro Pappano – italienischer Herkunft, angelsächsischer Ausbildung – am Pult einer der ältesten Musikinstitutionen (mit einer über vier Jahrhunderte langen Geschichte) eine mitreißende Interpretation, deren Ausdruckskraft durch ihre Überschwänglichkeit geradezu typisch südländisch wirkt. In dieser Zeit der allumfassenden Homogenisierung und oft kühlen Perfektion zeigt das römische Orchester eine wertvolle klangliche Persönlichkeit, die sich durch den Reichtum und die Wärme der Klangfarben sowie durch den Elan des individuellen Spiels auszeichnet. Diese eher lateinische Ader verbindet sich jedoch mit dem Streben nach Strenge und dem Anspruch an Teamarbeit, die nicht gerade als transalpine Tugenden gelten. Klassische Architektur, klangliche Klarheit, Gesamtkohärenz – alles trägt dazu bei, den Geist des Wiener Klassizismus wieder aufleben zu lassen. Allerdings tragen die atemberaubende Vitalität des Allegros, die funkelnde Lebendigkeit des Finales sowie gewisse harmonische Kühnheiten die Handschrift eines Komponisten des 20. Jahrhunderts, nämlich Prokofjew.

Der weitere Programmteil ist dem beeindruckenden Konzert in G gewidmet, einem sonnigen, leichten Werk, das im Stil und Geist der Mozart-Konzerte geschrieben ist, dessen äußerliche Heiterkeit jedoch – wie beim Wunderkind – zeitweise eine echte Melancholie verbirgt. Mit einer Leidenschaft, die man sich bei einem Künstler aus dem hohen Norden kaum vorstellen kann, stürzt sich Víkingur Olafsson in das Feuer Ravel. Schon zu Beginn des epischen Kampfes, den das einleitende „Allegramento“ darstellt, entfaltet sich der Zauber – und das bis hin zum Fortissimo-Finale des gesamten Orchesters. Bei dem Isländer, den die angelsächsische Presse als „neuen Superstar der klassischen Pianisten“ bezeichnet, ist in der Tat alles nur Geschwindigkeit, Glanz, ungezügelte Virtuosität, Notensturm, pure Rhythmusfreude, Spontaneität – doch ohne Übertreibung. Der Dreißigjährige zeigt sich dabei abwechselnd geschmeidig, perkussiv, katzenhaft, temperamentvoll, verträumt und fantasievoll. Was die Virtuosität des Orchesters angeht, das auf einen reduzierten Besatz zugeschnitten ist, stellt sie die Instrumentalisten, insbesondere die Holz- und Blechbläser, auf eine harte Probe, während sie vom Dirigenten verlangt, das richtige Gleichgewicht zwischen den Instrumentengruppen zu finden – eine überaus schwierige Aufgabe (da die Lebhaftigkeit und die dynamischen Akzente nicht ins Unordentliche abgleiten dürfen), die Sir Pappano jedoch mit Bravour meistert.

Nachdem der „Víking-Wirbelsturm“ der als Zugabe durch ein äußerst feinsinniges Stück von Bartók fortgesetzt wurde, entführt uns die 5. Sinfonie von Jean Sibelius, der Symbolfigur der nordischen Musik, in eine ganz andere Welt. In diesem Meisterwerk, das manche als „Sturm im Kopf“ bezeichnet haben, entfaltet der finnische Barde ein beeindruckendes Panorama, das von einem rauen, aber belebenden Nordwind durchweht wird – auf einer außergewöhnlichen Reise, auf der sich die Musik trotz aller Umwege und Abzweigungen sich die Musik mit gewaltiger Energie ihren Weg bahnt, deren Entwicklung im Stil eines „Work in Progress“ geradezu kosmische Ausmaße annimmt.

Schon im ersten Satz scheint es tatsächlich so, als würde sich die Musik im Laufe ihres Verlaufs selbst erfinden. Untermalt von den Pizzicato-Streichern ist das Thema des Andante die Anmut in Reinkultur. Nach dieser ländlichen Idylle verkündet das Finale – getragen von rasanten Tempi, bis zur Hartnäckigkeit wiederholten Rhythmen und gewaltigen Kraftsteigerungen – mit ungewöhnlicher Feierlichkeit das berühmte Thema des „Schwanenflugs“verkündet – eine hymnische Melodie, die in einem einzigen Fluss anschwillt, wie eine Flut oder ein großer organischer Schwung, dem der Komponist ein jähes Ende setzt, indem er sechs Schlussakkorde hämmernd anschlägt, die am Ende von abrupten Pausen unterbrochen werden – ein unerhörtes Verfahren, ohne Vorläufer und ohne Nachahmer.

Pappano versteht es, die Mehrdeutigkeit der Inspiration ebenso wie das paradoxe, aber souveräne Gleichgewicht wiederzugeben, und wagt ungewöhnlich weit ausholende Tempi, um den heroischen Charakter dieser zugleich rauen und melodiösen Sinfonie zu unterstreichen. Auf diesem Intensitätsniveau wiedergegeben, hebt sich die Lieblingssinfonie des Meisters deutlich vom Mainstream ab. Und auch wenn die Ausführung im Detail nicht immer perfekt ist, ist sie doch originalgetreu genug, um der musikalischen Wahrheit des Werks gerecht zu werden.