Die Idee war folgende: meine Komfortzone zu verlassen (ein derzeit sehr beliebter Ausdruck, nicht wahr!) und mir einen Künstler anzusehen, von dem ich absolut nichts weiß, außer dass er Vibraphon spielt und dass er anscheinend er viel bekannter ist, als ich dachte, vor allem im Ausland! Kurz gesagt, ich wollte mir das Konzert – ausgerechnet in der Kufa – von Pascal Schumacher, einem Vibraphonisten von Beruf, ansehen!
Aber was ist eigentlich genau ein Vibraphon? Nun, das Vibraphon ist ein Musikinstrument aus der Familie der Schlaginstrumente, genauer gesagt aus der Gruppe der Tasteninstrumente. Oft mit dem Xylophon verwechselt, besteht das Vibraphon aus Metall und nicht aus Holz. Aber um ganz ehrlich zu sein: Es sieht trotzdem wirklich wie ein Xylophon aus!
Das Konzert findet im Sitzen statt; der Künstler steht allein auf der Bühne. Es ist 20:15 Uhr, die Lichter gehen aus… Es herrscht andächtige Stille im Saal, in dem gut hundert Menschen Platz genommen haben. In schwarzer Hose und einem ebenfalls schwarzen Pullover mit V-Ausschnitt beginnt Pascal Schumacher sein Set, und man merkt sehr schnell, dass der Künstler äußerst konzentriert ist und das anwesende Publikum buchstäblich zu ignorieren scheint. Und das Paradoxon zwischen dem sehr „minimalistischen Rock“-Charakter des Saals in Esch und den so leichten Klängen des Vibraphons ist verblüffend. Die Schlichtheit der Bühne wird nur noch von der beeindruckenden Qualität der Beleuchtung übertroffen, die mal blau, mal goldfarben auf die Resonanzrohre des Instruments fällt. Das ist schön, wirklich schön!
Technisch gesehen erinnert das ein wenig an die Singer-Songwriter jener Zeit, die, ganz allein auf der Bühne, sich selbst sampelten, bis sie ein regelrechtes virtuelles Orchester als Begleitung hatten. Schumacher wendet in etwa dieselbe Methode an, auch wenn das Vibraphon der eigentliche Star des Abends ist. Wenn man die Augen schließt, schwebt man mühelos in weite Weiten. Die Augen – mein Nachbar scheint sie etwas zu lange geschlossen zu haben, wenn ich dem leisen Schnarchen glauben darf, das an meine Ohren dringt. Aber lassen wir das !
Die Musik von Pascal Schumacher klingt fast wie Progressive Rock … aber ohne den Rock-Anteil, versteht ihr ? Ein bisschen so, als würden sich Genesis – in der Peter-Gabriel-Ära – in eine 1:30 Stunden lange Improvisation ohne Schlagzeug stürzen. Es ist beschwingt, manchmal überraschend, aber immer sanft und leicht. Hätte man uns eine Kulisse mit japanischen Kirschbäumen im Hintergrund aufgebaut, hätte das dem Ganzen absolut nichts von seinem Charme genommen.
Aufbauend auf seinen beiden letzten Alben (Luna, sein jüngstes Werk, und Sol, sein erstes Soloalbum) wird Schumacher 90 Minuten lang eine Show präsentieren, die sowohl bemerkenswert ausgewogen als auch absolut fesselnd ist und hier und da nur durch einige Erläuterungen zu seiner Musik, seiner Wahl des Veranstaltungsortes oder der Frage, wo man „Luna“ auf Vinyl bekommen kann, unterbrochen wird.
Der Künstler hat heute Abend einmal mehr bewiesen, dass er zu jenen hochbegabten Musikern gehört, denen es – wie beispielsweise Francesco Tristano oder David Ianni – auf brillante Weise gelungen ist, Grenzen zu überwinden, und die heute auf den schönsten Bühnen der Welt auftreten. Denn ganz beiläufig wird Schumacher nach diesem Auftritt in der Kufa nach Deutschland, Norwegen, Frankreich oder auch Schweden weiterreisen, immer um „Luna“ zu präsentieren. Nicht schlecht für einen jungen Mann, der „nebenbei“ auch am Konservatorium von Luxemburg unterrichtet und regelmäßig im Jazzquartett auftritt!
Beim Verlassen des Saals waren sich alle einig: Sie lobten nicht nur das einzigartige Talent des Musikers, sondern auch seine rührende Bescheidenheit und seine Freundlichkeit. Wir ziehen unseren Hut vor ihm, dass er die Kufa als Ausgangspunkt für seine Europatournee gewählt hat. Eine Geste, die Bände über einen facettenreichen Künstler spricht, für den die Klangqualität stets im Mittelpunkt seiner Musik stehen wird! Bravo, Herr Schumacher! Und ein langes Leben für Luna…