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Musik 4 Min. Lesezeit

Kühler Sommerabend

Konzert

Erschienen in Ausgabe August 2021
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Es ist etwas nach 21:30 Uhr am vergangenen Freitag, als drei Niederländer mit einem halb traurigen, halb Vintage-Look einen sich wiederholenden, düsteren Sound auf der kleinen Außenbühne der Rotondes erklingen lassen, die eigens für das „Congés Annulés“, klassischen „f(e)stival des Rotondes“, dessen Konzept perfekt auf diese Zeit der Pandemie und des „Alles zu Hause“ – Arbeit und Urlaub – zugeschnitten ist. Also nein, auch wenn man sie um diese Jahreszeit normalerweise eher auf dem Gelände von Berchem sieht, haben sich diese drei Niederländer nicht in Bonnevoie auf dem Weg zu einem Campingplatz in der Ardèche verirrt. Im Gegenteil, sie gehören zu den am meisten erwarteten Bands dieser Konzertreihe im August – eine Mischung aus Synthwave und Darkwave, deren Sound man glatt für einen aus der Vergangenheit halten könnte, irgendwo zwischen dem Ende der Siebziger und dem Anfang der Achtziger.

De Ambassade – so lautet ihr Kosename – ist eigentlich das geistige Kind von Pascal Pinkert alias Dollkraut, einem Musiker mit einer Vorliebe für elektronische Musik im weitesten Sinne, der in seinem Soloprojekt Breakbeat, Pop, Proto-Disco- und New-Wave-Einflüsse subtil miteinander vermischt. Mit De Ambassade hat Pascal ein Rezept gefunden, das man für abgedroschen halten könnte, das aber dennoch so frisch klingt wie ein gutes Bier an einem heißen Sommerabend (ein in unseren Breitengraden fast vergessenes Konzept): weder Gitarre noch Schlagzeug, nur ein fetter Bass im Mittelpunkt der Bühne und eine ganze Reihe selbstgebauter analoger Synthesizer mit herrlich retro-klingendem Sound, das Ganze gepaart mit echten, sich wiederholenden Pop-Melodien. Seine beiden Mitstreiter, Aniek de Rooij an den anderen Synthesizern und Jippe van Niel am Bass, sind erst kürzlich zum Projekt gestoßen, lange nachdem das Album „Duistre Kamers“ (auf dem Label Knekelhuis) erschienen war, und sind nun dabei, die Stücke live zu interpretieren.

Das Trio brauchte nur etwa zehn Sekunden, um das Publikum für sich zu gewinnen, nachdem die wenigen technischen Probleme behoben waren. Ein Publikum, das nicht aufhörte, zu dieser eindringlichen, rätselhaften Musik zu tanzen, die mal eiskalt, mal glühend heiß war. Die niederländischen Texte gehen in den Klangteppichen und Verzerrungen unter – was angesichts der nicht unbedingt einladenden Klänge der niederländischen Sprache wohl auch besser so ist. Und doch funktioniert es. Die dumpfen, kehligen Stimmen verleihen der Musik eine geheimnisvolle Dimension, die auf köstliche Weise düster wirkt. Der „Reverb“-Regler ist bis zum Anschlag aufgedreht. Manche Stücke erinnern an Fad Gadget oder Suicide, andere lassen stark an Warsaw denken und beschwören den Geist von Ian Curtis in einer Atmosphäre, als stünde die Welt vor dem Untergang. Gegen Ende des Sets festigt „Geen Genade“, ihr 2016er-Hit, der auf dem Album enthalten ist und das ultimative Beispiel für die Dualität von Kälte und Wärme in ihrer Musik darstellt, den Erfolg eines gelungenen dystopischen Abends.

Denn diese angespannte und kühle Atmosphäre hatte schon viel früher eingesetzt, als NBLR (ausgesprochen „Nebular“) die Bühne betrat, als es noch hell war. Man hätte das allererste Konzert eines lokalen Duos vielleicht als überflüssig abtun können, doch ganz im Gegenteil: Der Auftritt zeugte von beeindruckender Reife. Fetter Sound, synthetische Bässe, die auch hier sehr an die Achtziger erinnerten, Gitarrenloops, kraftvolles und präzises Schlagzeug, hypnotische Melodien – das Rezept ging voll und ganz auf. NBLR machte anschließend Platz für Von Kübe, ein weiteres lokales Projekt einer in der Szene bekannten Persönlichkeit, Christophe Peiffer alias Kuston Beater. Zwar ist die Bühnenkonfiguration für ihn üblich (ganz allein mit seinen Maschinen und seinem Computer), doch der Sound ist deutlich dreckiger und düsterer als das, was Christophe uns bisher gewohnt hat – und subjektiv gesehen überzeugender. Zwischen Krautrock und Synthpop im weitesten Sinne navigierend, mit Samples und digitalen Synthesizern, die noch nicht entstaubt sind, öffnet Von Kübe (Ku wie Kuston und Be wie Beater) eine Büchse der Pandora im musikalischen Universum einer unverzichtbaren Persönlichkeit der lokalen Szene, und wir sind gespannt auf die Fortsetzung.