Neu Start der neuen Website des Land Zum Onlineshop →
Musik 4 Min. Lesezeit

Mit dem Kopf in den Sternen

TzeeDee

Erschienen in Ausgabe April 2024
Artikel teilen auf

Am 14. Februar 1990 nahm die Raumsonde Voyager 1, die sich zu diesem Zeitpunkt fast sechs Milliarden Kilometer von unserem Planeten entfernt befand, eine Serie von sechzig Fotos auf, die legendär geworden sind. Unter dieser als „Family Portrait“ bezeichneten Serie befindet sich ein Bild der Erde – ein winziges Pixel, verloren in einem Sonnenstrahl, aber dennoch deutlich sichtbar. Diese als „Pale Blue Dot“ bekannte Aufnahme ist der Ausgangspunkt für das erste Album des Veda Bartringer Quartetts. Als die luxemburgische Gitarristin und Gründerin der Formation eine entsprechende Dokumentation auf Arte sah, kam ihr die Idee, ein Stück als Hommage an diesen einzigartigen Anblick zu komponieren. Eine Komposition führte zur nächsten, und schließlich entstand ein ganzes Konzeptalbum rund um das Thema Weltraum. Dieses Projekt „Deep Space Adventure“ erschien am Freitag, dem 19. April, und die Veröffentlichung des Albums fand am selben Tag im Foyer des CAPE (Centre des arts pluriels d’Ettelbruck) statt. Eine Gelegenheit, auf diese Platte und das Release-Konzert zurückzublicken, bei dem alle Stücke aufgeführt wurden.

Zunächst einmal sollte man auf die Entstehungsgeschichte der Band eingehen. Das Veda Bartringer Quartett wurde 2021 gegründet und besteht aus der Gitarristin und Komponistin Veda Bartringer, dem Saxophonisten Julien Cuvelier, dem Schlagzeuger Maxime Magotteaux und dem Kontrabassisten Boris Schmidt. Ihre erste EP „The Butterfly Effect“, die 2022 erschien und zwar bescheidene, aber positive Resonanz fand, hat sich nach und nach durchgesetzt und es ihnen ermöglicht, auf mehreren lokalen Bühnen aufzutreten, insbesondere bei der letzten Ausgabe des Festivals „Like a Jazz Machine“. „Deep Space Adventure“ ist somit ein Konzeptalbum, dessen von Henri Schoetter gestaltetes, sehr inspiriertes und gelungenes Cover bereits einen Vorgeschmack auf den Inhalt gibt. Auf elf Titeln mit einer Spielzeit von 46 Minuten webt die Band eine schlüssige und nuancenreiche Erzählung.

Die Einleitung „Lift Off“ ist ein kurzes Stimmungsstück, das es den Künstlern ermöglicht, sich aufeinander einzustimmen – ähnlich wie bei einem Orchester zu Beginn eines Konzerts, wenn der Grundton „A“ angeschlagen wird. „Search for Light“ ist ein strahlendes Stück, das sein Ziel erreicht. Boris Schmidt, das Urgestein der Formation, hat viel Erfahrung, und das hört man. Auf der Bühne sorgen seine Soli für Eindruck, und seine Beständigkeit steht außer Frage. „No Edge in the Sky“ bietet der Gitarristin einen idealen Spielraum für Variationen. „Avoid the Asteroid“ beginnt mit freien Klängen, bevor es richtig losgeht. Die Struktur des Stücks folgt einem klassischen Schema, das kaum überrascht. Dann kommt jedoch „Sun Rays“, ein Titel zu Ehren des amerikanischen Jazz-Schlagzeugers Brian Blade, dessen Musik die Gitarristin während ihres gesamten Studiums in Brüssel begleitet hat. Veda Bartringer, die hier ihre Spielpalette entfaltet, ist auf der Bühne besonders inspiriert. Julien Cuvelier, Maxime Magotteaux und Boris Schmidt stehen ihr in nichts nach. Vor allem der Saxophonist findet seinen Rhythmus und unterbreitet einen musikalischen Vorschlag, dem man nur zustimmen kann. Der folgende Titel „Pale Blue Dot“, Singleauskopplung des Albums und Herzstück der Platte, verlangsamt das Tempo. Die leicht hallende Gitarre klingt fast wie eine Marimba, was dem Titel eine gewisse Rundheit verleiht. „Pale Blue Dot“ ist der Soundtrack zu einem Film über einen Ballon, der nach und nach emporsteigt, bis er die Atmosphäre verlässt.

Mit „Shuttle Stuck“ kehrt man wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Man behält einige mutige Momente und eine sich stetig entwickelnde Melodie im Gedächtnis, die auf der Platte zwar wenig Eindruck hinterlässt, auf der Bühne jedoch ihre Daseinsberechtigung findet. „Lazy Space Walk“ macht seinem Titel alle Ehre. Es ist ein entspanntes Stück, das den perfekten Rahmen für einen Song bilden würde. „Io’s Volcan“ und „Cosmic Particles“ bilden eine Art Diptychon aus Kompositionen, die zwar gegensätzlich sind, sich aber dennoch ergänzen. Beide verleihen einem Album, das nicht ganz frei von Längen ist, eine gewisse Frische. Das Projekt endet so, wie es begonnen hat: mit einem kurzen Free-Stück. „Deep Space Adventure“ ist eher tiefgründig als abenteuerlich und erfindet das Genre des Space-Jazz-Albums, das von unzähligen Künstlern von Sun Ra bis Benoît Martiny verherrlicht wurde, nicht neu. Dennoch zeichnet sich dieses Debüt durch Kohärenz und eine gewisse Unbefangenheit aus und bietet den Zuhörern die Möglichkeit, wenn auch nur für einen kurzen Moment, mit den Gedanken in den Sternen zu schweben.

„Deep Space Adventure“ ist auf allen Streaming-Plattformen
verfügbar. Das Veda Bartringer Quartett wird am 9. Juni im Neimënster
auftreten. Weitere Termine sind den ganzen
Sommer über in Luxemburg und Deutschland geplant. Weitere Informationen
unter: vedabartringer.com