Man kann es nicht oft genug betonen: Die Salzburger Festspiele beschränken sich nicht auf diesen einen Veranstaltungsort in der Altstadt, die Hofstallgasse, vollgestopft mit luxuriösen Autos und glitzernden Kleidern. Es gibt bescheidenere, weiter entfernte Orte wie Hallein, das Mozarteum auf der anderen Seite der Salzach oder das Landestheater, auch wenn man diesen Sommer wegen Bauarbeiten keinen Fuß dorthin setzen konnte. Aus diesem Grund hat die Festspielleitung den Max-Schlereth-Saal für „Verrückt nach Trost“ von Thorsten Lensing in Beschlag genommen, ein Stück, das in Koproduktion mit nicht weniger als sieben Institutionen entstanden ist, darunter die Théâtres de la Ville de Luxembourg, wo André Jung Anfang Dezember sozusagen in die Heimat zurückkehren wird.
Es ist nicht nur diese Streuung der Veranstaltungsorte. Noch größer ist der Kontrast zwischen solchen Opernaufführungen in ihrer ganzen Pracht auf den weitläufigen Bühnen des Festspielhauses oder der Felsenreitschule und solchen Kammermusikabenden, bei denen selbst im Haus für Mozart eine gewisse Intimität entsteht, was im Mozarteum ganz alltäglich und normal ist. Bei einem Publikum, das versierter nicht sein könnte – und das dennoch nicht weniger leidenschaftlich und begeistert ist, wie die fieberhafte Atmosphäre beim Konzert des Ebène-Quartetts beweist –, ist es doch selten, dass man in Salzburg sieht und hört, wie das Publikum mit den Füßen stampft und seine Begeisterung lautstark zum Ausdruck bringt.
In Luxemburg kennen wir die Ebène schon seit fast zehn Jahren, seit 2013 – natürlich als Quartett, aber auch als Quintett mit Antoine Tamestit. Am kommenden 29. April treffen sich die fünf Musiker in der Philharmonie, um Mozarts KV 515 und 516 aufzuführen. Und obwohl es im Laufe der Jahre zwei Wechsel am Bratschenpult gab, hat dies der Kohärenz und der mitreißenden Spielfreude des Ensembles absolut keinen Abbruch getan. Seit 2019 hat Marie Chilemme diese Position inne; im vergangenen Oktober trat sie gemeinsam mit Pierre Colombet und Gabriel Le Magadure (Violinen) sowie Raphaël Merlin (Cello) mit dem ersten Quartett von Janáček auf, umrahmt von Werken von Haydn und Schumann.
Auch in Salzburg stand die Kreutzer-Sonate auf dem Programm, und was für ein Vergnügen, diese Wildheit der Gefühle und Leidenschaften (als Antwort auf Tolstoi) erneut zu hören, diese Einsätze, die von Anfang an eine Intensität verleihen, die nicht mehr nachlässt, dabei jedoch Raum und Zeit lassen, damit sich die Emotion entfalten kann. War es diese Erwartung eines ähnlich paroxysmalen Ausmaßes, die bereits dazu geführt hatte, dass man Mozarts KV 387, das zuvor gespielt wurde, mit anderen Ohren hörte ? Nein, auch wenn hier wieder der ganze Verdienst der Interpretation zukam, uns über den bloßen Genuss hinauszuführen, die Brüche hervorzuheben, die der Komponist in der Tradition geschaffen hat, die Art und Weise, wie er sich ihr gewissermaßen entgegenstellte, bereits im Widerspruch dazu stand. Eine ähnliche Hinterfragung, ein ganz und gar frischer Blick auf Brahms’ Quartett Nr. 3 – ich entnehme die Schlussfolgerung des Abends dem Programmkommentar zum Ende dieses Werks: „&Aber der Kreis schließt sich nicht: Er öffnet sich ins Unendliche.“ Eine solche grenzenlose Offenheit steht der Musik gut an.
Auch anderswo, nicht weniger berechtigterweise, werden die Räume enger. Dies war bei den Liedern von Schubert, den Melodien von Fauré und Debussy sowie den Arien von Rossini während des Recitals von Diana Damrau der Fall. Umso mehr, als es entgegen der Gewohnheit keine Klavierbegleitung gab; neben ihr auf der Bühne stand Xavier de Maistre mit seiner Harfe – man erinnere sich, dass er 1998 als erster Franzose in die Wiener Philharmoniker aufgenommen wurde. In einer solchen Ballade von Goethe – die an diesem Abend allerdings nicht zu hören war – heißt es über den Sänger: „ drückt’ die Augen ein/ Und schlug in vollen Tönen “, wobei natürlich das antike Bild aufgegriffen wird; das allein würde schon ausreichen, um die Harfe zu rechtfertigen. Sie bot ein neues Erlebnis, eine leichtere, präzisere und fast schon flüchtige Begleitung, selbst in ihren stärksten Akzenten, im Kontrast zur Klarheit von Diana Damraus Stimme.
Und im französischen Teil des Programms bietet sich die Gelegenheit zu verfolgen, wie Fauré und Debussy Verlaine vertont haben – sein „Clair de lune“, die siegreiche Liebe, die ekstatischen Seufzer der Springbrunnen. Der eine zelebriert eher die Rokoko-Atmosphäre, der andere tendiert zu etwas Spannungsgeladenerem. Danach folgte Rossini, man näherte sich der Oper, kam ihr mit der ersten Zugabe – einer Arie von Bellini – direkt entgegen, um schließlich mit „Les Chemins de l’amour“ und dem Walzer von Francis Poulenc zu enden.