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Musik 3 Min. Lesezeit

Die Kumpels

Konzert

Erschienen in Ausgabe Oktober 2021
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Am Freitag haben wir Girls in Hawaii in der Kulturfabrik wiedergetroffen – so, als würde man Freunde wiedersehen, die man schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen hat. In der Clique gibt es immer den einen, der ständig etwas zu erzählen hat und von dem man sich manchmal wünscht, er würde mal den Mund halten ; und dann gibt es den anderen, der eher zurückhaltend ist, den man nicht unbedingt hört, über den man sich aber jede Menge Fragen stellt : Warum redet er nicht mehr ? Verbirgt er etwas ? Was hat er die ganze Zeit über gemacht…

Bei den Girls steht man, wie ihr euch sicher denken könnt, eher auf die zurückhaltende Art ; große Reden sind nicht so ihr Ding ! Wenn sie also ganz in Schwarz gekleidet die Bühne betreten, legen sie los, ohne ein Wort zu sagen. Oder doch… aber nur, um zu betonen: „Das ist das erste Mal, dass wir in diesem Saal auftreten.“ Sie fügen hinzu: „Die Garderoben sind einfach unglaublich!“ Und legen gleich mit einem kleinen Seitenhieb auf die Nachbarn aus Esch nach: „Bisher haben wir vor allem in der Rockhal gespielt … einem Saal, der definitiv nicht den Charme von hier hat.“ Das wird man in Belval sicher zu schätzen wissen …

Und wie jedes Mal, wenn man sie sieht, denkt man sich: Ehrlich gesagt, die Girls spielen doch verdammt gut! Die Stimmung im Saal baut sich ganz langsam auf, zugegebenermaßen unterstützt durch eine Band, die heute Abend entschlossen ist, ihre „Best of“-Karte auszuspielen. Das Konzert gewinnt an Fahrt und die Klassiker reihen sich aneinander. „Found in the Ground“, „Indifference“, „Misses“ … es klingt so luftig wie nur möglich, und das ist auch gut so! Es ist schon komisch, wie man manchmal an dEUS denkt und sich schließlich fragt, warum die Band nicht denselben Mainstream-Erfolg hatte? Wahrscheinlich zu gepflegt, sicherlich weniger „verrückte Hunde“. Manche Bands haben die unangenehme Angewohnheit, beim Spielen auf ihre Füße zu schauen; die Girls in Hawaii hingegen spielen mit dem Blick geradeaus. Das verzeiht man ihnen gerne… Und wenn die Band dann einen kraftvollen Song wie „Flavor“ zum Besten gibt, der fast schon in Richtung Heavy Metal abdriftet, zieht man den Hut vor ihnen. Nach anderthalb Stunden Konzert gehen die Lichter wieder an und alle scheinen zu lächeln…

Girls in Hawaii hatten ihren großen Moment vielleicht im Jahr 2004, als sie zusammen mit Ghinzu und Sharko die „Ancienne Belgique“ füllten – woran man sich noch heute erinnert –, doch niemand kann behaupten, dass die Band heute ein „Has-been“ ist. Das Set heute Abend, das zwar bis ins Detail ausgefeilt, aber dennoch voller Emotionen war, hat jedenfalls bewiesen, dass man sie nicht zu schnell abschreiben sollte, denn letztendlich sind sie in ihrer Kategorie immer noch die Besten.

Das Publikum war jedenfalls begeistert, und die Reaktionen nach dem Konzert gingen alle in die gleiche Richtung. Man hat nicht nur eine Band wiedergetroffen, die man immer wieder gerne sieht, sondern für viele war es auch der erste richtige Besuch in einem Konzertsaal seit langem! Und das war offenbar einfach unbezahlbar. Der Legende nach soll die Band, die nach wie vor vom Charme der „so gemütlichen“ Garderoben der Kulturfabrik verzaubert war, die Ledersessel erst gegen 2 Uhr morgens verlassen haben … Wenn das keine Liebe auf den ersten Blick ist …